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10.10.2017 :: Potenzial erschließen statt Symptome bekämpfen

Worum gehts eigentlich bei der persönlichen Auseinandersetzung mit seinen Ängsten? Gehts darum, ein paar Symptome in den Griff zu bekommen?

Wäre es nicht ein viel spannenderes Ziel, als Mensch sein Potenzial zu erschließen? Wer bin ich wirklich? Was macht mich aus? Wie kann ich in dieser Welt wirksam werden? Wie kann ich mir meiner Stärken bewusst werden und sie leben? Wie kann ich Vertrauen in meine Kraft und meine Fähigkeiten entwickeln?

Wenn ich mein Potenzial erschließe, kann ich mehr leben, bin mehr ich selbst, kann mich besser in die Welt einbringen und mit anderen verbinden, fühle mich freier. Und ich kann besser für mich sorgen und werde zufriedener, manchmal sogar richtig satt. Dann bin ich vielleicht glücklich.

Menschen, die so viel mehr sie selbst geworden sind, können auch einen wertvollen Beitrag in die Gemeinschaft einbringen, wo immer sie auch wirken.

Vielleicht geht es ja um etwas viel Größeres, als nur ein paar Symptome zu überwinden...

-- Fred

01.10.2017 :: Seminar zum Thema Konflikte in Selbsthilfegruppen

Die Kontaktstelle für Selbsthilfe bietet regelmäßig Seminare an, die die Selbsthilfearbeit unterstützen. Gestern war ein solches Seminar und einige von uns waren dabei. Es ging um das Thema Konflikte, die in Gruppen auftauchen.

Konflikte in Selbsthilfegruppen? Soll es da nicht nur friedlich und wohlwollend zugehen?

Ein gutes Gruppenklima erscheint mir auf jeden Fall wichtig, um in einen konstruktiven gemeinsamen Austausch zu kommen. Gerade bei psychischen Themen ist das besonders wichtig. Denn es geht ja um Öffnung. Wir wollen etwas von uns mitteilen, wo wir Vertrauen in die anderen brauchen.

Doch kann das wirklich gelingen, Konflikte komplett aus Selbsthilfegruppen herauszuhalten?

Meine Erfahrung ist, dass das nicht geht. Es ist wie überall, wo Menschen aufeinandertreffen. Wir sind numal alle unterschiedlich. Damit hat jeder eigene Erwartungen und eigene Bedürfnisse. Und jeder bringt auch Angewohnheiten in eine Gruppe, die andere belasten können.

Ein typisches Beispiel für einen Konflikt wäre der Redeanteil in der Gruppe. Wenn ein Mensch in der Gruppe immer wieder sehr viel Rederaum einnimmt und dabei viele Details äußert, die für andere nicht von Belang sind, kommt schnell Unmut, Frust oder gar Ärger auf. Die Redebalance stimmt dann in der Gruppe nicht mehr.

Viele Menschen haben Angst vor Konflikten. Das gilt nochmal besonders bei Menschen mit sozialen Ängsten. Nicht jeder, der soziale Ängste hat, ist konfliktscheu, aber es gibt schon eine gewisse Tendenz, Konflikte zu vermeiden.

Was passiert aber, wenn Konflikte nicht benannt und angesprochen werden? Ein typisches Muster wäre, dass es einen innerlich immer mehr aufregt. Man ist mehr und mehr damit beschäftigt. Und entweder explodiert man irgendwann oder man zieht sich zurück. Beide Reaktionen kosten einen hohen Preis: Entweder verletzen wir andere stark und sorgen dafür, dass ein Konflikt tatsächlich ein destruktives Ende nimmt. Oder aber, wenn wir uns zurückziehen und aus der Gruppe aussteigen, verlieren wir das, was doch eigentlich mal so hilfreich für uns war. Und in einer anderen Gruppe ist es sehr wahrscheinlich, dass ich recht bald in einem ähnlichen Konflikt bin.

Ein Punkt des Seminars war, Konflikte als etwas eher Natürliches wahrzunehmen. Wir müssen uns immer mal wieder aneinander reiben. Und daran kann jeder wachsen. Daran kann auch die Gruppe wachsen. Ja, damit man überhaupt gemeinsam wachsen kann, ist es mitunter von zentraler Bedeutung, dass Konflikte benannt und bewusst gemacht werden.

Was es braucht, sind konstruktive Wege, wie man mit Konflikten umgeht. Wie kann man sie als Chance begreifen und auch nutzen?

Im Seminar lernten wir ein Werkzeug kennen, das sogenannte Zwiegespräch. Konflikte neigen dazu, dass man sehr schnell in eine impulsive Dynamik hineinkommt, wo keiner mehr den anderen ausreden lässt. So verstehen wir nicht mehr wirklich, was das Anliegen des anderen ist. Auch passiert es schnell, in eine reine Verteidigungshaltung zu gehen. Dann ist man nicht mehr offen für den anderen.

Das Zwiegespräch schafft nun einen Rahmen, was dieser Tendenz entgegenwirkt. Wir haben es so praktiziert: Zwei Personen, die einen Konflikt haben, setzen sich gegenüber. Die Gruppe ist Zuschauer und kann nach dem Zwiegespräch Feedback geben. Beide Personen bekommen nun jeweils 3-4 Minuten, ihre Situation zu schildern. Hierbei achtet man darauf, in Ich-Botschaften zu sprechen und auch die Gefühle mit einzubeziehen. Wie erlebe ich den Konflikt? Was macht das mit mir? In der Zeit, wo der eine spricht, hört der andere nur zu. Er mischt sich in keiner Form ins Gespräch ein, auch nicht dann, wenn für ihn etwas unverständlich ist oder er Dinge anders sieht. All das spart er sich auf, bis er dran ist. Nach 4 Minuten wechselt dann die Rolle. Nun kann der andere seine Sicht erzählen. Man macht in der Regel mehrere Durchgänge. Auf das, was der andere gesagt hat, kann man natürlich resonieren. Aber auch hier wieder sollten es Ich-Botschaften sein.

Was passiert dadurch? Erstmal nimmt man sich mehr Zeit, um sich wirklich zu verstehen. Es passiert in der Regel aber noch mehr: Wir begegnen uns auf direkte Weise und fördern Einfühlung und Wertschätzung. Das kann die wohlwollende Beziehung stärken. Also im Sinne von "Ich höre dir zu. Du bist mir wichtig. Mich interessiert, wie du dich fühlst." und auch umgedreht "Ich spüre Wertschätzung. Mir wird zugehört. Ich werde gesehen und mit meiner Meinung wertgeschätzt."

Mit dem Zwiegespräch könnten wir an den Punkt kommen, Missverständnisse auszuräumen, den anderen in seinen Bedürfnissen besser zu verstehen, mehr Klarheit über die Situation zu erlangen und auch unsere Unterschiedlichkeit klarer herauszuarbeiten.

Solche Gespräche helfen auch, überhaupt erstmal ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir eben auch alle unterschiedlich sind. Andere Menschen haben andere Bedürfnisse und das ist gut so. Das braucht Toleranz und auch ein gegenseitiges Engagement: "Damit du dich hier wohlfühlen kannst, möchte ich mich auch für deine Bedürfnisse engagieren. Wenn auch du das für mich tust, fühlen wir beide uns wohl. Und das eröffnet uns so viele Möglichkeiten."

Das ist für mich die Kraft der Kooperation. Sich positiv mit anderen Menschen zu verbinden, kann so vieles möglich machen. Es lohnt sich, sich gemeinsam dafür zu engagieren.

-- Fred

Weblinks:

29.09.2017 :: Das Ungewisse

Für Angstmenschen ist das Ungewisse eine große Projektionsfläche für alles, was Angst macht. Das Ungewisse ist wie eine Bühne. Wir wissen ja nicht, was sein und werden wird. Dies Bühne füllt man deshalb mit Vorstellungen und bei Angstmenschen sind es überwiegend Katastrophengedanken. Von daher beunruhigt das Ungewisse immer wieder stark. Und deshalb sorgen Angstmenschen dafür, dass möglichst wenig Ungewissheiten in ihr Leben kommen.

Angstmenschen fürchten das Ungewisse.

Der Tod ist eines der ganz großen Themen für Ungewissheit. Und er betrifft jeden Menschen. Es gibt Psychotherapeuten, die sagen, dass jede Angst sich schlussendlich auf die Angst vor dem Tod zurückführen lässt. Und damit ist es die Angst vor dem Großen Ungewissen. Wenn ein Angstmensch eine absolute Sicherheit hätte, dass der Tod eine wunderschöne Angelegenheit ist, dann wären viele Ängste vielleicht überflüssig.

Bei sozialen Ängsten spielt die Ungewissheit auch ständig eine Rolle. Das ist vielleicht sogar das zentrale Thema, warum überhaupt soziale Ängste entstehen. Soziale Interaktionen sind nicht vorausplanbar und berechenbar. Uns überrascht sozusagen ständig etwas, was kurz davor noch ungewiss war. Und das Ungewisse bringt auch immer die Möglichkeit mit hinein, dass uns Schlimmes widerfahren kann. Auf die Idee, dass es auch richtig gut werden könnte, kommt ein angstgetriebener Mensch nicht. Die Angst sorgt dafür, dass man fast nur Negatives ahnt, was da auf einen zukommt.

Positive Erfahrungen alleine beeindrucken die Angst nur wenig

Da helfen auch nur wenig die vielen positiven Erfahrungen, die man vielleicht gemacht hat. Denn die Angst lässt sich ja nur schwer entkräften: Immer dann, wenn das Ungewisse in unser Leben kommt, besteht ja tatsächlich die Möglichkeit, dass die Angst mit ihren Vorstellungen recht haben könnte. Die Möglichkeit steht im Raum. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit recht gering ist, überzeugt das unser Angstzentrum nur wenig. Sicherheit scheint es in diesem Sinne nur zu geben, wenn Befürchtungen 100% ausgeschlossen werden können. Nur wo ist im Leben etwas 100% auszuschließen?

Es gibt keine hunderprozentige Sicherheit im Leben!

Wenn wir unter Menschen gehen, ist kaum eine Befürchtung 100% auszuschließen. Wir begeben uns vielmehr in einen Raum, in dem vieles möglich und einiges wahrscheinlich ist. Die 100% Lösung gibts nur in der Vermeidung. Wer nicht unter Menschen geht, vermeidet das zu 100%, was eben unter Menschen möglich wäre. Doch kann es wirklich Sinn machen, alles im Leben zu vermeiden? Und wie trostlos ist ein Leben, was nicht mit Inhalt gefüllt wird? Menschliche Kontakte scheinen zudem das zu sein, was richtig gelebt, etwas sehr erfüllendes sein kann.

Die Ungewissheit entsteht bei sozialen Ängsten auch dadurch, dass wir oftmals nicht wissen, was andere Menschen über uns denken und wie sie uns wahrnehmen. Auch führt die Angst dann auf der Bühne der Ungewissheit alle möglichen Befürchtungen auf. Doch wie viel hat dieses Schauspiel unserer Gedanken mit der Realität zu tun? Gewiss, das was die Angst uns da vorführt, ist oft genug vorstellbar und eine Möglichkeit. Aber eben auch nur eine Möglichkeit. Was ist mit den ganzen anderen Möglichkeiten, die vielleicht auch richtig gut sein können?

Leben heißt, das Risiko anzunehmen!

Das führt zu der Erkenntnis, dass der Wunsch unserer Angst nach hundertprozentiger Sicherheit unerfüllbar ist. Und vielleicht ist die Orientierung nach mehr Sicherheit völlig verkehrt. Gerade bei sozialen Änsten.

Das Ziel müsste eher lauten, seinen Frieden mit der Ungewissheit zu schließen. Wie können wir Meister darin werden, mit der Herausforderung Ungewissheit einen guten Umgang zu finden?

Jeder Mensch hat Angst.

Das zeigt natürlich auch, dass aus der Ungewissheit des Lebens resultiert, dass jeder Mensch auch Ängste kennt. Irgendwo hat jeder Mensch Bedrohliches erlebt. Und in dem Moment, wo eine Ungewissheit die Möglichkeit beinhaltet, dass das Bedrohliche sich ereignen könnte, taucht Angst auf. In der Regel auch schon dann, wenn die mögliche Bedrohung recht unwahrscheinlich ist.

Vertrauen ins Leben, Vertrauen in mich.

Vertrauen ist hier auch ein wichtiger Baustein. Wie können wir Vertrauen ins Leben entwickeln? Und Vertrauen darin, dass wir eine Situation schon meistern werden?

Hier spielt es eine große Rolle, dass wir einen realistischen Blick auf unsere Fähigkeiten haben. Glauben wir, eine Situation gut bewältigen zu können? Oder zweifeln wir ständig an uns selbst?

Auch der Aufbau neuer sozialer Fähigkeiten kann entlastend wirken. Je mehr wir in der Lage sind, unterschiedlichste soziale Situationen zu managen oder sogar zu genießen, um so gelassener können wir anderen Menschen begegnen.

Das Denken hat seine Grenzen!

Ungewissheit zeigt uns auch die Begrenztheit unseres Denkens auf. Das Denken kann uns in vielerlei Hinsicht nicht helfen. Doch viele sind es gewohnt, Probleme durch denken zu lösen. Es gibt noch eine andere Quelle für ein Stück Sicherheit, die wir uns erschließen können. Es ist die Intuition oder die Ahnung. Man könnte hier die These aufstellen, das ängstliche Menschen oft den Zugang zu dieser Ebene verloren haben. Der Verstand kann einem nicht die Sicherheit geben. Wir müssen aus einer tieferen Quelle ein Gefühl entwickeln, dass uns das Leben trägt. Wenn wir auf eine neue Weise in uns hineinlauschen, können wir neben der Angst vielleicht auch etwas entdecken, was intuitiv weiß, wie sich etwas entwickeln wird und was uns Mut macht, unser Leben zu leben.

-- Fred

20.09.2017 :: Neue Mitte statt Gegensatz

Ganz oft lässt sich ein Muster als menschliche Reaktion beobachten. Irgendetwas wird als schlecht erkannt und dann wird dieses Schlechte abgelehnt und das Gegenteil gemacht.

Ein Beispiel aus der Persönlichkeitsentwicklung las ich gerade in einem Buch. Derzeit sind achtsamkeitsbasierte Wege in Mode, was ich grundsätzlich gut und hilfreich finde. Beim Thema Achtsamkeit ist man dann sehr schnell bei dem Mantra "Lebe im Hier und Jetzt". Das meint, dass wir nicht ständig in Gedanken irgendwo anders sein sollen, weil das Leben ja eigentlich nur im Moment gelebt werden kann. Wenn wir ständig in Gedanken von Vergangenheit oder Zukunft gefangen sind, bekommen wir all das, was im Moment passiert, nicht mit.

Ich glaube auch daran, dass das Hier und Jetzt eine große Bedeutung hat und das es heilsam ist, viel öfter präsent im Moment zu sein.

Das Buch überzieht dies nun aber in meinen Augen. Hier wird jegliches Nachdenken über die Vergangenheit oder Zukunft als unnütze und schlechte Angewohnheit abgetan. Und darin sehe ich einen zentralen Fehler.

Auch hier findet sich oben beschriebenes Muster: Das Nachdenken über Vergangenheit oder Zukunft wird als schlecht erkannt und dann abgelehnt. Stattdessen soll man nur noch im Hier und Jetzt sein.

Ich glaube, dass die Fähigkeit des Menschen, über Vergangenheit und Zukunft nachdenken zu können, eine wunderbare evolutionäre Erweiterung des Bewusstseins ist. Etwas, was viele Tiere noch nicht oder nur sehr eingeschränkt können. Das Problem ist nicht, dass wir diese besondere Fähigkeit haben.

Es ist vielmehr so, dass jede Fähigkeit oder Möglichkeit immer auch eine Schattenseite hat: Sie kann sich ungünstig ausformen, so dass sie zu einem Problem wird. Oder wir können sehr einseitig werden und damit den Bogen überspannen.

Aber man muss eben auch die Sonnenseite sehen: Jede Fähigkeit und Möglichkeit kann uns bereichern. Wenn wir es hinbekommen, richtig damit umzugehen. Ja sogar noch mehr: Viele Fähigkeiten sind notwendig, damit wir zu einem guten Leben finden.

Insofern ist das Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft eine Bereicherung. Wir haben damit das Potenzial, die Vergangenheit nochmal in einer Weise aufzuarbeiten, dass wir sie besser loslassen oder annehmen können. Das ist sehr entlastend. Oder wir können aus der Vergangenheit etwas Wichtiges lernen.

Schauen wir in die Zukunft, können wir wichtige Dinge vorausplanen, was sehr nützlich ist. Wir können Visionen entwickeln, andere dafür begeistern und gemeinsam genügend Motivation entwickeln, wunderbare Ideen umzusetzen. Und selbst Zukunftssorgen können uns anspornen, das Richtige zu tun, um mögliche Gefahren in der Zukunft abzumildern oder zu umgehen. Zum Beispiel könnten wir früh damit beginnen, uns um Alternativen zur Rente Gedanken zu machen, weil diese recht wahrscheinlich gering ausfallen wird.

Oft ist es in diesem Sinne verkehrt, das abzulehnen, mit was man Probleme hat. Es ist fast immer die Einseitigkeit oder die falsche Nutzung einer Fähigkeit.

Sozial ängstliche Menschen leiden nicht selten darunter, sich überall zu stark unterzuordnen und zu viel Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Dann kippen sie im Laufe ihrer Entwicklung mitunter und werden dann sehr egoistisch. Sie leben dann die Idee "Der andere ist mir jetzt scheißegal!". Die Reaktion ist verständlich, aber hier finden wir wieder genau dieses Muster. Die Fähigkeit für Mitgefühl und Einfühlung wird nun völlig abgelehnt. Doch das funktioniert auch nicht, weil wir so ganz schnell in schwierige Konflikte mit anderen Menschen geraten. Auch wird die so wichtige Kooperation nicht mehr möglich, von der wir alle profitieren.

Auch hier muss es darum gehen, die richtige Balance wieder herzustellen. Natürlich ist es sinnvoll, ein gutes Einfühlungsvermögen zu haben. Und es ist auch wichtig, unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen und uns dafür einzusetzen. Und hier muss man ansetzen: Das Eigene braucht mehr Beachtung und vor allem mehr Mut, sich auszudrücken.

Hier zeigt sich auch ein weitere wichtige Idee bei der Persönlichkeitsentwicklung: Es geht fast immer um Integration und nicht um Abspaltung. Wir müssen schauen, all unser Potenzial zu leben, anstatt schwierige Seiten von uns abzuspalten. Schwierige Seiten müssen verwandelt bzw. transformiert werden, damit wir sie uns nutzbar machen.

Das lässt sich auch auf Gruppen übertragen: Man könnte bei jedem Problem die Mitglieder ausschließen, die das Problem (scheinbar) verursacht haben. Oder man versteht sich als Gemeinschaft, wo jeder Einzelne Potenzial und Möglichkeiten in die Gruppe einbringt. Und man sucht gemeinsam nach Wegen, wie alle gut integriert sind. Man setzt sich mit den Widersprüchen auseinander, die im Miteinander auftauchen.

Wenn man auf diese Weise in der Gruppe übt, Störendes zu integrieren anstatt abzuspalten, wird das recht wahrscheinlich auch zurückwirken auf den Umgang mit sich selbst. Man wird lernen, das innere Team zu integrieren. Denn jede Abspaltung von Persönlichkeitsanteilen ist problematisch. Es braucht viel Kraft und man wird ärmer dadurch. Man verliert auch wichtige Teile in sich, die dafür sorgen, sich optimal auszubalancieren und fällt nicht selten in eine immer stärker werdende Einseitigkeit.

Ich denke, genau das ist wichtig: Das Problematische möglichst wertfrei zu erkennen und klar zu benennen. Um es dann zu transformieren in einer Form, die dem Ganzen dient.

Das ist auch das, was mit Mitte gemeint ist. Die Mitte ist eine integrierende Kraft, die alles berücksichtigt und die um ein gutes Ganzes ringt.

-- Fred

13.09.2017 :: Intuitive Persönlichkeitentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung kann man sehr rational und strukturiert angehen. Es gibt zahlreiche Therapie- und Coachingmethoden, die so funktionieren. Man analysiert genau und definiert dann, was man in welcher Art verändern möchte. Diese Methode erscheint mir zweifellos nützlich. Damit ist man in der Lage, zahlreiche persönliche Schwierigkeiten zu lösen oder Entwicklungsprozesse anzustoßen.

Da gibt es aber noch einen ganz anderen Zugang, der über das intuitive Verständnis abläuft. Und ich glaube, dass wir auch diesen brauchen. Denn mir scheint es so, dass es viele Probleme gibt, die man nur über diesen intuitiven Zugang gelöst bekommt.

Der intuitive Zugang ist in der Regel ein unscharfer Zugang, was rationale Menschen oft schwer annehmen können. Das Rationale mag das, was man klar definieren und benennen kann. Insofern werden dann die intuitiv-unscharfen Zugänge schnell abgewertet, belächelt und als unnütz bewertet.

Menschen die auch in anderen Bereichen intuitiv arbeiten, tun sich hier leichter. Künstler zum Beispiel oder spirituell offene Menschen. Oder Menschen, die viel mit Menschen arbeiten. Denn auch in der menschlichen Kommunikation ist diese intuitive Ebene sehr bedeutsam.

Ein Beispiel für so eine intuitive Arbeitsweise habe ich in einer Klinik mal kennengelernt. Es war eine Meditation, in der wir erstmal für 15 Minuten nur auf den Atem geachtet haben. Dies diente der Beruhigung des Geistes. Wenn der Geist sich beruhigt, kann sich das intuitive Gewahrsein öffnen. Das kennen wir ja auch aus dem Alltag: Wenn man mit allen möglichen Alltagsproblemen belastet ist, kann man schwer seinen kreativen Geist erwecken. Deshalb ziehen sich z.B. Schriftsteller in die Stille zurück, um Freiraum im Kopf zu schaffen.

Nach dieser Phase des inneren Stillwerdens ging es darum, ein Thema auf sich wirken zu lassen. So ein Thema könnte z.B sein: "Was in mir möchte fließen?" Das an sich ist schon eine eher schwammige Frage, mit der unser analytischer Geist wenig anfangen kann. Und doch gibt es auch einen intuitiven Geist, der damit viel anfangen kann. Er kann auf einer ganz anderen Ebene nachspüren und findet antworten. Dieser intuitive Geist nimmt eher ganzheitlich wahr und Erkenntnisse entstehen unmittelbar, nicht schrittweise. Auf einmal wird uns etwas klar.

Es geht hier nicht um nachdenken, es geht eher um gewahr werden, was auftaucht, wenn ich diese Frage auf mich wirken lasse. Oft wirken solche Fragen auch noch nach - man nimmt sie aus so einer Übung in den Tag oder in die Woche hinein.

Auch wenn die eigentliche Suche nach Antwort hier intuitiv abläuft, kann man den Sinn dahinter rational erklären. Schaut man sich an, was bei psychischen Deformationen, Neurosen oder Kränkungen passiert, dann ist es ganz oft eine Blockade. Wir halten innerlich irgendwie fest, um uns zu schützen. Das, was vorher natürlich in uns in Bewegung war, ist nun blockiert. Wenn Menschen in sich hineinspüren, können sie das so erleben. Und so kann es ein unmittelbarer Zugang sein, einfach mal zu schauen, woran man festhält, was nicht weich und durchlässig in einem ist.

Es gibt Therapeuten, die viel mit solchen intuitiven Zugängen arbeiten. Wir hatten mal eine Therapeutin eingeladen, die viel mit Bildern arbeitete. Sie hatte zahlreiche Fotos dabei und jeder sollte erzählen, was ein Bild bei ihm auslöst. Es ging ihr eher um Stimmungen, Erlebnisse und Erfahrungen, die dabei auftauchten. So kann ein Bild sehr viel über den Menschen erzählen, der es betrachtet. Und daraus können dann wieder Impulse entstehen, wo man mal genauer hinschauen kann, weil dort innere Verhärtung oder Deformation spürbar wird.

Schlussendlich gehts ja darum, innerlich wieder gut in Fluss zu kommen. Die Verhärtungen hinter sich zu lassen, die durch schwierige Lebenserfahrungen entstanden. Nicht immer ist das möglich, aber zumindest kann man einen Umgang damit finden, sobald es einem bewusst wird.

Intuitiv und rational - beides erscheint mir wichtig. Das Eine kann das Andere nicht ersetzen. Persönliche Auseinandersetzung und Veränderung erscheint mir sowieso oft so anspruchsvoll, dass wir es uns gar nicht leisten können, auf mögliche Zugänge zu verzichten.

-- Fred

12.09.2017 :: Angst verengt und hungert aus

Die Angst ist die mahnende Stimme, die uns zur Vorsicht auffordert. Sie ist immer dann zur Stelle, wenn unser Organismus irgendetwas Gefährliches erspürt. Oft kann etwas in uns schon sehr viel früh Gefahren spüren. Noch weit bevor es uns klar und bewusst wird. Wir brauchen in diesem Sinne nichts zu tun, die Angst stellt sich von alleine ein.

Vieles auf dieser Welt ist in der Tat gefährlich. Einiges bedroht uns körperlich, einiges kann uns emotional verletzen. Wenn man schon einmal stark bedrohliche Situationen erlebt hat, dann ist unser Angstzentrum in diesem Bereich stärker aktiviert bzw. sensibilisiert. Es ahnt dann viel früher schon Gefahren und meldet sich mit Angst. Wer z.B. schon einmal schweres Mobbing erlebt hat, achtet auf kleinste Anzeichen von abwertenden Aussagen und interpretiert hier vielleicht mehr hinein, also real gemeint war. Wir werden in dieser Hinsicht dann besonders sensibel, dünnhäutig und vorausahnend.

Die Angst ist hier auch sehr umfassend: Wenn die kleinsten Anzeichen auf die Möglichkeit einer Bedrohung hindeuten, alarmiert uns unser Organismus mit Angst.

Eigentlich ist das ein sehr intelligenter und sinnvoller Mechanismus. So organisiert sich unser Organismus, um mögliche Gefahren abzuwehren. Wir Menschen sind sehr universell und flexibel und müssen uns immer wieder auf die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Wir können so für spezielle Gefahren unserer Zeit oder unserer Umwelt sensibel werden und uns schützen.

Gedanklich können wir vieles vorwegnehmen. Wenn die Angst uns hat, gehen die Gedanken in die Richtung, was alles passieren könnte. Und hier ist wirklich ganz viel vorstellbar. Fast alles auf dieser Welt kann sich auf eine Weise ausformen, dass es gefährlich für uns wird. Jedes Auto könnte z.B. zu einer tödlichen Begegnung werden. In diesem Sinne dürfte man weder Auto fahren, noch sich überhaupt in der Nähe von Straßen aufhalten.

Das macht auch recht schnell klar: Wir können nicht ohne Risiko leben. Wir müssen immer wieder Risiken im Leben eingehen, wenn wir wirklich leben wollen.

Die Angstseite in uns sieht nur die Gefahr. Doch da gibt es noch etwas anderes, was genauso Bedeutung hat: Wir brauchen ganz viel im Leben. Vor allem dann, wenn es ein erfülltes Leben werden soll. Wir brauchen spannende Erfahrungen, den Kontakt mit anderen Menschen, Nähe und Verbundenheit oder Herausforderungen, wo wir uns voll hineingeben können.

Wer nur auf die Angstseite hört, schützt sich zwar vor vielen möglichen Gefahren. Aber sein Leben wird immer enger und inhaltsloser. Immer weniger wird möglich. Und das hungert uns aus. Viele Bedürfnisse finden keine Erfüllung mehr. Und die Freiheit der Möglichkeiten geht verloren. Je starrer bzw. unflexibler wir werden, um so schwieriger wird auch der Kontakt mit anderen Menschen. Denn unsere Starrheit überträgt sich auch auf andere. So fühlen sich andere durch meine Starrheit in ihrem Handeln eingeschränkt, was zu Spannungen führt. Denn auch Freiheit und Flexibilität ist ein wichtiges Grundbedürfnis. Die andere brauchen ja genauso, um Erfüllung zu finden.

In diesem Sinne wird das Leben nur gut, wenn wir bereit sind, Risiken einzugehen. Auch auf die Gefahr hin, dass es mal schief geht. Hier wäre dann eher die Frage: Was kann ich tun, dass es nicht so schmerzt, wenn es schief geht? Wie könnte ich kalkulierbare Risiken eingehen?

Einerseits kann ich hier schauen, wohl dosiert in kleinere Risiken hineinzugehen. Andererseits kann ich aber auch lernen, einen Umgang mit schwierigen Situationen zu finden. Gerade die vielen Situationen, die wir emotional als belastend empfinden, können wir so entschärfen.

Ein Beispiel: Jemand findet es extrem bedrohlich, wenn er in einem Vortrag einen Blackout hat. Real wird ihm dafür nicht der Kopf abgerissen, aber er empfindet es als stark schambelastet. Vor allem aber ist es diese Hilflosigkeit in der Situation, die es so schwierig macht. Wenn man hingegen lernt, auch eine Blackout-Situation souverän zu meistern, fühlt sich so eine Situation nicht mehr bedrohlich an und ist es auch nicht mehr. Wir haben etwas für uns getan, was eine frühere Bedrohung völlig entschärft. Und so geht das mit ganz vielen Situationen, die wir früher noch als extrem gefährlich erlebt haben.

Der Weg aus überzogenen Ängsten heraus kann eigentlich immer nur sein, sich wieder in das hineinzutrauen, was man als beängstigend empfindet. Bewusst kalkulierbare Risiken einzugehen. Zu lernen, mit Risiken umzugehen. Erkennen, was man im Leben braucht, um emotional satt zu werden und sich darum kümmern, dieses Land wieder für sich zu erschließen.

-- Fred

23.08.2017 :: Therapie statt Medikamente

Psychotherapeut und Psychotherapieforscher Falk Leichsenring rät bei sozialen Ängsten zu einer Psychotherapie und von Medikamenten ab. Sein Hauptargument dabei: Durch Medikamente verbessert man die Situation leicht, womit man die wirkliche Behandlung verschleppt. Und eine dauerhafte Lösung sind sie für ihn eh nicht. Nach dem Absetzen würden die gleichen Probleme wieder auftauchen.

Dem könnte man entgegenhalten, dass Betroffene durch Medikamente erstmal in die Lage versetzt werden, schwierige Situationen auszuhalten. So können Sie sich in Übungssituationen begeben, die sie sich früher nicht getraut haben. Und diese Übungseffekte bleiben auch nach dem Absetzen der Medikamente erhalten. Die Frage wäre dann eher, ob jemand dann auch üben wird, wenn er etwas Erleichterung durch ein Medikament erfahren hat.

Es gibt in der Fachwelt seit vielen Jahren die etablierte Meinung, dass bei einer sozialen Phobie nicht einseitig mit Medikamenten gearbeitet werden sollte. Wenn überhaupt, dann begleitend zu einer Therapie. Das erscheint mir besonders dann sinnvoll, wenn man selbst in der Vermeidung festhängt und Veränderungsimpulse von außen braucht.

Weblinks

-- Fred

18.08.2017 :: Millionen für Selbsthilfeförderung

In den letzten Jahren gab es eine recht positive Entwicklung, was die finanzielle Förderung der Selbsthilfelandschaft angeht. Zumindest profitieren davon alle Selbsthilfegruppen, die gesundheitsbezogen sind. Die Krankenkassen sind nämlich seit 2008 dazu gesetzlich verpflichtet, mit einem bestimmten Betrag die gesundheitsbezogene Selbsthilfe zu unterstützen. Gesundheitsbezogen sind alle Gruppen, deren Thema eine Erkrankung ist.

Konkret waren es 2017 1,08 Euro pro Versicherten. Bei rund 71 Millionen gesetzlich Versicherten macht das rund 77 Millionen Euro. Damit kann man schon was bewegen.

In NRW waren es dieses Jahr 4,6 Millionen Euro, die verteilt wurden. 3,1 Millionen gingen davon an Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfebüros. Das sind ja die zentralen Anlaufstellen, wo sich Bürger hinwenden können, wenn sie eine Selbsthilfegruppe suchen. Kontakstellen engagieren sich auch um die Entwicklung der Selbsthilfelandschaft in der Region auf unterschiedlichsten Ebenen. Oder sie organisieren Fortbildungsveranstaltungen für Selbsthilfegruppen. Die Arbeit der Kontaktstelle war für uns auch immer wieder sehr wertvoll.

Die restlichen 1,5 Millionen Euro gingen dann direkt an die Selbsthilfegruppen, kommen also dort an, wo die eigentliche Gruppenarbeit stattfindet.

Wofür brauchen Selbsthilfegruppen überhaupt Gelder? Bei uns ist der größte Posten die Raummiete. Jährlich geben wir dafür etwa 1500 Euro aus. Dann gibt es den Bereich Gruppenmaterialien, also alles, was uns darin unterstützt, unsere Gruppenarbeit zu machen. Auch Buchanschaffungen gehören dazu. Für Werbung brauchts auch immer ein kleines Budget, um z.B. mal neue Flyer zu drucken. Ein wenig Büromaterialkosten fallen an, z.B. Papier oder Druckpatronen. Manchmal müssen wir auch ein etwas teureres Gerät kaufen. So konnten wir z.B. vor 4 Jahren einen Laptop und einen Beamer kaufen, der uns bei verschiedenen Gruppenangeboten unterstützt. Solche größeren Posten kommen aber relativ selten vor.

Ein wichtiger Teil ist auch noch der Kompetenzaufbau. Hier machen Mitglieder Workshops, um mit dem erworbenen Wissen die Gruppe zu unterstützen. In der Regel sind es relativ preisgünstige oder geförderte Workshops. So gibt es z.B. für 20 Euro pro Person mehrere Tages-Workshops der Kontaktstelle im Jahr.

Ach ja, dann sind da auch noch ein paar Kosten für Internetdienstleistungen, z.B. diese Homepage hier. Das wars dann aber auch schon. Vielmehr taucht für das normale Alltagsgeschäft auf unserer Kostenseite nicht auf.

Es gibt auch die Möglichkeit, zu konkreten außergewöhnlichen Projekten spezielle Gelder zu beantragen. Je nach Interesse und Engagement der Mitglieder nutzen wir diese Möglichkeit. Dann organisieren wir z.B. einen professionell geleiteten Workshop über mehrere Abende, der dann auch durchaus mal 500-1000 Euro Gesamtkosten verursachen kann. Jeder leistet hier auch einen Eigenanteil, aber in der Regel bekommen wir über 2/3 der Kosten über Fördergelder finanziert.

Alles in allem ist das eine wirklich komfortable Situation für uns, dass wir auf diese Weise unterstützt werden.

Weblinks:

10.08.2017 :: Radiobeitrag "Die Stillen sind die Guten"

In einer Kultur, wo eher die Lauten sich durchsetzen, ist es gut, den Wert von leisen Menschen besser zu erkennen. Und es ist wichtig, das leise Menschen Werkzeuge an die Hand bekommen, wie sie wirksam werden.

Hier ein Radiobeitrag zum Thema:

24.07.2017 :: Forschung

Wenn ihr etwas Forschung unterstützen wollt, könnt ihr hier einen Fragebogen zum Thema "Soziale Kognitionen im Alltag" ausfüllen.

Forschungsprojekte sind wichtig, weil hieraus neue therapeutische Ansätze entstehen können, die allen Betroffenen zu Gute kommen.

12.07.2017 :: Bewusstheit schaffen heilt

Selbsthilfe funktioniert anders, als professionelle Therapie. Ein gravierender Unterschied ist, dass ein Therapeut gezielt und aktiv konfrontieren kann und so einen therapeutischen Prozess bei jemanden anstößt. Ein Therapeut kann auch fordern und aufdeckend arbeiten.

In einer Selbsthilfegruppe kann oder sollte man so nicht arbeiten. Niemand ist dafür ausgebildet, am unbehauenen Stein des anderen herumzumeißeln. Und niemand kann wirklich Verantwortung für so einen Prozess übernehmen.

Selbsthilfe muss mit anderen Methoden arbeiten. Eine wirksame Methode ist, Bewusstsein zu schaffen. Immer dann, wo man über ein bestimmtes Thema miteinander spricht, schafft man einen Bewusstseinsraum. Jeder beschäftigt sich dann mit einer Frage oder einem Thema. Diese Beschäftigung mit etwas kann dazu führen, dass ich mich den Dingen annehme, die in mir noch irgendwie konflikthaft oder unfertig sind. So ein Prozess ist auch getragen von Neugier und Interesse.

Ein Beispiel: Man kann in der ersten Befindlichkeitsrunde die Frage stellen: "Wo hast du in den letzten Tagen deine Komfortzone verlassen?"

Damit lenkt man die Bewusstheit auf all das, wo mir etwas schwer fiel, wo ich mich nicht in gewohnten und bequemen Bahnen bewegen konnte. Und genau dort kann man Wachstumsimpulse erwarten. Das weiß man ja aus Therapie und Selbsthilfe: Wachstum und persönliche Weiterentwicklung ist fast immer damit verbunden, seine Komfortzone zu verlassen und sich mit etwas zu konfrontieren, was nicht so leicht ist. Das sind übrigens auch Merkmale eines Abenteuers.

Ein weiteres Beispiel: Wir machen zum Thema: "Welche Veränderungswünsche hast du für dein Leben?" Auch hier lenkt man die Bewusstheit auf etwas, wo ich sonst vielleicht nur selten oder nie hinschaue. Und schon das bringt etwas Neues in mein Leben. Etwas Neues, was ein gewisses Potenzial hat, etwas Wertvolles anzuregen. Es ist auch eine Konfrontation mit mir selbst: Wie ist das mit mir? Bin ich klar bei dieser Frage? Oder werde ich vielleicht auch unangenehm überrascht, weil ich spüre, dass das ein eher verdrängtes Thema ist?

Auch das kann passieren, dass mich ein Thema oder eine Frage aus meiner Komfortzone herausholt. Weil jetzt etwas in den Fokus rückt, womit sich mein Geist sonst nicht beschäftigen mag. Hier wird also in Selbsthilfe ein Bewusstseinsraum geschaffen, in den ich mich sonst nicht hineinbegeben würde. Und das schafft Chancen für Weiterentwicklung.

Vielleicht ist das auch ein wichtiges Thema, ob Selbsthilfe gelingt. Es gibt immer wieder Gruppenphasen, wo Betroffene das Gefühl haben, dass es zwar irgendwie ganz nett ist, man aber eher stagniert. Es gibt zu wenig Wachstumsimpulse.

Es kann durchaus sein, dass die ganze Gruppe dazu neigt, sich keine unbequemen Fragen mehr zu stellen. Womit dann die ganze Gruppe versucht, in ihrer Komfortzone zu bleiben. Dann bekommt Selbsthilfe Stammtisch-Charakter. Sie ist nährend im Sinne guter sozialer Kontakte. Auch das ist ja bei sozialen Ängsten schonmal hilfreich. Und doch reicht das nicht aus, will man sich persönlich weiterentwickeln.

Selbsthilfe profitiert meiner Meinung stark davon, immer wieder Bewusstseinsräume zu schaffen, in die man sonst nicht hineingeht. Nicht immer müssen die angstbesetzt oder unangenehm sein, aber irgendwie anders als das, womit ich mich sonst so beschäftige.

Bewusstseinsräume laden dazu ein, sich seinen unbehauenen Stein anzuschauen. Sie wecken Interesse, das aus ihm herauszumeißeln, was werden will. Und jeder kann dafür vollständig selbst die Verantwortung übernehmen, was zu tun, oder auch nicht. Diese Selbstverantwortung erscheint mir ein wesentliches Element der Selbsthilfearbeit.

-- Fred

04.07.2017 :: Das Gefühl von Peinlichkeit

Das Gefühl von Peinlichkeit ist in vielen Situationen kein ursprüngliches Gefühl, im Sinne, dass es in uns angelegt ist. Es ist das Resultat einer Sozialisierung. Also die ganzen Botschaften, die wir durch unser Umfeld erfahren haben.

Was einem alles so peinlich ist, da gibt es von Mensch zu Mensch starke Unterschiede. Es gibt Menschen, denen ist fast nichts peinlich. Andere hingegen grübeln über viele Situationen des Alltags tagelang nach, weil sie sie für total peinlich halten.

Wie sieht ein Umfeld aus, was Peinlichkeitsgefühle in uns züchtet? In der Regel ist es ein rigides Umfeld, wo vieles nicht sein durfte. Alles Mögliche, was keinesfalls passieren darf. Und wenn es doch passiert, ist es eben peinlich oder beschämend.

Damit werden auch viele innere Konflikte gezüchtet. Dinge, die eben so nicht sein dürfen, stehen im Widerspruch zu unseren natürlichen Bedürfnissen. Und auch im Konflikt zu unserem Charakter oder der Art, wie wir vielleicht leben wollen.

Peinlichkeit ist damit nur die Spitze des Eisberges. Wenn wir uns nämlich so vieles nicht erlauben, was eigentlich für unsere gesunde Entwicklung wichtig wäre, dann hinterlässt das tiefe Deformationen in unserer Persönlichkeit und Mangelerscheinungen in unserer Entwicklung und auf der Bedürfnisebene.

Von daher kann das eine sehr spannende und befreiende Auseinandersetzung mit sich selbst sein, wenn man diese Peinlichkeit genauer analysiert und für sich nochmal ganz neu herausfindet, was man leben will und was nicht.

Weil Peinlichkeit antrainiert ist, stehen die Chancen gut, sie auch wieder für viele Situationen zu verlernen. Oder andersherum: Durch das Gefühl von Peinlichkeit bekommen bestimmte Situationen eine besondere Bedeutung. Und dieser Bedeutung lassen wir fallen, weil wir erkannt haben, dass das nicht mehr zu uns gehört.

Darum gehts ja: Das wieder mehr zu leben, was wirklich zu uns gehört. Und das, was nicht zu uns gehört, wir aber verinnerlicht haben, wieder loszulassen.

Insofern kannst du jede Situation, wo du Peinlichkeit spürst, als super Lern- und Experimentierfeld willkommen heißen. Spüre nach, warum etwas für dich peinlich ist und ob du wirklich 100% dahinter stehen kannst, dass so etwas nicht sein darf.

Bedenke auch, dass vieles Unvorteilhaftes passieren muss, damit du überhaupt enspannt der sein kannst, der du bist. Denn wer immer alles richtig machen und nie in ein Fettnäpfchen treten will, wird völlig verkrampft durchs Leben gehen und dabei erst recht in viele Fettnäpfchen treten.

Eine gute Strategie kann sein, Peinlichkeit durch Humor zu ersetzen. :-)

-- Fred

19.06.2017 :: Ueli Steck ist tot

Ich finde, es gibt Träume, die es wert sind, etwas zu wagen. Und ich finde, das Leben ist ein Traum. -- Ueli Steck

Ueli Steck war ein Extremkletterer, der am 30. April 2017 in Nepal abstürzte und starb. Er starb im Alter von 40 Jahren.

Ich hatte hier schonmal 2006 über ihn geschrieben und mich gefragt, ob es verrückt oder leichtsinnig war, was er so tat. Ich glaube, er war nie unüberlegt. Er hatte alles immer sehr gut vorbereitet und war sich der Gefahren sehr bewusst.

Und trotzdem hat er sein Leben mit einem größeren Risiko gelebt. Nicht leichtsinnig, sondern ganz bewusst ist er mehr Risiko eingegangen. Wer ohne Seil die Eiger-Nordwand hochklettert, muss ein unglaubliches Vertrauen darin haben, dass der eigene Körper in allem 100% funktioniert. Und dass man in der Lage ist, jede kritische Situation zu erkennen und sie umgehen. Dieses Selbstvertrauen finde ich bewundernswert. Ich denke, er hat sich dabei auch nicht überschätzt, er konnte sich wirklich auf sich verlassen.

Auf der anderen Seite hatte er so keine Absicherung für den Fall, dass mal etwas völlig Neues und Unplanbares passiert. Etwas, was immer kommen kann, auch wenn man noch so viele Fähigkeiten hat. Auch der eigene Körper kann ja theoretisch jederzeit mal versagen, und sei es nur die Situation, dass einem kurz schwarz vor den Augen wird.

Er ist definitiv viel größere Risiken im Leben eingegangen, als viele andere Menschen. Und er hat damit recht früh sein Leben verloren.

Ob es besser gewesen wäre, weniger riskant zu leben? Vielleicht brauchte er genau diesen Lebensinhalt, diese Gefahr. Vielleicht ist das alles genau so stimmig und richtig gewesen.

Vielleicht haben wir alle irgendeine genetische Veranlagung, mehr oder weniger riskant zu leben. Und vielleicht ist genau das auch sinnvoll für das Überleben der Menschheit. Es braucht immer mutige Menschen, die auch riskanter leben. Und es braucht vorsichtige Menschen, die Gefahren meiden. Je nach Situation, die die Menschheit bedrohen kann, ist die eine oder andere Eigenschaft sinnvoll für das Überleben. Denn auch die vorsichtigen Menschen verlieren manchmal ihr Leben, weil sie zu wenig riskiert haben. Es gibt Situationen, da überleben nur die Menschen, die viel riskieren.

Diese Sicht könnte dahin führen, dass man auch seine ängstliche Veranlagung, insofern man die hat, etwas besser annimmt. Als etwas, was auch wichtig und sinnvoll ist, wenn man mal alles in etwas größeren Zusammenhängen betrachtet. Vielleicht eine wichtige Spielart der Natur, eine Lebensaufgabe, die man genetisch übertragen bekommen hat.

Wir brauchen nicht alle "Risikoreiche Menschen" zu werden und können es wohl auch gar nicht. Und das ist vollkommen in Ordnung so, der "riskant lebende Mensch" ist keinesfalls ein Ideal. Es ist nur eine Form von Lebensorientierung, in etwa so, wie es eine introvertierte und extrovertierte Veranlagung gibt und keine von beiden besser ist.

Das wir alle immer wieder mutig im Leben sein müssen, das teilen sich vermutlich risikoreich und risikoarm lebende Menschen. Es kann sogar sein, dass ein Mensch, der genetisch eher vorsichtig veranlagt ist, oft mehr Mut braucht, um die normalen Risiken des Lebens zu bewältigen.

Mut brauchen wir alle, um das Leben zu meistern.

-- Fred

Weblinks:

12.06.2017 :: Lächeln verbindet

Was ist die wichtigste Gefühlsäußerung in jeder Kultur? Das Lächeln. Ich erinnere mich an einer Talksendung, wo der Lebenskünstler Rüdiger Nehberg eingeladen war, der die ganze Welt gesehen hat. Dabei war er auch in Kontakt mit Urvölkern jenseits der Zivilisation. Er sagte, überall war das ehrliche Lächeln die wichtigste Geste für den ersten Kontakt. Und sie wurde überall verstanden.

Mir ist aufgefallen, dass viele sozial ängstliche Menschen beim Kontaktaufbau nicht lächeln. Stattdessen schauen sie ernst. Na klar, alles total verständlich. Wer Angst hat und unter Druck steht, kann nur schwer lächeln. Es ist also erstmal eine natürliche oder authentische Reaktion.

Und doch kann Veränderung genau an diesem Punkt ansetzen: Zu lernen, im Kontakt freundlich und mit einem Lächeln auf andere zuzugehen. Es geht dabei um eine Kultivierung dieser Emotion in solchen Momenten.

Interesse, Neugier, Lust auf den anderen - darum gehts. Das kann man kultivieren. Es soll nicht darum gehen, ein aufgesetztes Lächeln zu trainieren, was nicht authentisch ist. Man muss hier also auch seine inneren Einstellungen zu so einem Kontakt mitnehmen.

Jeder Kontakt bietet ja auch immer die Möglichkeit, dass er uns bereichert und mit angenehmen Gefühlen beschenkt. Und genau darum gehts, diese Chance zu sehen und sich darauf zu freuen. Vielleicht sind wir nur zu sehr fixiert auf die Angst vor einer unangenehmen Erfahrung. Diese nimmt uns so sehr gefangen, dass wir die positive Chance nicht sehen können.

Das Lächeln bewusst zu fördern wäre also eine tiefere Öffnung für den anderen und für die Chance, dass es miteinander gut wird. Wer das probiert, macht nicht selten die Erfahrung, dass das Umfeld viel freundlicher wird. Wer lächelt, öffnet auch das positive Potenzial des Gegenüber. Es ist sozusagen eine Einladung auf einen gemeinsamen freundlichen Kontakt.

Wir kennen das ja auch aus der uralten Redensart: "Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus."

Probiere es mal aus und experimentiere mit der Möglichkeit, anderen mit einem aufrichtigen Lächeln zu begegnen.

-- Fred

02.06.2017 :: Was ist ein guter Kontakt?

Als ich gestern nach Wochen mal wieder in eine Sportgruppe ging, fiel mir eine Frau auf, die ich bisher noch nie hier gesehen hatte. Wir hatten noch nicht begonnen und sie stand alleine herum. Mein spontaner Impuls war, sie einfach mal darauf anszusprechen, ob sie neu hier ist. Doch dann kamen gleich Gedanken in meinen Kopf: "Wenn die jetzt doch schon länger hier ist und mein Gesichtsgedächtnis mal wieder so schlecht ist? Das wäre peinlich. Ich lass es lieber." Und so machte ich dann gar nichts.

Doch diese Situation beschäftigte mich weiter. Wie oft schon bin ich meinem spontanen Impuls nach Kontakt nicht gefolgt? Wie oft habe ich mich so den anderen vorenthalten? Wie oft erfüllte sich so auch mein Wunsch nach Kontakt nicht?

Was wäre denn, wenn ich mich geirrt hätte? Das hätte nicht unbedingt peinlich werden müssen. Ich erinnere mich an Situationen, wo das dann trotzdem ein locker entspannter Kontakt wurde. Ja gerade deshalb, weil ich mal falsch lag, ergab sich eine locker-lustige Situation.

In dem Moment wurde mir klar, das ich das grundlegend falsch sehe. Was ist denn ein guter Kontakt? Wenn man alles richtig macht? Sich also niemals irrt? Das ist doch völliger Unsinn und doch ticke ich so.

Ein guter Kontakt ist, wenn man gut miteinander in Kontakt kommt. Und weil irren ja menschlich ist, kann genau daraus ein super Kontakt entstehen.

Allerdings: Aus meiner alten Prägung heraus entsteht sofort ein peinliches Berührtsein oder Scham, wenn mir auffällt, dass ich mich geirrt habe. Und das sorgt dafür, dass ich in dem Moment sehr verspannt und ernst wirke.

Es ist nicht die Situation, die problematisch ist, sondern meine Reaktion, die dann zu einer "ernst-komischen-Atmosphäre" führt. Könnte ich es als lustvoll-komisch erleben, was da gerade passiert ist, würde ich anfangen zu lachen und den Irrtum klar stellen. Oder mit dem Irrtum kreativ spielen. Das könnte dann für alle lustig werden und aus dem vermeintlichen Fehler würde ein guter Kontakt entstehen.

Guter Kontakt braucht überhaupt keine Fehlerfreiheit. Im Gegenteil, Nähe entsteht doch oft dadurch, dass wir als Menschen mit all unseren Fehlern wahrgenommen werden. Und wenn man gelernt hat, gut mit seinen Fehlern zu leben, anstatt sie unter allen Umständen zu vermeiden. Denn durch Vermeidung wird man starr und steif und das ist das Gegenteil von geschmeidiger Lebendigkeit. Lebendigkeit ist anziehend für Menschen, Starrheit hingegen ist der Tod.

Insofern plädiere ich dafür, spielerisch mit all seinen Irrtümern umzugehen. Das könnte ein echter Heilsweg sein, um sich aus seinen sozialen Ängsten zu befreien. Noch dazu ist es ein sehr schöner Weg, weil wir dadurch lebendig, kreativ und lustvoll ins Leben gehen. Wir öffnen uns der Welt und finden einen Umgang mit ihr. Anstatt die Arschbacken anzuspannen und steif wie ein Stock zu werden.

-- Fred

01.06.2017 :: Gruppengründungen in Lüdenscheid und Witten

In Lüdenscheid und Witten wird versucht, Gruppen zum Thema Sozialphobie aufzubauen. Wer Interesse hat, kann sich an die Selbsthilfekontaktstelle Witten und Selbsthilfekontaktstelle Märkischer Kreis wenden. In Lüdenscheid ist ein erstes Treffen am 7.6.17.

Neugründungen sind immer eine spannende Sache. Traut euch!

Weblinks:

24.05.2017 :: Unsichere Bindungen

Die Ursache von sozialen Ängsten kann in unsicheren Bindungen liegen. Oft erfahren Menschen das schon im frühen Kindesalter. Der Kontakt zu den Eltern ist hierbei besonders wichtig. In diesem Alter hängt das eigene Glück sehr stark davon ab, wie gut und entspannt die Beziehung zu den Eltern ist.

Macht hier ein Kind die Erfahrung, dass diese Beziehung öfter nicht trägt und nicht belastbar ist, entwickelt es Ängste. Das ist nur all zu logisch: Würde die Beziehung wegbrechen, ist es vorbei mit einem guten Leben. Von dem guten Kontakt zu unseren Bezugspersonen sind wir im Kleinkindalter genauso abhängig, wie vom Essen und Trinken.

Wenn nun noch unklar ist, warum der gute Kontakt zu den Eltern abbricht oder Anzeichen dafür da sind, dass das irgendwas mit mir zu tun haben könnte, entwickelt sich eine belastende Gedankenspirale: "Was habe ich falsch gemacht?", "Bin ich schuld?", "Bin ich ein schlechter Mensch?" und dann auch "Was muss ich jetzt tun, damit Mama wieder gut zu mir ist?"

Daraus entstehen Gefühls- und Gedankenmuster, die auch im späteren Leben dazu führen, dass wir viel zu oft darüber nachdenken, wie die Umwelt über uns denkt, ob wir irgendwas falsch gemacht haben, ob wir nicht richtig sind usw. Daraus entstehen dann auch Selbstzweifel und Schuldgefühle.

Kinder werden so auch früh überlastet: Es darf nicht die Aufgabe von Kindern sein, die Probleme ihrer Eltern zu lösen. Doch oft passiert genau das. Kinder müssen nach Wegen suchen, damit ihre Eltern wieder gut zu ihnen sind. Weil sie so fürchterlich unter Liebesentzug leiden.

Überforderungserfahrungen können verheerende Auswirkungen auf das spätere Leben haben. Das kann sich z.B. darin äußern, dass man vor jeder Herausforderung des Lebens Angst bekommt. So wird der ganze Leistungsbereich zu einem Problem und nicht selten vermeidet man dann die Herausforderung. Das zeigt sich dann besonders stark im beruflichen Bereich, in dem man nicht Fuß fasst oder wo man sich sehr schwer tut. Herausforderungen des Lebens sind nicht mehr mit Lust und Interesse assoziiert, sondern mit Angst vor Überforderung und negativem Stress.

Wichtig ist, dass nicht alle psychischen Deformationen im frühen Kindesalter passieren. Das ist nur eine besonders sensible Lebensphase. Natürlich können wir auch später im Leben Beziehungserfahrungen machen, die uns deformieren.

Solche tiefsitzenden Muster können oft nur mit Hilfe eines tiefenpsychologischen Therapeuten erkannt und bewusst gemacht werden. Eine Bewusstmachung kann eine große Hilfe sein, solche Muster zu verändern. Wenn man im Moment erkennt, dass gerade wieder dieses alte Gefühlsmuster auftaucht, braucht man dieser alten Prägung nicht mehr automatisch zu folgen, sondern kann in kleinen Schritten alternative Umgangsweisen erlernen. Nach meinen Erfahrungen aus der Selbsthilfearbeit sind es längerfristige Veränderungsprozesse, wo man über Jahre hinweg zu neuen Einsichten und Empfindungen gelangt. Mein Therapeut sagte öfter: "Was sich so viele Jahre in einem etabliert hat, braucht auch längere Zeit, damit es sich verändert."

Persönliche Veränderung ist nichts für Ungeduldige. ;-)

-- Fred

26.04.2017 :: Erfolge von Betroffenen...

A. sagte zum Thema Komplimente: "Ich konnte bis vor gar nicht langer Zeit überhaupt nicht mit Komplimenten umgehen. Im Vordergrund stand bei mir dann immer die Angst deshalb zu erröten und das war eine Horrorssituation für mich.

Mit meiner tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie habe ich das Thema für mich überhaupt nicht genug bearbeiten können.

Erst durch meinen totalen Zusammenbruch im letzten Jahr mit einer ganz schweren Depression hat sich mein Leben total verändert. Mein Neurologe hat mir Ergotherapie aufgeschrieben 10 Sitzungen. Davon habe ich in 8 Sitzungen das Thema Selbstliebe und Selbstakzeptanz bearbeitet. Diese 8 Sitzungen und meine ambulante Tanztherapie haben mehr bewirkt als sämtliche Psychotherapien zusammen. Es ist unglaublich. Ich wusste erst gar nicht so richtig was man bei Ergotherapie eigentlich macht aber die Therapeutin ist da voll auf meine Bedürfnisse eingegangen.

Der Schlüssel zu MEINEN ganzen Ängsten war das ich mich selbst nicht geliebt und akzeptiert habe. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber ich kann das jetzt. Und das ist wiederum der Schlüssel für mich mit Komplimenten umzugehen. Auch das kann ich jetzt. Ich kann sie annehmen, ohne mich vor Scham zu verstecken. Ich kann sie geniessen, mich bedanken, muss kein Kompliment zurück geben. Es fühlt sich ganz toll für mich an.

Wenn es dann noch passiert und ich merke das ich rot werde, dann sage ich: danke, das macht mich ja ganz verlegen. Und dann finde ich es niedlich. Ich bin heilfroh das ich an diese Ergotherapeutin geraten bin und ich bin dankbar für meine Depression, denn durch sie bin ich wach geworden und habe mein Leben geändert."

18.04.2017 :: Sich kleiner machen, als man ist

Mit einem geringen Selbstwertgefühl ausgestattet, macht man sich oft kleiner, als man ist. Wenn Menschen einen also positiv beachten, wertet man das eher ab. Damit gibt man die Botschaft in die Welt: "Was ich so mache, ist nicht der Rede wert." oder "Ich möchte gar nicht positiv gesehen werden."

Natürlich haben solche Botschaften auch immer ihre Wirkung. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man dadurch auch weniger positive Rückmeldungen erfährt. So, wie wir uns selbst sehen, so sehen uns vielleicht bald auch die anderen.

Ein Teil in uns wird darüber vielleicht sogar froh sein. Vielleicht gibt es da etwas in mir, was das eher als peinlich empfindet, positiv beachtet zu werden. Denn jede Beachtung ist ja auch wieder eine Mittelpunktsituation.

Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, dass ein anderer Teil in uns aushungert ist. Und es sorgt dafür, dass unser geringes Selbstwertgefühl durch unser Umfeld bestätigt wird.

Bei einem geringen Selbstwertgefühl geht es ja darum, dass wir unseren wahren Wert nicht erkennen. Wir sehen nicht, wie wertvoll es ist, dass wir leben und da sind. Und wir erkennen nicht, was wir auch Positives bewirken.

Durch die Haltung, positive Beachtung abzuwehren, sorgen wir dann dafür, dass unser Selbstwert auch nicht wachsen kann. Damit erhalten wir unsere Überzeugung von uns aufrecht, in dem wir einfach alles, was dieser falschen Überzeugung widerspricht, nicht an uns heranlassen.

Folglich kann es ein heilsamer Schritt sein, sich für die positiven Rückmeldungen wirklich zu öffnen. Es an sich heranzulassen. In sich hineinzuspüren, wie sich das anfühlt, gelobt zu werden oder anerkennende Worte zu hören. Anfangs kann es sein, das viele unangenehme Gefühle im Vordergrund stehen. Dann sind wir peinlich berührt oder können es gar nicht ertragen. Doch wenn man durch diese Gefühle bewusst hindurchgeht, spürt man vielleicht irgendwann, wie wohlig gut das auch tut. Wie ausgehungert wir vielleicht sind. Und dann kann es uns wirklich berühren. Ich habe schon Menschen erlebt, die dann weinen mussten, weil sie sich das erste Mal wirklich durch eine positive Aussage zu ihrer Person berühren ließen.

In der Hakomi-Therapie gibt es ein Werkzeug, was sich auch gut in Selbsthilfegruppen einsetzen lässt. Es heißt Sonde. Eine Sonde ist ein positiv-konstruktiver Satz, den wir in einer achtsamen Haltung auf uns wirken lassen. Man schließt hierfür die Augen, entspannt sich, wird achtsam für den Moment und spürt dann nach. Einer in der Gruppe, der die Sonde anleitet, sagt dann: "Was spürst du, wenn ich dir sage....Du bist ein wertvoller Mensch." Jetzt geht es nur darum, zu erfahren, was in mir passiert: Welche Emotionen tauchen auf? Wo spüre ich die im Körper? Welche Gedanken oder Bilder tauchen auf? Wir lassen uns vielleicht 30-60s Zeit, dem nachzuspüren. Danach können wir in einen Austausch gehen, welche Erfahrungen wir bei diesem Experiment gemacht haben. Wichtig ist, dass es immer konstruktiv-positive Sonden sein sollten.

Ich hatte das Glück, eine Zeit lang durch eine Hakomi-Therapeutin begleitet zu werden und konnte hier viel über mich lernen.

Weblinks:

-- Fred

10.04.2017 :: Sich auf die Schliche kommen

Letztens hörte ich einen Beitrag im Radio, wo es um Wahrheitsfindung geht. Da fiel der Satz, dass man sich auf die Schliche kommen muss. Der sprach mich an. Denn was macht einen großen Teil von Psychotherapie und Selbstfindung aus? Man muss sich auf die Schliche kommen!

Psychische Thematiken sind ganz oft nicht offensichtlich. Man muss aufmerksam nach ihnen suchen. Aber nicht nur das. Es gibt viele psychische Muster, wo wir bestimmte Seiten unserer Selbst vor uns verstecken. Wir wollen sie nicht sehen und blenden sie aus. Sie werden für uns unsichtbar.

An dem Punkt ist es gut, einen Therapeuten zu haben, der einen begleitet. Und zwar einer, der wach für solche Versteckspiele ist. Ein Therapeut, der sich nicht von uns einlullen lässt und immer nur vom Besten ausgeht. Vielmehr einer, der mit Adleraugen auch die Erscheinungen unter der Oberfläche erblickt.

Weshalb kommt es überhaupt zu solchen Versteckspielen? Einerseits wollen wir ja irgendwie unsere Ängste und psychischen Konflikte loswerden. Andererseits ist es aber auch so, dass uns das einiges abverlangt. Und manches davon ist so furchterregend, dass wir lieber dagegen arbeiten. Viele Menschen, die Therapie gemacht haben, kennen diese innere Gespaltenheit - einerseits für das gemeinsam vereinbarte Ziel zu arbeiten, andererseits dagegen. Therapeuten sprechen auch von "inneren Widerständen".

In dieser Hinsicht ist unser Geist auch sehr geschickt. Er kann sich unglaublich gut tarnen, wenn er dagegen arbeitet. Und je intelligenter Menschen sind, um so schwieriger sind solche Tarnmanöver zu durchschauen.

Kann Selbsthilfe in diesem Bereich etwas bewirken? Einerseits passt es nicht in den Rahmen einer Selbsthilfegruppe, dass wir uns alle mit Adleraugen beobachten, um die verborgenen Tarnmanöver des anderen aufzudecken. Auch schon deshalb nicht, weil es eine haltgebende therapeutische Beziehung braucht, um solche Muster aufzudecken. Denn alles, was aufgedeckt wird, kann auch destabilisieren. Wir brauchen also jemanden, der uns auch auffängt.

Auf der anderen Seite gibt es auch Konfrontation in der Selbsthilfe. In der Regel führen Tarnmanöver zu irritierendem Verhalten. Und das löst nicht selten Ärger in anderen aus. Sich darüber auszutauschen, was Ärger oder Irritationen auslöst, ist ein wichtiges Feedback. Hier kann sich dann jeder auch selbst hinterfragen, warum er so agiert und sich so mit der eigenen Widersprüchlichkeit auseinandersetzen. Was sich in der Selbsthilfe so nicht klären lässt, kann man auch wieder mit in die Therapie nehmen.

Selbsthilfe ist damit ein Erfahrungsfeld, wo jeder auch mit seinen versteckten Programmen in Berührung kommt. Und dann ist es an jedem selbst, was er daraus macht.

-- Fred

02.04.2017 :: Schneller Termin beim Therapeuten

Therapeuten müssen ab dem 1.4.2017 kurzfristig therapeutische Beratung anbieten. Es geht hierbei um eine Kurzzeitberatung von 25 Minuten. Jeder Therapeut ist verpflichtet, 4 solcher Termine pro Woche anzubieten. Als Patient darf man maximal 6 solcher Termine in Anspruch nehmen.

Diese neue Möglichkeit löst natürlich nicht das Problem der langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Trotzdem besteht jetzt wenigstens die Möglichkeit, sich kurzfristig beraten zu lassen. Ob das so problemlos funktioniert, bleibt abzuwarten.

Was sich auch ändert: Therapeuten müssen nun mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein. Manche Therapeuten haben sich nämlich wegen langen Wartelisten telefonisch sehr rar gemacht und z.B. nur noch einmal pro Woche für 30 Minuten einen Telefonsprechstunde angeboten. Das geht so jetzt nicht mehr.

Für eine Akutbehandlung sollen auch schnell und kurzfristig bis zu 24 Sitzungen a 25 Minuten zur Verfügung gestellt werden.

So lange sich die Anzahl der Therapeuten nicht erhöht, ist natürlich klar, was durch die neuen Anforderungen passieren wird: Die regulären Wartezeiten auf einen Therapieplatz müssen noch länger werden. Die Anzahl der Therapiestunden nimmt ja nicht zu. Werden einige Patienten kurzfristig vorgezogen, rutschen andere nach hinten.

Details findet ihr zum Beispiel hier:

23.03.2017 :: Traumatisiert durch psychische Extremzustände

Wenn man nach Traumatisierungen Ausschau hält, sucht man oft im Außen: Was ist einem Menschen zugestoßen? Welche Extremereignisse gab es, die auf einen Menschen schicksalhaft zugekommen sind?

Es gibt aber noch eine andere wichtige Quelle von Traumatisierungen und das sind innerpsychische Extremzustände, die mit dem Außen erstmal wenig zu tun haben.

Ein typisches Beispiel ist das Erleben einer Psychose. Der Bewusstseinszustand und das innere Erleben sind in einer Psychose oft stark anders, als man das von seinem Alltagsbewusstsein gewohnt ist. Und dies kann zu einem echten Horrortrip werden. Man fühlt sich z.B. existenziell bedroht. Menschen verfolgen einen scheinbar und jedes Wort, was um einen gesprochen wird, interpretiert das eigene Gehirn als Mobbing oder vernichtenden Angriff. Durch Psychosen können massive Ängste in einem entstehen. Vertrauen wird überall zerstört und das entwurzelt einen stark. Diese Haltlosigkeit und das Misstrauen der ganzen Welt gegenüber kann wiederum unerträgliche Ängste auslösen.

Mit Panikattacken ist es ähnlich. Mitunter kommen die scheinbar völlig grundlos ins Leben. Panikattacken sind extrem große Ängste, wo man das Gefühl hat, die nicht aushalten zu können. Sie überfordern massiv. Obwohl nichts im Außen ist, was einen geschockt hat, hat man dieses überwältigende Gefühlserleben.

Auch eine schwere Depression ist ein extremer Bewusstseinszustand, in dem Menschen Monate lang festhängen. Oft gingen destabilisierende Situationen voraus. Aber es gibt auch genügend Menschen, die ohne erkennbaren Grund in eine tiefe Depression fallen.

All das sind extreme Bewusstseinszustände, in die man hineingeraten kann. Und besonders dann, wenn es keine klaren Gründe dafür gab, bleiben sie auch im Nachhinein beunruhigend. Es könnte ja passieren, dass ich da jederzeit wieder hineingerate. Und das macht Angst.

Ich habe zahlreiche Menschen erlebt, die nach solchen schwierigen Erlebnissen sehr starr in ihrem Verhalten wurden. Da gibt es z.B. die Flucht in Ordnung und Struktur. Alles muss nach genau geplanten Mustern ablaufen. Diese Muster geben Halt. Die Idee dahinter ist: "Wenn ich mich genau so verhalte, wird nichts passieren." Das kann sich bis zur Zwanghaftigkeit steigern.

Das große Problem starrer Lebensweisen ist, dass die Kreativität und seelische Freiheit verloren geht. Und damit die Freude, das in Resonanz gehen mit seiner Umwelt, das Mitschwingen und die Hingabe. Und damit geht auch echtes Berührtsein verloren und damit echter Kontakt. Und schlussendlich geht bei allem die Liebe verloren. Man ist im Überlebebensmodus, erlebt vieles als Bedrohung, wovor man sich schützen muss.

Flirten und Verlieben brauchen auch Loslassen und Offenheit. Sexualität ebenso. All das ist bedroht, wenn man zu starr an Konzepten festhalten muss, die einem helfen, das Traumata zu "managen".

Kann man etwas tun, um sich aus solchen Erstarrungen herauszuentwickeln? Ich habe Menschen erlebt, die das geschafft haben, die sich befreien konnten. Dabei war immer viel Mut im Spiel. Sowohl bei ihnen selbst, als auch bei den Therapeuten. Sich schwierigen Situationen des Lebens nochmal zu stellen, ist immer eine große Herausforderung. Erfolgsgarantien gibts keine. Es geht auch nicht ohne Risiko. Aber wenn es gelingt, wird das Leben wieder sehr viel reicher.

Gute Hilfe ist bei solchen Veränderungsprozessen besonders wichtig. Die Traumatherapie hat in den letzten 30 Jahren enorme Fortschritte gemacht. Es gibt Therapeuten, die sehr gut in traumatherapeutischen Methoden ausgebildet sind. Es gibt sogar Kliniken, die sich auf Traumabewältigung spezialisiert haben.

Für Selbsthilfegruppen erscheint es mir wichtig, achtsam miteinander umzugehen. Jedes Gruppenmitglied kann Traumatisierungen in sich haben. Solche Traumatas können aufbrechen, wenn wir am anderen "herumbohren" oder uns zu stark konfrontieren. Das ist auch ein Grund, warum wir uns eher auf den erfahrungsbasierten Ansatz stützen.

Bei diesem Ansatz kommt es nicht dazu, das wir aktiv an anderen "herumdoktern". Vielmehr konzentriert sich jeder einfach auf seine Erfahrungen, die er mitteilt. Was man damit macht, kann jeder selbst für sich entscheiden. So kann jeder auch gut dosieren, was er an sich heranlässt und was er von sich fernhalten muss.

Grundsätzlich erscheint es mir sinnvoll, in der Selbsthilfe sehr achtsam bedrängende Situationen wahrzunehmen und diese zu stoppen. Die gewaltfreie Kommunikation bietet hier auch Methoden, wie wir anderen Wichtiges mitteilen können, ohne zu bedrängen oder Druck aufzubauen.

-- Fred

18.01.2017 :: Ausbildung Psychotherapie nicht optimal

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten ist oftmals steinig. Auch Therapeuten sind oft mal überfordert mit ihrer Situation. Hier ein interessanter Artikel im Spiegel:

18.01.2017 :: Komm raus aus deiner Normtreue

Normtreue kann eine Form von Vermeidungsverhalten bei sozialen Ängsten sein. Man hat dann sehr feine Antennen dafür, was andere von mir erwarten. Und diese Erwartungshaltung versuche ich, so gut es geht, zu erfüllen.

Hohe Normtreue ist mir selbst öfters mal aufgefallen, wenn ich ärgerlich auf andere werde, die die Norm brechen. Es gibt also Vorgaben, wie man sich verhalten soll. Ich tue das und erlebe andere, die es nicht machen. Wenn die dann auch noch Erfolg damit haben oder nicht gerügt werden, ärgere ich mich. Aber diese Wut auf die anderen ist nicht selten meine zu große Regeltreue. Ich könnte es auch öfters mal entspannter angehen.

Tiefer betrachtet ist Normtreue oft aus einer Angstvermeidung heraus geboren. Man möchte nicht anecken, möchte nichts falsch machen. Denn hier hängen Kränkungen und Schmerz dran. Nicht in Ordnung zu sein, nicht das zu machen, was von einem erwartet wird: Da kennen viele Menschen sehr frühe Erfahrungen, die schmerzhaft waren. Und als Bewältigungsstrategie hat man sich angewöhnt, möglichst gut alles zu erfüllen, was von einem erwartet wird.

Und heute? Müssen wir so weiter leben? Ist das gut?

Sich anpassen zu können, ist auf jeden Fall nötig, sobald man mit anderen Menschen in irgendeiner Form verbunden ist. Ob Arbeit, Urlaub, Partnerschaft oder Freizeit - wir haben alle andere Bedürfnisse und die müssen wir unter einen Hut bringen. Menschen, die sich nicht anpassen können, die nur ihr Eigenes sehen und keine Kompromisse machen können, sind sehr schwierige Zeitgenossen.

Doch das Eigene kommt bei überangepassten Menschen oft zu kurz: Zu fragen, was ich ich möchte. Und mich auch dafür einzusetzen.

Für die eigenen Bedürfnisse macht es immer mal wieder Sinn, von Normen abzuweichen. Und auch ganz wichtig: Oft gibts vermeintliche Erwartungen, die überhaupt nicht existieren. Die sind nur in meiner Vorstellung, geboren aus früheren Erfahrungen.

Insofern ist es gut, immer mal wieder zu reflektieren, was wohl mein Umfeld gerade von mir erwartet. Und hier - insofern das geht - einen Realitätscheck vorzunehmen. Andere z.B. zu fragen, ob das wirklich erwartet wird oder wie sie es sehen.

Erwartungen werden im Alltag oft nicht explizit ausgesprochen. Sie werden indirekt und oft unterschwellig kommuniziert. Das macht es mitunter so schwer, eine klare Vorstellung davon zu bekommen, was erwartet wird.

Will man hier etwas verändern, reicht schon dieser kleine Schritt: Herauszukommen aus dem Automatismus, jede vermeintliche Erwartung zu erfüllen. Stattdessen achtsam für das Thema "Erwartungen" zu werden. Hält man diese Achtsamkeit für mehrere Wochen aufrecht, lernt man etwas über sich. Man lernt, wie man auf Erwartungen reagiert und kann anfangen darüber reflektieren.

Wenn es gut läuft, kommt eine Veränderungsprozess in Gang und man findet eine neue Orientierung für sich. Man kann mal mutig wagen, von der Norm abzuweichen und macht seine Erfahrungen damit. Man bekommt ein neues Gespür dafür, wo es gut ist, sich anzupassen und wo es gut ist, seine Bedürfnisse mehr zu leben. Diese Neuorientierung beschenkt einen mit mehr Freiheit.

-- Fred

07.01.2017 :: Kalte Wege...

Minus 7 Grad war es die Nacht. Ein ganz schön kalter Wind, der einem draußen um die Nase weht. Und gerade unterhielt ich mich mit einem Bekannten über innere Kälte.

Mein erster Bewältigungsversuch, meine sozialen Ängste in den Griff zu bekommen, war ein kalter Weg. Ich kämpfte gegen meine Angst, wollte sie weg haben oder gar vernichten. Schon die Formulierung "in den Griff bekommen" ist Inbegriff für einen kalten Weg. Formulierungen, die wir oft selbstverständlich im Alltag wählen.

Es ist naheliegend, dass wir zu kalten und lieblosen Mitteln greifen. Was stört, muss weg! Was behindert, muss elemniert werden. Das ist auch etwas, was wir in der großen Weltpolitik tun. Das vermeintlich Schlechte oder Böse muss ausgerottet werden. Damit das Gute siegt. Dieses Muster scheint irgendwie in uns angelegt zu sein. Im Innen, wie im Außen.

Doch regelmäßig scheitern wir auch damit. Und dann wird uns irgendwann klar, dass es eben so nicht geht. Die Weisheit, die sich dann einstellt, enthält dann wieder die Liebe, die vorher so gefehlt hat.

Der kalte Weg ist deshalb so naheliegend, weil es eine Fortsetzung des Leides ist, was uns widerfahren ist.

Irgendwo las ich mal: "Die meisten psychischen Erkrankungen entstehen durch einen Mangel an Liebe. Und wie werden sie geheilt? Durch Liebe."

Menschen, die aufgrund von Lieblosigkeiten deformiert wurden, neigen glaube ich dazu, sich mit der selben Methode heilen zu wollen. Dann tun sie sich noch mehr Lieblosigkeiten an. Dann werden sie besonders diszipliniert und kämpfen gegen alles Ängstliche. Dann werden sie ehrgeizig und kämpfen gegen alles Schwache oder Zögerliche. Kurzum, sie entwickeln in sich mehr und mehr Kälte, um das wegzumachen, was entstanden ist. Entstanden genau aufgrund von Kälte und Lieblosigkeit.

Und was entsteht? Noch mehr innere Konflikte und Gespaltenheit.

Ein Beispiel: Da ist ein Mensch, der große Selbstzweifel hat und immer wieder starke Versagensängste entwickelt, wenn er einen Vortrag halten muss. Er fängt an, gegen diese Unsicherheit zu kämpfen. Er reißt sich zusammen, er will durch Disziplin und innere Kraftanstrengung diese verletzte Seite in sich loswerden. Er wirkt nach außen hart und handelt schablonenhaft. Er verliert so den offenen Kontakt zu seiner Umwelt, agiert nur noch in festgelegten Mustern. Um so mehr macht ihm alles zu schaffen, was unvorbereitet auf ihn zukommt. Er hasst es, spontan reagieren zu müssen und versucht nun noch mehr, alles zu kontrollieren. Irgendwann überfordert ihn all dieser Kraftaufwand, so dass er in eine Depression rutscht.

Solche und ähnliche Lebensgeschichten hab ich häufig gehört und auch meine Lebensgeschichte hat sich ähnlich abgespielt.

Aber was hat diesem Menschen vielleicht wirklich gefehlt? Wo war der Mangel an Liebe? Es fehlte vielleicht ein Mensch, der ihm schon in früher Kindheit immer wieder Mut gemacht hat. Ein Mensch, der die zaghaften Impulse eines unsicheren Menschen unterstützt hat. Der ihm gut zugeredet hat und so die Unsicherheit kleiner werden lies. Und so wuchs dann mit der Zeit immer mehr Vertrauen in das Leben und Selbstsicherheit. Aus einem verunsicherten Kind wäre so ein selbstsicherer Erwachsener geworden.

Genau das ist der liebevolle Weg, den ich für so wichtig halte. Vertrauen zum Beispiel kann man nie mit der Holzhammermethode aufbauen oder verordnen. Es braucht viel liebevolle Zuwendung, um immer wieder die Erfahrung zu machen, dass man sich auf etwas einlassen kann, ohne das es schmerzt.

Wer schonmal versucht hat, zu verstörten Tieren wieder Kontakt aufzubauen, weiß, wie mühsam das ist, einmal missbrauchtes Vertrauen wieder zu heilen. Aber es ist möglich und es ist der einzige Weg, überhaupt etwas in der Tiefe zu verändern. Wer wirklich wieder vertrauen können will, kann das nie über Disziplin oder kalten Willen erreichen. Das Vertrauen entzieht sich unserem direkten Willen. Man kann einen Hund an die Leine nehmen und ihn mit Befehlen trainieren. Vertrauen wird man so aber keins aufbauen.

Ich erlebe es in der Selbsthilfegruppe immer wieder, das Menschen den kalten Weg versuchen. Oft sind es Menschen, die am Anfang ihrer persönlichen Auseinandersetzung stehen. Und auch Menschen, die keine psychotherapeutische Unterstützung haben. Also Menschen, denen ein warmherziger Begleiter fehlt und die so nie diesen Weg kennenlernen konnten. Wobei auch nicht jeder Psychotherapeut ein warmherziger Mensch ist, es gibt durchaus auch therapeutische Methoden, die kalt fordernd sind. Wobei mir als Problem nicht das Fordernde erscheint, denn das ist auch immer wieder wichtig in Therapie. Die emotionale Kälte erscheint mir als ein Problem.

Der kalte Weg scheint einem schnelle Erfolge zu versprechen. Der Herzensweg hingegen ist so wenig greifbar und scheint so aufwändig und langwierig zu sein. Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum man gerne den kalten Weg wählt.

Das ist auch in der großen Weltpolitik zu beobachten. Da keimt der Wunsch bei vielen Menschen auf, etwas vermeinlich Böses auszurotten und zu vernichten. Der andere Weg, sich mühsam in vielen Gesprächen auf einen gemeinsamen Weg zu einigen, erscheint da unattraktiv. Und doch zeigt uns auch die Geschichte, dass Kriege oft zu noch mehr Unfrieden führen und so das Böse nähren. Und das liebevolle Wege auch immer wieder Erfolge zu verzeichnen haben. Und vor allem zeigt uns die Geschichte, dass es bei vielen Problemen keinen schnellen, sondern nur den sehr mühsamen Weg gibt.

Therapeuten haben mir öfters gesagt, man muss viel Geduld bei seiner persönlichen Entwicklung aufbringen. Was in vielen Jahren deformiert wurde, lässt sich nicht in wenigen Monaten wieder heilen.

Wir merken das auch in der Selbsthilfegruppe. Wie schnell verletzt ein falsches Wort einen Menschen. Und wie unendlich schwierig ist es, danach wieder Frieden herzustellen und diese Verletzung zu heilen. Kaputt gemacht ist schnell, heil machen bleibt ein mühevoller Job, wo man Geduld aufbringen muss.

Und oft zeigt sich: Eigentlich ist Heilung ganz einfach. Es braucht nur einen kleinen liebevollen Schritt, der z.B. verzeihen heißt. Aber um diesen kleinen Schritt zu gehen, brauchen Menschen doch oft Jahre. Weil sie (noch) nicht bereit sind, den liebevollen Weg zu gehen. Ein kleiner Schritt der Liebe muss manchmal jahrelang vorbereitet werden, bis er möglich erscheint. Und auch, bis sich einem der Sinn darin erschließt. Die Bereitschaft, liebevolle Wege zu verfolgen, entwickelt sich keinesfalls automatisch. Um so kostbarer ist es, erste liebevolle Impulse zu unterstützen und zu nähren.

-- Fred

02.01.2017 :: Neue Räume - wir können starten

Der Umzug der Kontaktstelle ist geschafft. Derzeit werden zwar noch viele Kartons ausgepackt und so manche Baustelle gibts auch noch. Aber die neuen Räume sind jetzt nutzbar, so dass ab sofort wieder alle Sopha-Gruppen tagen können.

Die Räume wirken frisch und sauber. Der ganze Innenausbau ist komplett neu gemacht. Wir sind gespannt, wie es sich anfühlen wird, wenn die ersten Gruppen dort stattfinden werden.

Zum Jahresanfang haben sich zahlreiche Interessierte angemeldet. Da wirken vermutlich die guten Vorsätze, etwas für sich zu tun. ;-) Wir freuen uns auf euch. Mal schauen, wie die ersten Gruppen besucht sind und ob bald Plätze frei werden. Hoffentlich wird die Warteliste nicht zu lang. Denn wenn man sich vornimmt, bei einer Selbsthilfegruppe mitzumachen, wäre es natürich optimal, sofort damit zu starten.

Hier findet ihr Infos, wie ihr die neuen Räume findet:

15.12.2016 :: Wuppertal: Neue Sozialphobie-Selbsthilfegruppe

Ein Gruppenmitglied, was die letzten Jahre recht aktiv in unseren Gruppen war, gründet eine neue Selbsthilfegruppe in Wuppertal. Das ist eine gute Idee, weil es Sozialphobie-Selbsthilfegruppen noch lange nicht überall gibt. Wuppertal und Umgebung war auch so ein Loch, wo nichts existierte. Wir sind gespannt, wie gut der Aufbau der Gruppe gelingt.

Was braucht eine Gruppe am Nötigsten? Natürlich Mitglieder. Deshalb schreiben wir auch hier. Wer aus der Region Wuppertal kommt und in diese neue Gruppe einzusteigen will, melde sich bei uns. Wir stellen den Kontakt dann her. Unsere Mailadresse findet ihr hier: Kontakt.

Weblinks:

15.12.2016 :: Umzug Selbsthilfe-Kontaktstelle

Es ist soweit: Nach 13 Jahren am Friedensplatz 8, zieht die Kontaktstelle jetzt noch mehr in Richtung Innenstadt. Die neue Adresse lautet Ostenhellweg 42-48. Der Eingang ist allerdings in der Moritzgasse.

Die letzte Gruppe konnte am 11. Dezember tagen. Jetzt ist Umzug angesagt, so dass wir den ganzen Dezember über keine Räume mehr verfügen und so auch keine Gruppen anbieten können.

In der neuen Kontaktstelle wird es vermutlich Anfang Januar für uns weitergehen. Es wird insgesamt wieder 3 Räume für Selbsthilfegruppen geben, die zudem deutlich größer sind. Jeder Raum wird auch Fenster haben, womit man lüften kann. Insofern gibts grundsätzlich eine Verbesserung der Situation. Wie die Räume konkret aussehen, wissen wir noch nicht, das erfahren wir auch erst Anfang Januar.

08.12.2016 :: Lied der Woche

Lor - Cinnamon

07.12.2016 :: Warum sich ungünstige Sichtweisen verstärken

Leider können wir nicht neutral wahrnehmen. Wahrnehmung ist selektiv. Manches nehmen wir stark und deutlich wahr, anderes übersehen wir oder blenden es aus.

Unsere Lieblingsansichten werden immer wieder befeuert, wenn wir Dinge erleben, die diese Ansichten stützen. Passiert hingegen etwas, was nicht mit unseren Ansichten übereinstimmt, kann es sein, dass wir sie kaum wahrnehmen und damit auch schneller wieder vergessen. Mitunter gibt es auch eine Abwehr von allem, was uns nicht passt.

Angst ist ein Aufmerksamkeitsmagnet. Wir nehmen dann das verstärkt wahr, was uns ängstigt. Und das nährt unsere Auffassungen von der Welt, die wir dann immer mehr als bedrohlich wahrnehmen.

Die Sache mit der Bedrohung ist eine ganz gemeine Wahrnehmungsverzerrung. Machen wir die Erfahrung, dass etwas trotz empfundenen Risikos gut geht, kann der "Innere Besorgte" sagen: "Es hätte ja trotzdem schief gehen können. Es war einfach nur Glück." Und wenn es dann wirklich mal schief geht, dann sagt er: "Siehst du, ich habs dir doch gesagt! Hättest du mal auf mich gehört!"

Dieser besorgte Persönlichkeitsanteil hat also sozusagen immer recht. Und deshalb tendiert er dazu, sich in uns auszudehnen und immer mehr die Kontrolle über unser Handeln zu übernehmen. Zwar kann unser "Risikofreudiger Teil" bei postivem Ausgang sagen: "Siehst du, ist doch gut gegangen!", aber der "Innere Besorgte" kann eben sofort kontern: "Da hast du einfach nur Glück gehabt. Im Grunde war es sehr riskant und in Zukunft wirst du garantiert nochmal auf die Nase fallen." Und das lässt sich ja kaum entkräften.

Wir erleben das auch in der Gesellschaft: Es gibt immer Menschen, die in allem nur Gefahren sehen und uns ständig warnen. Und bei jedem Unglück, was passiert, sagen sie: "Siehst du, das habe ich vorausgesehen. Warum hört keiner auf mich?"

Was dieser Mensch nicht sieht: Die ganzen verlorenen Chancen und Möglichkeiten, die er nicht gelebt hat. Und dieser Mangel an guten Erlebnissen führt noch viel mehr in eine Verbitterung dem Leben gegenüber.

Hier sieht man schön, wie sehr einmal angelegte Sichtweisen sich immer weiter verstärken und ausdehnen. Und dies betrifft auch die meisten angstgetriebenen Sichtweisen und Wahrnehmungspräferenzen.

Was können wir tun, um hier seelisch ausgeglichener zu werden? Wir müssten unsere einseitigen Sichtweisen erkennen und bewusst verändern.

Bewusst gegensteuern lässt ich mit einem ganz einfachen Trick: Wir müssten den gelingenden Momenten mehr positive Aufmerksamkeit schenken. Uns also öfters bewusst sagen: "Siehst du, es ist gut gegangen! Trotz deiner Befürchtung." Wir müssen irgendwie Bewusstseinsraum dafür schaffen: Es klar und ausgiebig wahrnehmen, um diese Beobachtung zu festigen.

Dafür gibts auch viele konkrete Möglichkeiten, um das rituell in unseren Alltag einzubauen. Wir können Tagebuch schreiben, wo wir täglich das aufschreiben, was gut lief und wo wir trotz unserer Ängste und Befürchtungen etwas gewagt haben.

In der Selbsthilfegruppe kann man immer wieder die Dinge ansprechen, die in den letzten Tagen entgegen unseren Befürchtungen gut gelaufen sind.

Wir können auch über Affirmationen diesen riskierenden Teil in uns stärken. Man kann im Leben immer wieder kleine Dinge riskieren, die einen nicht umhauen, wenn sie schief gehen. Und wenn es dann gut geht, ist es wichtig, dies zu "feiern", wie auch immer das konkret aussieht.

So kann es passieren, dass man eine richtige Lust darauf entwickelt, ins Risiko zu gehen und beschenkt zu werden. Eigentlich ist das ja ganz natürlich in uns angelegt: Risiko macht eigentlich auch Lust. Wenn das nicht so wäre, gäbe es uns Menschen vermutlich gar nicht mehr. Wir wären dann viel zu vorsichtig. Im Laufe der Evolution gabs immer große Risiken, die wir bewusst auf uns nehmen mussten. Die Lust am Gelingen hat uns geholfen, da hindurch zu gehen.

Die Lust am Gelingen ist unser wichtigster Motivator und damit auch der Gegenspieler zu unserer Angst. Und wenn wir die gelingenden Momente deutlich genug positiv spüren, fördert dass diese lebendige Seite in uns.

Und wenn es schief geht? Dann dürfen wir nicht sagen: "Siehst du, ich habs dir doch gesagt!" Auch hier lässt sich die Sichtweise verändern, ohne das wir uns einen in die Tasche lügen: "Ok, diesmal hats nicht geklappt. Wie kann es beim nächsten Mal besser werden?" Auch hier bleiben wir mit dem voranschreitenden Teil in uns verbunden und versteifen uns nicht in lebensvermeidende Sichtweisen.

Schlussendlich gehts nicht darum, immer größere Risiken auf sich zu nehmen. Es geht darum, sich immer mal wieder in überschaubare Risiken hineinzuwagen, weil das unser Leben bereichert.

-- Fred

28.11.2016 :: Blickwinkel ändern

Psychotherapie und Selbst-Veränderungs-Methoden arbeiten ganz oft mit einer Veränderung des Blickwinkels. Allein diese Veränderung kann viele weitere Veränderungen anstoßen. Auch tiefgreifende.

Aus welchen Blickwinkeln wir die Welt wahrnehmen, wird durch unsere Wahrnehmungs- und Denkgewohnheiten festgelegt. Natürlich auch von unseren Emotionen. Und was die Festlegung angeht - viele Menschen sind in dieser Hinsicht sehr festgelegt und bewegen sich nur in gewohnten Mustern.

Ungünstigerweise kommt hinzu: Wer mit Ängsten belastet ist, neigt noch viel stärker dazu, in rigiden Denkmustern zu verharren. Die Freiheit, mal ganz andere Blickwinkel einzunehmen, schwindet. Warum? Das Gewohnte gibt Sicherheit, das Ungewohnte macht Angst oder braucht zumindest Mut. Ein anderer Blickwinkel kann bedrohlich wirken, weil er unser Selbstverständnis von der Welt bedroht.

In Psychotherapie gehts also auch viel darum, grundsätzlich flexibler und offener zu werden. Heraus zu kommen aus einer rigiden Festlegung von Gedanken und Wahrnehmung. In einer Klinik habe ich es erlebt, dass man uns regelmäßig so stark mit Neuem konfrontiert hat, dass viele in dieses innere Spannungsfeld gekommen sind: Das Gefühl, einen inneren Halt zu verlieren und ins Chaos zu stürzen. Am Gewohnten konnte man sich auf einmal nicht mehr festhalten und das Neue fühlte sich nicht stabil an. Durch eine gute therapeutische Betreuung war es hier möglich, sich in so ein intensives Veränderungsfeld zu begeben.

Eine gute und harmlose Blickwinkel-Veränderung für den Alltag kann dies sein: Wir achten oft gerne auf das Gewohnte. Hat man z.B. zum tausendsten Mal eine beängstigende Situation, sagt man sich: "Schon wieder diese Angst, die ich so gut kenne." Der neue Blickwinkel wäre jetzt: "Wie erlebe ich jetzt im Moment meine Angst? Was ist anders, als sonst?" Wir konzentrieren uns also auf die Unterschiede und nicht auf das Gewohnte.

Wenn wir uns auf das, was anders ist, konzentrieren, nehmen wir vielleicht auch kleinste Anzeichen von Verbesserung wahr. Verbesserungen zeigen sich in der Regel nicht mit gewaltigen Sprüngen, sondern sie kommen auf ganz leisen Sohlen daher. Je wacher wir sind und auf kleinste positive Veränderungen achten, um so schneller werden uns diese positiven Impulse bewusst.

Das ist der Schlüssel: Was uns möglichst früh bewusst wird, das können wir unterstützen und fördern. Und zwar erst dann, wenn es uns bewusst wird. Auf die ganz kleinen Verbesserungen zu achten, ist der Schlüssel für positive Veränderung.

Das ist auch meine Erfahrung in den Selbsthilfegruppen: Wenn Menschen immer wieder darüber berichten, welche Schwierigkeiten sie erleben, dann hört es sich wie eine fortwährende Wiederholung immer der selben schweren Erfahrung an. Und sie bekommen immer mehr das Gefühl der Ausweglosigkeit. Sie erleben ja genau das: Immer und immer wieder die selbe schwierige Erfahrung. Und daraus entsteht eine felsenfeste Überzeugung, dass es auch nie besser werden kann. Es verändert sich ja nichts!

Aber machen diese Menschen wirklich immer wieder genau die selber schwere Erfahrung? Ich glaube das nicht.

Der Grund dieses Erlebens liegt glaube ich nicht selten in der Art der Wahrnehmung. Die Angst, die da kommt, wird nicht mehr genau betrachtet. Kleine Verbesserungen werden nicht gesehen und gewürdigt. Möglichkeiten, die herausführen und entdeckt werden müssen, dringen gar nicht ins Bewusstsein.

Umgedreht erlebe ich: Wenn Menschen in einem guten Veränderungsprozess sind, reden sie mehr darüber, welche kleinen Veränderungen sie an sich wahrnehmen. Sie sind neugierig und interessiert daran, was sich bewegt und was einem Hilfreiches über den Weg läuft. Dieser veränderte Blickwinkel wird dann zu einem Selbstläufer - er unterstützt kontinuierlich den Veränderungsprozess.

Ich kenne einige, die genau diese Geisteshaltung durch eine Psychotherapie in sich ausbilden konnten. Aber das ist nicht das Resultat jeder Therapie. Vielleicht liegt es an der unterschiedlichen Methodik. Vielleicht aber auch an den Möglichkeiten, wie Menschen in der Lage sind, solch ein neues Bewusstsein in sich zu "installieren".

-- Fred

25.11.2016 :: Gegen die Aufschieberitis

Vermeidung zeigt sich oft darin, dass mal alles Mögliche aufschiebt. Für das Aufschieben gibts auch einen Fachbegriff: Prokrastination.

Ich habe gerade einen guten Artikel empfohlen bekommen, wo 50 Tipps gegen Prokrastination gegeben werden. Vielleicht könnt ihr einige davon für euch umsetzen.

Weblink: http://karrierebibel.de/prokrastination/

24.11.2016 :: Verliebt in Psychologen

Das ist ein Phänomen, was viele Patienten erleben: Man verliebt sich in den Therapeuten. Eigentlich ist das relativ naheliegend: Ein Mensch, der einen so viel positive Zuwendung gibt, in den verliebt man sich schnell. Gerade auch dann, wenn man in dieser Hinsicht ein großes Bedürfnisloch hat. Und bei sozialen Ängsten leben viele sehr isoliert. Vielleicht hatten Betroffene noch nie eine Liebesbeziehung und sind auch von daher sehr empfänglich. Der Kontakt zum Therapeuten wird dann zu einem ganz außergewöhnlichen Highlight.

Wie sollte man mit Verliebtheit in der Therapie umgehen? Verliebtheit kann die Therapie beflügeln. Sie kann für Motivation und Mut sorgen. Sie kann dafür sorgen, dass man gut mit dem Therapeuten zusammenarbeitet und Aufgaben bereitwillig auf sich nimmt.

Verliebtheit kann aber auch zu einem echten Hindernis werden. Sie kann verhindern, dass man sich problematischen und unangenehmen Gefühlen zuwendet. Besonders die Themen, wo man vielleicht Ablehnung vom Therapeuten befürchtet, werden dann ausgelassen. Man hört auf, offen und echt über sich zu sprechen.

Nach meiner Erfahrung ist es gut und sinnvoll, möglichst alle Gefühle dem Therapeuten gegenüber offen in der Therapie anzusprechen. Darin liegt eine große Chance. Die meisten Therapeuten sollten mit solchen Gefühlen einen sinnvollen Umgang finden. Zumal man davon ausgehen kann, dass das erfahrenen Therapeuten schon recht häufig passiert ist und sie sich mit der Bewältigung so einer Situation auskennen.

Hier ein interessanter Artikel zum Thema:

22.11.2016 :: Psychotherapeutische Sprechstunde ab April 2017

Ab April 2017 soll es eine Psychotherapeutische Sprechstunde geben, die alle Therapeuten für 2 Stunden die Woche anbieten müssen. Dies soll das Problem der langen Wartelisten angehen. Patienten sollen grundsätzlich erstmal in die Sprechstunde, die dann auch recht kurzfristig angeboten wird. Hier kann man klären, ob Psychotherapie überhaupt etwas für einen ist. Man bekommt also recht schnell einen Rat von einem Fachmann.

Die Problematik der langen Wartelisten wird es allerdings nicht lösen. Die kann man nur über mehr Psychotherapeuten oder effizientere Therapien lösen. In dieser Hinsicht ist keine Verbesserung in Sicht.

Günstig könnte sein, dass die erste Hürde etwas niedriger liegt. Und wer so schon einmal beim Therapeuten war, geht vielleicht auch den nächsten Schritt, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen und die Psychotherapie als Problembewältigung fest einzuplanen.

Für Menschen, die ganz akut eine Psychotherapie benötigen, soll es künftig eine antragsfreie psychotherapeutische Akutbehandlung geben. Das wäre ein echter Fortschritt für Menschen in akuten Krisen. Das bedeutet aber umgedreht, dass alle Menschen, die nicht unter die Akutregelung fallen, nun noch länger warten müssen. Denn bei gleicher Anzahl Therapeuten gilt: Werden Akutpatienten bevorzugt, müssen zwangsläufig alle anderen weiter nach hinten rutschen.

Interessant ist: Die Anzahl der Therapeuten hat sich zwischen 1999 und 2015 fast verdoppelt. Allerding stieg in gleicher Zeit auch die Zahl der Erkrankten stark an. Genaugenommen wird davon ausgehen müssen, dass das Bewusstsein über psychische Erkrankungen stark gestiegen ist und die Möglichkeit einer Therapie immer mehr in Betracht gezogen wird. Es ist also gar nicht so leicht zu beantworten, ob wir alle kränker werden oder ob psychische Krankheiten mittlerweile viel häufiger erkannt und behandelt werden.

Weblinks:

21.11.2016 :: Die große Gefahr der Vermeidung

Mit Vermeidung geht man der Angst aus dem Weg. Solche Vermeidungshaltungen schleichen sich gerne unmerklich ein. Man tut Dinge nicht mehr, die einem Angst machen.

Die Vermeidung ist so schwer zu erkennen, weil sie eben erstmal keine Schmerzen oder sonstige unangenehme Gefühle verursacht. Und weil wir ungerne zugeben, dass wir vermeiden, denken wir uns Geschichten aus, die eine gute Rechtfertigung sind. Dann geht man z.B. nicht zu einer Feier, weil dort nur dumme Leute sind, mit denen wir uns nicht umgeben wollen. In Wirklichkeit aber ist es unsere Angst.

Vermeidung führt dazu, das Angst erstmal nicht mehr spürbar ist. Es ist eine Entlastung. So entsteht die paradoxe Situation, dass Menschen sagen: "Ängste hab ich keine mehr." Doch in Wirklichkeit vermeiden sie nur alles, was Angst macht. Eigentlich haben sie vor vielen Situationen große Angst, aber sie spüren es nicht mehr, weil sie diesen Situationen aus dem Weg gehen.

Was langfristig massive Schäden anrichten kann, ist der Mangel von dem, was man eben alles nicht mehr macht. So können ganze Lebensläufe über Jahre in eine ziemliche Schieflage geraten. Berufliche Weiterentwicklung wird vermieden oder man ist erst gar nicht in Arbeitszusammenhängen eingebunden. Oder die Partnersuche ist blockiert, so dass man kein Familienleben hat und vereinsamt. Und um dann seine Einsamkeit zu betäuben, fängt man mit allen möglichen Süchten an.

Was kann aus der Vermeidung herausführen: Wichtig ist, achtsam zu sein und zu erkennen, wo man sich geschickt um Herausforderungen herumwindet. Wo kleinste unangenehme Gefühle dafür sorgen, das man etwas nicht tut. Hier gilt es dann, mit einem klaren "trotzdem" Dinge zu tun, die unangenehme Gefühle auslösen. Mit der Zeit kommt man sich immer mehr auf die Schliche, warum man etwas nicht tut. Und dann gilt es, in kleinen Schritten wieder das zu tun, was Angstgefühle auslöst.

Hier gilt der Satz: "Wo die Angst ist, ist der Weg."

Der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe kann ein gutes Ritual sein, sich immer wieder aus seinem Wohlfühlraum herauszubegeben und sich zu konfrontieren.

04.11.2016 :: Therapeutensuche - Kostenerstattungsverfahren

Du suchst einen Therapeuten und überall dauert es 6-12 Monate, bis zu einen Therapieplatz bekommst? Dann könnte das Kostenerstattungsverfahren noch eine Möglichkeit für dich sein. Darüber kannst du Psychotherapie auch bei Therapeuten machen, die nicht im kassenärztlichen System sind. Die Krankenkasse wird in bestimmten Fällen die Kosten übernehmen.

Mehr dazu findest du hier: http://www.bptk.de/uploads/media/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung.pdf

24.10.2016 :: Enke-App - Hilfe bei Depressionen

Die Robert-Enke-Stiftung hat die sogenannte "Enke-App" fürs Handy herausgebracht. Diese App soll depressive Menschen unterstützen. Sie ist vor allem Informations- und Kommunikationsplattform. Sie ist als erste Anlaufstelle für Betroffene gedacht. Der Selbsttest kann schnell Auskunft darüber geben, ob man an einer Depression erkrankt ist.

Die App fungiert auch als Notfall-Werkzeug, hierfür hat sie eine eingebaute SOS-Funktion.

Die Enke-App ist für Apple und Android verfügbar.

Weblinks:

18.10.2016 :: Mich verändern oder es lassen?

Viele kennen den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Veränderung und Entwicklung einerseits und dem Veharren in der Bequemlichkeit und der Sicherheit andererseits.

In unseren Gruppen wird das immer wieder deutlich und baut hier auch ein Spannungsfeld auf: Betroffene, die nach Veränderung streben und mit anderen wachsen wollen. Und Betroffene, die lieber alles so bewahren wollen, wie es ist.

Es ist nicht leicht, in diesem Spannungsfeld den richtigen Weg zu finden. Die Gefahr ist groß, dass die Veränderer frustriert werden, weil man sie ständig ausbremst oder weil sie mit starken Widerständen zu kämpfen haben. Frust gibts aber auch auf der anderen Seite: Das Gefühl, zu viel Druck zu bekommen und sich nicht verstanden zu fühle. Oder auch echte Überforderung, weil Dinge passieren, mit denen sie nicht mithalten können.

In den Gruppen gibts so oft auch eine Wellenbewegung. Mal sind die Veränderer stärker und bringen Veränderungsenergie ein. Und dann sind wieder die Bewahrer stärker und lenken das Geschehen in alte gewohnte Bahnen.

Gelingt es nicht, sich gut miteinander zu arrangieren, entsteht zu viel Frust und die Veränderer wenden sich ab oder resignieren. Oder die Bewahrer verlassen die Gruppe, weil es ihnen zu ungemütlich wird. Das ist natürlich beides eine unschöne Situation.

Wesentlich ist hier auch das Gruppenselbstverständnis. Es gibt Selbsthilfegruppen, die es für selbstverständlich ansehen, sich zu verändern und zu wachsen. In einem Regionaltreffen ist mir das bewusst geworden. In solchen Gruppen werden dann vor allem Betroffene hängen bleiben, denen auch mehr nach Veränderung ist. Die anderen werden sich dort schnell überfordert fühlen und wieder gehen.

Es gibt aber auch Gruppen, da ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung gar nicht so definiert. Da darf man einfach so sein, ohne das irgendjemand irgendwelche Ansprüche an einen hat. Diese Konstellation kann für Veränderer quälend sein.

Wie löst man dieses Dilemma? Eine gute Möglichkeit ist, dass Veränderer mehr versuchen, bei sich zu bleiben. Das sie sich also nicht ständig mit der Lösung von Problemen der anderen beschäftigen, sondern ganz bei sich bleiben und ihre eigenen Probleme angehen. Eine Gruppe ist in der Regel immer offen dafür, jemanden zuzuhören, der sich verändern möchte. Ihn so in seiner Veränderung zu begleiten. Denn zu hören, was jemand tut und wie er voran kommt, ist in der Regel interessant. Problematisch wirds hingegen, wenn man versucht, andere verändern zu wollen. Das geht oft schief.

Wenn Veränderer allerdings Mitstreiter brauchen, um z.B. praktische Übungen zu machen, dann brauchen sie Mitbetroffene, die auch Veränderung wollen. Dann ist es vielleicht gut, sich die Leute zu suchen, die da mitmachen wollen und eine kleinere eigene Gruppe zu machen. So machen wir das z.B. mit der Vortragsgruppe oder der Aktionsgruppe. Hier sind die Leute, die etwas konkret verändern wollen, ohne den anderen mit ihrem Veränderungswunsch auf die Nerven zu fallen.

Eine andere Situation hat man, wenn Bewahrer einen ungünstigen Zustand bewahren wollen, unter dem Aktivere leiden. Ein typisches Beispiel ist die Moderation. Macht die schon seit Jahren eine Person und möchte dafür nicht immer verantwortlich sein, dann sagen die Bewahrer: "Du hast das doch bisher immer gut gemacht, mach das doch weiter so." Aber so kommt derjenige nie mehr aus seiner Rolle heraus. Meine Erfahrung ist hier, dass ich mitunter schon heftig dafür kämpfen musste, aus solche zementierten Rollen herauszukommen. Hier muss man sich manchmal zurückziehen und den Mut haben, ein gewissen Vakuum zu erzeugen, aus dem dann schon eine Veränderung kommen wird.

Die gute Seite des Bewahrens ist, dass Ruhe und Harmonie in die Gruppen kommt. Das Neue ist oft Stress, sorgt für Unsicherheit, macht Ängste, sorgt für Chaos und widerstreitende Gefühle. Da ist es gut, mal wieder in die Ruhe zu kommen und einen schönen wohlwollenden Umgang miteinander zu finden, wo niemand was leisten muss, wo alles sein kann, aber nichts sein muss.

-- Fred

25.08.2016 :: Sollte man jemanden halten?

Menschen kommen und gehen. So auch in unseren Gruppen. Ist der Kontakt enger geworden, fällt Abschied schwer oder berührt einen zumindest tiefer.

Sollte man Menschen halten? Sollte man sie ermutigen oder gar überreden, dabei zu bleiben?

Ich hab mal eine unangenehme Erfahrung gemacht. Ich wurde von einer therapeutischen Gruppe massiv unter Druck gesetzt, zu bleiben. Es war eine privat finanzierte Gruppe und der Therapeut war finanziell auch verstrickt. Zu dieser Zeit wollten 4 Personen die Gruppe verlassen und das hätte bedeutet, dass die Gruppe keine 2 Jahre hätte weitergeführt werden können. Abgesprochen war aber, dass wir uns nach einem Jahr ganz frei entscheiden können. Die Freiheit war jetzt nicht mehr zu spüren. Wir blieben trotzdem standhaft und stiegen alle aus. Die Gruppe hat uns danach noch mit "Liebesentzug" bestraft. Das warme und innige Verhältnis war völlig verloren, man gönnte uns auch keinen stimmigen Abschied mehr. Auch der Therapeut ignorierte uns. Alles wenig professionell.

Es gab aber auch eine andere Seite. Manch einer wollte früher schonmal aussteigen und da war es gut, dass wir uns Zeit nahmen, erstmal ein wenig die Situation zu ergründen. Ohne Druck und nicht mit dem Ziel, zu überreden. Es ging darum, zu verstehen.

Nun ist es ja so, dass man sich gerne dann aus einer Gruppe verabschiedet, wenn es irgendwie schwierig wird. Oder auch, wenn man nicht mehr von profitiert. Beide Fälle können aber eine große Chance darstellen.

Wenn es schwierig wird, kommen wir an unsere Grenze. Angstbewältigung heißt ja, Grenzen zu weiten. Über etwas hinauszuwachsen. Wer bei Erreichen einer Grenze die Gruppe verlässt, entlastet sich zwar kurzfristig, weitet seinen Möglichkeitsraum aber nicht.

Wer das Gefühl hat, nicht mehr von zu profitieren, hat vielleicht eine Schwelle erreicht: In der Form, wie er in Kontakt mit einer Gruppe tritt, ist tatsächlich alles ausgereizt und keine neue Erfahrung mehr möglich. Hier ist die Art, wie man sich in eine Gruppe einbringt, der limitierende Faktor.

Beispiel: Jemand ist fast immer passiv in einer Gruppe und hört vor allem zu. Irgendwann hat er fast alles gehört und es wird ihm langweilig. Hier könnte der nächste Schritt sein, sich aktiver einzubringen und so in ein neues Erfahrungsfeld einzutauchen.

Aber auch das macht natürlich Angst, so dass man solche Veränderungen gar nicht in Erwägung zieht. Man sucht sich keine neuen Herausforderungen und steigt dann lieber aus.

Soll man denn nun jemanden in der Gruppe halten?

Ein Verfahren hat sich ganz gut bewährt: Zuerst einmal könnte man einen Rahmen schaffen, wo man darüber in einen Austausch geht, warum jemand gehen möchte. Ziel ist, dass für alle stimmig wird, warum jemand geht. Solche Gespräche dürfen nicht drängend sein, das Verstehen sollte im Vordergrund stehen. Es geht also um Aktives Zuhören und Einfühlungsvermögen.

Im Anschluss kann jeder auch Bedenken, Widersprüchlichkeiten oder auch Chancen benennen. Oder auch eigene Erfahrungen, wenn es einem schonmal ähnlich ging. Darüber kann man auch nochmal in einen Austausch.

Wenn für denjenigen dann immer noch klar ist, auszusteigen, dann finde ich es gut, das als Gruppe auch zu akzeptieren. Man hat sozusagen nochmal gemeinsam geschaut, hat Rückmeldung gegeben. Das kann dem Aussteiger helfen, nochmal ein paar Aspekte in seine Entscheidung einzubeziehen. Was dann folgt, ist seiner freier Wille und ab dann finde ich eine Einmischung nicht mehr gut.

Wenn klar ist, dass jemand die Gruppe verlässt, finde ich es ein schönes Ritual, dass jeder dem Gehenden mit einem Feedback beschenkt. Etwas Gutes, was man dem Gehenden auf den Weg mitgibt. Also Chancen, die man sieht, Positives, was man erlebt hat, Ressourcen und Talente, die man gesehen hat usw.

Wir haben auch schonmal jemanden mit dem Lied Möge die Straße... verabschiedet. Auch das fand ich ein emotional schönes Ritual. Überhaupt finde ich es gut, für Abschiede Rituale zu etablieren.

Und was, wenn man spürt, das jemand eigentlich noch Hilfe bräuchte oder durch den Austritt eher Rückschritte macht? Ich glaube, in der Selbsthilfe ist es gut, auf die Selbstverantwortung zu setzen. Keiner kann schlussendlich sagen, ob ein Rückschritt nicht doch wieder gut ist. Vielleicht müssen wir einen Schritt zurück, um dann wieder 2 Schritte nach vorn zu machen. Bedenken kann ja jeder zuvor einbringen, aber dann zählt, was jemand für sich entscheidet.

Wie ein Abschied abläuft, sollte auch der Gehende entscheiden. Man kann als Gruppe etwas anbieten, ob jemand das möchte, bleibt dann in seiner Entscheidung. Gut finde ich es aber, wenn man bewusst eine Verabschiedung in der Gruppe macht. In den Kerngruppen machen wir das in aller Regel so. In der Offenen Gruppe hingegen ist das selten der Fall.

Gut ist übrigens auch, frühzeitig mit dem Wunsch des Austritts in die Gruppe zu kommen. Noch lange, bevor der Entschluss entgültig ist. Dann hat man noch Zeit, sich mit den Argumenten der anderen zu beschäftigen. Wenn man hingegen für sich alleine eine Entscheidung trifft, dann ist die meist schon so fest und endgültig, dass Argumente der anderen nicht mehr ankommen. Und das ist ja eigentlich schade.

-- Fred

20.06.2016 :: Lied der Woche

Dame - Du bist einzigartig

18.06.2016 :: Kleine-Schritte-Karten

Seit ein paar Wochen sind sie fertig - unsere "Kleine-Schritte-Karten". War total aufgeregt, nachdem die Daten bei der Druckerei waren, wie das Ergebnis wohl werden wird. Ein paar Tage später dann ein großes Paket. Die ersten 5000 Karten, die wir drucken lassen haben. Und was soll ich sagen: Die sind super geworden, genau wie vorgestellt.

Worum gehts bei den Kleine-Schritte-Karten? Sie sind vor allem Motivationshilfe. Sich mal einen kleinen liebevollen Tritt in den Hintern zu geben und mit etwas zu beginnen, was einem wichtig ist.

Was man schriftlich mit einer Karte plant, bekommt eine Verbindlichkeit. Das erhöht die Chance, dass man es dann auch tut. Etwas abhaken zu können, macht ein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Alles weitere kannst du hier lesen, dort gibts die Karte auch zum Herunterladen und selber drucken: Kleine-Schritte-Karten

-- Fred

13.06.2016 :: Frage der Woche

Was will durch mich in die Welt kommen?

Mitunter ist es besser, sich nicht mit Problemen auseinanderzusetzen. Stattdessen mal den Blickwinkel verändern und sich zu fragen: Was möchte werden? Was will sich durch mich ausdrücken? Welche Potenziale kann ich entfalten?

Das Verrückte daran: Manch ein Problem löst sich auf, wenn man seinen Visionen folgt und sein Potenzial in die Welt bringt. Das Selbstvertrauen zum Beispiel wird gestärkt, wenn man genau das tut, was in einem angelegt ist. Die Erfahrung, fähig zu sein und sinnvoll zu wirken, schafft Selbstvertrauen.

Also, gehe mal ein paar Tage mit dieser Frage durchs Leben. Schreib dir einen Zettel und klemm ihn dir an den Spiegel.

Was will durch mich in die Welt kommen?

-- Fred

10.06.2016 :: Lied der Woche

AnnenMayKantereit - Nicht Nichts

09.06.2016 :: Vergangenheit - wozu?

Gerade unterhielt ich mich mit einer Frau über Therapie. Sie erzählte mir, dass sie eine Verhaltenstherapie macht. Als wir dann noch auf tiefenpsychologische Therapie zu sprechen kamen, war die Frage im Raum: "Aber was soll denn das Zurückschauen bringen? Dann weiß ich besser was gewesen ist, aber das verändert doch nichts. Ich muss vielmehr lernen, mit meinen Einschränkungen umzugehen."

In etwa so hab ich das schon sehr oft gehört. Das wird sogar manchmal als Vorzug der Verhaltenstherapie verkauft: Da wird nicht nur geredet, da lernt man konkret Veränderungen.

Da ist es doch spannend, mal genauer hinzuschauen, warum die Beschäftigung mit der Vergangenheit überhaupt irgendeinen Sinn hat und was sie bewirkt. Denn ich glaube, es ist ein Irrtum zu glauben, außer viel Gerede und etwas mehr Wissen gibts keine Resultate.

Hierzu mal ein erstes triviales Beispiel: "Klaus fährt jeden morgen mit seinem Auto zur Arbeit. Er braucht ungefähr 40 Minuten. Das empfindet er oft als lästig. Eines Tages ist sein Auto kaputt und ein Kollege nimmt ihn mit. Sein Kollege fährt ganz andere Wege, die Klaus noch gar nicht kannte. Und er braucht auch nur 20 Minuten, was Klaus völlig verblüfft. Am Abend setzt er sich an den Computer und schaut sich auf der Karte an, wie er bisher gefahren ist. Dabei fällt ihm auf, dass er totale Umwege gefahren ist. Am ersten Arbeitstag war er froh, überhaupt irgendwie angekommen zu sein. Und fortan versuchte er, sich diesen Weg immer besser einzuprägen, hinterfragte aber nie, ob das überhaupt ein sinnvoller Weg ist."

Ist das nicht erstaunlich? Klaus wird etwas bewusst. Es ist die Erkenntnis, dass es einen viel kürzeren Weg zur Arbeit gibt. Darüber hat er früher nie nachgedacht, es gab ja auch keinen wirklichen Grund dafür. Er hatte es einfach hingenommen, dass die Firma scheinbar so weit weg ist.

Dieses Bewusstsein verändert nun konkret etwas. Klaus kann gar nicht mehr anders, als sein handeln nun zu hinterfragen. Will ich weiterhin so umständlich fahren? Aber das wäre doch Unsinn! Ich werde mir natürlich jetzt einen besseren Weg heraussuchen. Auch wenn das ein unangenehmes Thema für mich ist. Aber jeden Tag 20 Minuten sparen, dass ist es mir auf jeden Fall wert.

Klaus erstellt sich nun mit Hilfe des Computers eine optimale Strecke und fährt sie an einem Sonntag in aller Ruhe ab. Zu seinem Erstaunen ist die noch kürzer, als die Strecke seines Kollegen. Und er ist in 15 Minuten da!

Hier zeigt sich also ganz allgemein: Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem, was man tut, hilft. Klaus brauchte niemanden, der ihn darin unterstützt, eine andere Strecke zu fahren. Er brauchte jemanden, der ihm die Augen öffnet.

Jeder Mensch schleppt jede Menge Denk-, Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Gefühlsmuster mit sich rum. Die sind in der Vergangenheit entstanden. Der ganze Lebensweg hat einen geprägt. Und meist waren diese Prägungen recht unbewusst. Wir haben sozusagen niemals so richtig darüber nachgedacht.

Was oft verwechselt wird: Man denkt, Vergangenheit ist vergangen. Es lohnt sich nicht, sich damit zu beschäftigen. Aber in Wirklichkeit hat die Vergangenheit einfach den Menschen geschaffen und geformt, der man heute ist. Was man heute ist, ist das Resultat. Und die Vergangenheit kann uns Einblicke geben, um das Resultat besser zu verstehen.

Dieses Resultat ist in vielerlei Hinsicht suboptimal und im Widerspruch mit sich selbst. Es wird auch falsche Annahmen und Überzeugungen geben, die einen stark am Leben hindern.

Eine solche falsche Überzeugung ist der Perfektionismus, den viele sozialphobische Menschen haben. Wer das noch nicht erkannt hat, denkt: "Ich muss in allem perfekt sein." Wer das Problem schon etwas verstanden hat, wird hingegen denken: "Ich will überall perfekt sein, weiß aber, dass das nicht geht und auch nicht sinnvoll ist."

In diesem neuen Bewusstsein wird man vielleicht auch erstmal nichts ändern können. Denn alte Muster, die man so lange gepflegt hat, wird man so schnell nicht wieder los. Aber zu wissen, was schief läuft, ist ein guter Anfang, mit einer Veränderung zu beginnen.

So könnte man dann auch wieder die 2 Therapiewege besser einsortieren: Die tiefenpsychologische Therapie hat ihren Fokus darauf, Bewusstsein zu schaffen. Und die Verhaltenstherapie unterstützt einen vor allem darin, konkrete Veränderungsschritte im Alltag zu machen. Hier sieht man auch, dass das eine das andere bedingt. Ohne Bewusstein erkennt man keine Veränderungsschritte. Insofern gibt es auch keine Verhaltenstherapie ohne Bewusstseinsarbeit. Deshalb heißt sie auch kognitive Verhaltenstherapie. Umgedreht gibt es in aller Regel keine rein tiefenpsychologische Therapie, die sich nicht um konkrete Veränderungsschritte im Alltag kümmern würde.

Wer versteht, wie er handelt, denkt, fühlt und wahrnimmt und wo diese Art zu sein auch herkommt, wird stark dazu angeregt, sich neu zu erfinden und etwas Besseres zu leben. Einfach weil man erkennt, wie viel schöner, einfacher und stimmiger das Leben sein könnte, wenn man sich verändert.

Eine positive Folge von Vergangenheits-Reflexion ist übrigens auch etwas, was im Hier und Jetzt wirkt: Es ist wahrscheinlich, dass man einen bewussteren Lebensstil entwickelt und so seine neuen Erfahrungen günstiger verarbeitet. Das sorgt für eine stabile Persönlichkeit, die viel mehr im Einklang mit sich selbst lebt.

-- Fred

02.06.2016 :: Die Sache mit dem Zittern

Anspannung kann dafür sorgen, dass wir zittern. Und das erleben viele Menschen als Schwäche oder sich schämen sich dafür.

Und dann kommts noch dicker: In dem Moment wo wir bewusst etwas gegen das Zittern machen wollen, zittern wir oft noch mehr. Wie das?

Wenn wir entspannt sind und gar nicht über unsere Hände nachdenken, zittern wir in der Regel auch nicht. Es gibt hier viele feine Muskeln, die etwas ganz Enormes leisten: Die Hand wird permanent so ausgeregelt, dass sie sich ruhig bewegt oder an einer Stelle veharrt. Das Gehirn bekommt ständig Informationen darüber, wo sich die Hand im Raum befindet und die Muskeln reagieren blitzschnell, um alles immer in einer Balance zu halten. Ein ganz wunderbarer Mechanismus.

Das ist ungefähr so, wie sich viele kleine Muskeln darum kümmern, dass wir auf einem Bein stehen können, ohne umzukippen. Auch das gelingt am besten dann, wenn wir entspannt sind und in uns ruhen. Dann können diese Muskeln und die damit unbewussten Prozesse optimal ablaufen.

Geraten wir hingegen in Panik und beginnen, uns in diese Prozesse einzumischen, geht es regelmäßig schief. Wir sind nicht in der Lage, diese Prozesse zu kontrollieren. So entsteht ein Teufelskreislauf: Aufgrund von Aufregung funktioniert dieser Prozess der Ausbalancierung nicht mehr richtig. Und wenn wir dann noch anfangen, dagegen was tun zu wollen, fallen wir erst so richtig auf die Nase. Oder zittern eben noch mehr.

Die westliche Strategie - ackere noch mehr, um alles in den Griff zu bekommen - klappt hier nicht. Wir brauchen vielmehr die östliche Strategie - lass los, hab Vertrauen und entspanne dich. Aber vielen Menschen ist diese Strategie wenig vertraut, sie muss erst mühsam erlernt werden.

Das ist auch der Grund, warum im psychotherapeutischen Bereich die östlichen Traditionen so beliebt sind und vielfach integriert werden: Yoga, Thai-Chi, Qi-Gong oder Meditation. All das sind Methoden, die das Los- und Geschehenlassen trainieren. Daneben gibts natürlich auch noch die klassischen Entspannungsmethoden, in denen man auch lernt, was Loslassen heißt.

Es besteht eine Gefahr, sich hineinzusteigern in einen Kontrollzwang. Irgendwann hat man mal ein Zittern bei sich festgestellt, z.B. bei einer sehr beängstigenden Situation. Nun fängt man an, übertrieben auf sich zu achten, verbunden mit einer Erwartungsangst: "Hoffentlich zittere ich nicht gleich wieder." Doch genau dieses Auf-sich-achten führt dazu, dass man viel öfter zittert. Und das wiederum treibt einen an, noch mehr auf sich zu achten und noch mehr zu kontrollieren. Wir hatten schon einige Betroffene in unserer Gruppe, die seit Jahren unter diesem Teufelskreis leiden. Je länger man so eine Angewohnheit pflegt, um so schwieriger wird es, sie wieder loszuwerden.

Insofern ist es gut, sich möglichst frühzeitig dieser Problematik bewusst zu sein und aktiv gegenzusteuern. Aber eben eher dadurch, in dem man Ruhe, Gelassenheit und Entspannung übt. Und in dem man seine Bewertungen verändert. Zittern ist meist gar nicht schlimm, erst unsere Bewertung macht es zu einer schlimmen Sache. Mag sein, dass sich irgendwann mal Menschen darüber lustig gemacht haben. Aber prüft das mal ganz realistisch: Würde sich heute jemand wirklich darüber lustig machen? Oft genug ist es nur eine alte Angst, die heute keine so große Bedeutung mehr hat.

Hier kann es auch gut sein, sich professionelle Hilfe zu suchen, wo man intensiver und gezielter an so einer Problematik arbeiten kann. Allerdings braucht es hier auch Therapeuten, die sich mit solchen körperlichen Prozessen auskennen.

Mitunter können auch Krücken helfen, sich aus dem Teufelskreis zu befreien. Da war z.B. eine Betroffene, die oft Kundenberatungsgespräche durchführen musste. Und sie hatte große Angst, da ins Zittern zu geraten. Irgendwann legte sie sich eine Begründung zurecht. Sollte das Zittern im Kundenkontakt auftreten, wollte sie sagen, dass sie gerade ein Herzmedikament umgestellt hat, was für das Zittern verantwortlich ist. Sie wollte das ziemlich gelassen sagen, als würde sie dieser Nebenwirkung keine besondere Bedeutung beimessen. In der Regel haben Menschen auch volles Verständnis dafür und sind nicht mehr irritiert, wenn es eine klare körperliche Begründung dafür gibt. Das funktionierte für sie so gut, dass sich die Erwartungsängste stark reduzierten und sie so gar nicht mehr zittern musste. Leider funktionierte das so gut, dass sie seither nicht mehr in unsere Gruppe kam. ;-)

-- Fred

29.05.2016 :: Lied der Woche

AnnenMayKantereit - Pocahontas

29.05.2016 :: Treffen mit Landesverband

Seit ein paar Monaten sind wir Mitglied im VSSP. Das ist der Bundesverband für Selbsthilfe bei sozialer Phobie. Hört sich jetzt sperrig und bürokratisch an, ist aber eine spannende Sache. Denn dem Verein gehts darum, Gruppenneugründungen zu unterstützen und Gruppen miteinander zu vernetzen. Ebenso gibts jede Menge Hilfestellung für die laufende Gruppenarbeit, z.B. die herausgebrachten Leitfäden, die sich jeder Online herunterladen kann.

Heute war Jutta vom VSSP bei uns im Sopha-Rat. Wir hatten gut 2 Stunden Zeit, uns miteinander auszutauschen. Es gibt da ein paar sehr interessante Dinge, die wir zusammen tun können. Vor allem gehts natürlich immer um Begegnungsmöglichkeiten, um sich auszutauschen, sich kennenzulernen und voneinander zu lernen.

Wir sind z.B. am Überlegen, ob wir die Paderborner Gruppe mal besuchen. Wenn man an einem Gruppentreffen teilnimmt, kann man erleben, wie andere Selbsthilfegruppen ihre Treffen organisieren und welche Atmosphäre sie pflegen. Das kann uns wieder inspirieren, um mal ein paar neue Dinge auszuprobieren. Und natürlich gehts hier auch wieder ums Kennenlernen.

Auch ein Treffen zahlreicher Sozialphobie-Selbsthilfegruppen in NRW könnte spannend sein. Dortmund und Umgebung könnte sich dafür anbieten, weil es relativ zentral in NRW liegt. Erfahrungen von solchen Treffen gibt es bereits durch den "Gipfel der Schüchternheit", den ein paar Gruppen im süddeutschen Raum schon einige Male organisiert haben. Da waren auch mehrfach einige von uns mit dabei. Natürlich muss man bei der Planung unsere Einschränkungen besonders berücksichtigen.

Wie auch immer, es fühlt sich derzeit recht spannend an, gemeinsam was zu unternehmen und Synergien zu finden.

-- Fred

27.05.2016 :: Kontaktstelle zieht um

Nach etwa 13 Jahren zieht die komplette Kontaktstelle mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband um. Der Umzug war schon seit Jahren geplant, musste aber verschoben werden, weil keine passenden Objekte gefunden wurden.

Nun wurde der Mietvertrag für ein neues Objekt unterschrieben. Es sieht danach aus, dass alles etwas besser wird. Wir bleiben weiterhin in der Innenstadt. Es geht noch etwas zentraler in die Moritzgasse, nähe Ostenhellweg. Vom Bahnhof ist das etwa gleichweit entfernt. Das Gebäude ist kernsaniert und recht modern.

Es wird wahrscheinlich einen Raum mehr geben. Auch wird es recht wahrscheinlich einen großen Besprechungsraum geben, wo etwa 60 Personen Platz haben sollen. Das bietet sich z.B. für so Veranstaltungen wie das Gesamttreffen an. Zum Gesamttreffen kommen Vertreter vieler Dortmunder Selbsthilfegruppen regelmäßig zusammen. Meist sind wir da so 40-60 Personen. Auch der Paritätische braucht einen großen Besprechungsraum, insofern bietet sich das an.

Der Mietvertrag beginnt erst am 1. Dezember. Der Umzug wird im Laufe des Dezember stattfinden.

-- Fred

28.04.2016 :: Lied der Woche

Silbermond - Leichtes Gepäck

Mainstream-Lieder, die noch dazu psychologischen Tiefgang haben, wunderbar...

21.04.2016 :: Aktiv werden

Der Frühling ist da. Das ist eine gute Zeit, um in irgendeiner Form aktiv zu werden.

Ich denke, wir haben alle zahlreiche Baustellen, die wir eigentlich mal beackern wollen. Sport treiben, einem neuen Hobby nachgehen, eine berufliche Veränderung oder die persönliche Auseinandersetzung, um über ein paar psychische Einschränkungen hinauszuwachsen.

Interessant ist die Frage: Wie wende ich mich neuen Dingen zu? Welche Gefühle stehen am Anfang? Wie verändern sich die Gefühle, wenn ich mit dem Neuen zu Gange bin? Entsteht Lust und natürliche Motivation?

Es ist nicht selten, dass am Anfang unangenehme Gefühle und Ängste stehen. Es ist nicht selten, dass man gerne verdrängt, was eigentlich dran wäre. Und es ist auch nicht selten, dass man scheitert und sich kein Interesse an der Veränderung entwickelt. Dann bemüht man sich kurzfristig und lässt es dann wieder sein.

Ich glaube daran, dass hier grundlegende Muster greifen, wie wir mit Herausforderungen umgehen. Hierzu ein Beispiel:

Thomas ist ein ehrgeiziger Mensch. Was er macht, will er hunderprozentig machen. Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Er möchte wieder mit dem Joggen anfangen. Seine Ziele sind natürlich sehr hoch, er möchte in 6 Monaten einen Marathon laufen. Heute morgen will er anfangen. Er spürt schon einen Widerwillen, aber eine strenge innere Stimme drängt ihn, diszipliniert zu sein und loszulaufen. Wenn er unterwegs schwächelt, treibt diese Stimme ihn unbarmherzig an. Dieser innere Persönlichkeitsanteil ist der Auffassung, dass Thomas nichts in den Griff bekommen würde, wenn es sie nicht gebe. Er würde nichts schaffen, wenn er nicht mit aller Härte dazu gezwungen würde. Weil sich Thomas nun gleich am ersten Tag 30 Minuten vorgenommen hat, wird es sehr anstrengend. Je anstrengender es wird, um so mehr Widerwille entsteht...

Thomas hat also ein inneres Muster, wie er neue Herausforderungen angeht. Egal, was auch immer er anfängt, er macht es in der gleichen anstrengenden Art. Und weil Thomas natürlich schon vorausahnt, was jede neue Herausforderung bedeutet, entwickelt sich immer mehr Widerwille gegen jede Form von Veränderung. Das ist eigentlich sehr gesund, denn er hat ja Recht damit: Veränderungen sind für Thomas immer sehr anstrengend. Zu anstrengend und damit auch überfordernd.

Was Thomas lernen müsste, ist dieses ungünstige Verhaltensmuster zu verändern. Dazu muss ihm diese Eigenart natürlich erstmal auffallen. Selbst fällt einem sowas nämlich meist nicht so einfach auf, weil es die gewohnte Art ist, etwas zu tun. Man müsste auch eine Achtsamkeit für die größeren Zusammenhänge im eigenen Leben entwickeln. Das man eben nicht nur die konkrete Schwierigkeit beim Joggen erkennt, sondern das generelle Muster, was dahinter steckt. In der Regel werden solche Zusammehänge in einer guten Therapie herausgearbeitet. Aber auch ohne Therapie ist es möglich, solch einen Blick auf sich und sein Leben zu entwickeln.

Wenn Thomas es nun anders angehen könnte und in ganz kleinen Schritten sein Laufen beginnt, wird sich vermutlich eine Lust und positive innere Motivation entwickeln. Wenn er immer gut auf seine Grenzen aufpassen würde, wäre das Laufen fortwährend von Freude getragen. Das wäre dann ein positives Erlebnis. Es würde dann auch keine so große Rolle mehr spielen, wann und ob er einen Marathon läuft. Er würde es tun, wenn er eine positive innere Motivation dazu spüren würde.

Leider sind solche alten Muster unglaublich widerspenstig, man bekommt sie nur schwer los. Es ist in der Regel ein Prozess der Veränderung, wo auch erstmal viel Frust entstehen wird. Wer über viele Jahre sich durch überdurchschnittliche Leistung definiert hat, wird frustriert sein, wenn er aus dieser Sicht völlig unterdurchschnittliche Leistungen erbringt. Es braucht Zeit, bis die neue Orientierung greift, z.B. die Motivation, etwas zu tun, was einem körperlich wirklich gut tut. Wenn man z.B. spürt, dass der Körper vitaler und wacher wird. Oder wie Lebendigkeit und Lebenslust entsteht.

Der Weg ist aber zutiefst lohnend. Wer den Prozess der Veränderung oft genug als positiv erlebt, erhöht die Chance, sich immer wieder rechtzeitig genug im Leben zu verändern. Wer nach einem guten Leben sucht, muss sich den Veränderungen immer wieder anpassen. Muss sich also selbst verändern und darf nicht in Starrheit verharren. Die Freude an Veränderung hilft uns, diese Veränderung zu wagen.

Insofern brauchen wir gute Verhaltensmuster, wie wir in unsere Veränderungen hineingehen.

-- Fred

25.03.2016 :: Neues Buch zum Thema Selbstsicherheit

Ein neues Buch ist auf den Markt gekommen, was mit seinen Übungen direkt auf sozial ängstliche Menschen zugeschnitten ist.

Selbstsicherheit und soziale Kompetenz: Das Trainingsprogramm mit Basis- und Aufbauübungen

Es ist ein Praxisbuch, in dem zahlreiche Übungen aufgelistet sind, die man in der Gruppe oder auch alleine für sich machen kann. Es richtet sich sowohl an Therapeuten wie auch an Klienten mit Selbstwertproblemen. Damit ist es auch gut für die Gruppenarbeit in Selbsthilfegruppen geeignet.

Bei Amazon kann man ins Buch schauen und über das Inhaltsverzeichnis schonmal einen Eindruck bekommen:

http://www.amazon.de/dp/3608891749

-- Fred

03.02.2016 :: Angehörigengruppe Angst- und Panikpatienten

In Dortmund wird eine neue Gruppe gegründet für Angehörige von Menschen mit Angst und Panik. Wer Interesse hat, wende sich direkt an die Selbsthilfe-Kontaktstelle, Telefon 0231-529097.

02.02.2016 :: Kränkungen

Letzten Sonntag haben wir mal wieder einen Bildungsabend gemacht: Ein Vortrag von CD mit anschließender Diskussion. Das Thema diesmal war "Kränkungen".

Mir ist bewusst geworden, wie zentral das Thema Kränkungen doch ist, auch wenn wir in unserer Gesellschaft wenig darüber reden. Kleinigkeiten können dazu führen, dass Menschen tief gekränkt sind. Wie oft wird das gute Miteinander durch Kränkungen bedroht. Das mussten wir auch in den Sopha-Gruppen erfahren.

Oft sind es alte Wunden, wodurch Menschen empfindlich auf bestimmte Dinge reagieren. Die neue Situation ist dann ein Auslöser, der Schmerz hingegen basiert auf der alten unverarbeiteten Situation. Diese wird wieder völlig präsent, mit all ihrer Tragik.

Eine große Gefahr für Kränkungen ist auch eine selbstunsichere Persönlichkeit. Kann uns irgendwas kränken, wenn wir ein stabiles Selbst haben? Ein wenig vielleicht, aber es geht nicht so tief. Ganz tief geht es, wenn unser instabiles Selbst massiv bedroht wird. Wenn wir tief an uns zweifeln, wenn wir glauben, der andere hätte mit seiner schlechten Meinung über uns recht.

Eine Kränkung ist nicht nur ein Gefühl, was schnell wieder vergeht. Es hält länger an, manchmal sogar über Jahre oder Jahrzehnte. Es dringt immer wieder in unser Bewusstsein und belastet uns. Der alte Schmerz taucht immer wieder auf. Ebenso die Enttäuschung oder die Wut. Meist sind es Ungerechtigkeiten oder unfaire Verhaltensweisen, die uns belasten. Und wir finden keinen Frieden damit. Es bleibt eine offene, nicht abgeschlossene Sache. Auch Rachegefühle werden durch Kränkungen oft ausgelöst. Insofern können uns Kränkungen innerlich vergiften. Im schlimmsten Fall führt es zu einer chronischen Verbitterung.

Es scheint mir eine sehr wichtige Aufgabe, an seinen Kränkungen zu arbeiten. Kränkungen haben einfach so veheerende Auswirkungen, dass es sehr sinnvoll ist, einen besseren Umgang damit zu finden.

Alte Kränkungen müssen aufgearbeitet werden, so dass man sie abschließen und ihnen den richtigen Platz geben kann. Was wirklich erledigt ist, belastet nicht mehr.

Gleichzeitig kann man viel dafür tun, nicht erneut gekränkt zu werden. Empathie ist hier eine große Hilfe. Wenn wir verstehen, warum Menschen etwas tun oder lassen, brauchen wir uns selber nicht mehr angegriffen oder gekränkt zu fühlen. Es gibt sehr viele Situationen, da hat niemand eine Absicht, uns zu kränken. Aber unsere Kränkungsmuster triggert auf alles, was sich so ähnlich anfühlt. Und so verwechseln wir ganz oft die reale Situation mit dem, was mal gekränkt hat.

Und selbst wenn uns jemand mal ganz bewusst kränken möchte: Wir haben im Grunde die Wahl, uns kränken zu lassen. Oder anders herum: Damit eine verbale Äußerung uns kränken kann, muss etwas in uns bereit dafür sein. Wir können eine blöde Bemerkung an uns vorbeifliegen lassen. Wir können Abstand dazu entwickeln. Wir können die Bösartigkeit beim andern lassen, brauchen uns den Schuh nicht anziehen.

Das alles ist leichter gesagt, als getan. Wenn es passiert, stecken wir oft ganz tief drin und sind verletzt. Und doch ist meine Erfahrung, man kann hier mit der Zeit viel lernen. Vor allem dann, wenn man sich seiner Verletztheit bewusst wird und den anderen nur als einen Auslöser betrachtet. Der andere hat etwas in mir ausgelöst, aber der Grund, warum mich etwas so verletzt, ist in mir zu finden. Und dieses Etwas braucht freundliche Zuwendung, damit es heilen kann.

-- Fred

09.01.2016 :: Warum ich am liebsten mit mir alleine bin

Die Gesellschaft gaukelt uns oft vor, man müsse ständig etwas unternehmen, um sich als glücklicher Mensch zu fühlen und gut interiert zu sein. Das scheint aber äußerst zweifelhaft, weil das Glück für eher introvertierte Menschen vielleicht ganz woanders zu finden ist. Hier mal ein interessanter Artikel dazu:

https://editionf.com/Und-warum-gehst-du-heute-nicht-feiern

Auch dies zeigt mal wieder: Folge nicht irgendwelchen gesellschaftlichen Idealen, sondern frage dich selbst, was gut für dich ist. Nimm wahr, was du brauchst, damit du dich glücklich oder zufrieden fühlst. Und das kann in jedem Moment etwas anderes sein.

09.01.2016 :: Text der Woche

Des einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken,
des anderen Einsamkeit ist die Flucht vor Kranken.

(Friedrich Nietzsche)

Bewusste Abschottung vor den Verrücktheiten dieser Welt, kann manchmal heilsam sein...

Fördert auch die Selbstwahrnehmung...

04.01.2016 :: Lied der Woche

Stoppok: Wie schnell ist nix passiert

04.01.2016 :: Erfolgreiches neues Jahr

Was heißt eigentlich Erfolg? Ist jemand, der ein Stück seiner Ängste überwunden hat und sich freier fühlt, erfolgreich? Na klar!

Der innere Erfolg ist oft viel mehr wert, als der von außen messbare Erfolg. Wir wünschen euch in diesem Sinne ein erfolgreiches Jahr 2016 mit viel Mut und Wandel.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

26.12.2015 :: Alte Befindlichkeitsmuster

Auf einmal steckt man in einer alten und gut bekannten Befindlichkeit drin. Mir ging das letztens so, da fühlte ich mich so getrennt von allem. Ein Gemisch aus Einsamkeit, Verlassenheit, Traurigkeit und Depression.

Wie kam es dazu? Es gab eigentlich nichts Besonderes an diesem Tag. Ich war einfach alleine zu Fuß unterwegs und irgendwann bemerkte ich, dass ich in dieser Gefühlslage war.

Was ich aber auch bemerkte: Das war ein ganz altes und gut bekanntes Empfindungsmuster. Ich erinnerte mich, als Kind oft in dieser bedrückenden inneren Verfassung gewesen zu sein. Und ich war auch damals oft zu Fuß alleine unterwegs. Das war die Parallele zu heute.

Ich stelle mir das so vor, dass dieses Befindlichkeitsmuster durch diese alten Erfahrungen in mir angelegt ist. Vielleicht gab es früher wirklich einen Grund, mich so zu fühlen. Jetzt hingegen gab es diesen Grund eigentlich nicht, aber dieses Muster tauchte nun wieder auf und ich fühlte mich so, wie damals. Es reichte, dass ich alleine zu Fuß unterwegs war, um mich da hinein zu bringen. Die äußere Situation wirkte wie ein Trigger, die nur etwas Altes auslöst. Etwas Unerlöstes, was ich noch mit mir herumtrage.

Ich erinnerte mich an einen Satz meines Therapeuten vor 15 Jahren: "Du bist nicht dein Gefühl, du hast ein Gefühl." Das nennt man Desidentifikation und das kann sehr hilfreich sein. Wenn man schonmal etwas Abstand zu diesem Befindlichkeitsmuster bekommt. Wenn man es so vielleicht sogar interessiert beobachten kann.

Durch Interesse kann auch Mitgefühl entstehen. Ein Teil von mir ist schon nicht mehr damit identifiziert, kann eher von außen sehen, was mir irgendwie zu schaffen macht. Und wenn dann Mitgefühl entsteht, dass ich gerade leide, dann entsteht da ein warmes Gefühl mir gegenüber. Das ist eine Form von Selbstliebe.

Gleichzeitig kann ich positive Verantwortung für mich übernehmen: Ich kann schauen, was mir jetzt gut tut, was helfen könnte, mich aus diesem alten Befindlichkeitsmuster wieder zu befreien.

Wie kann es überhaupt sein, dass so ein Muster so lange weiter besteht? Und das es auftaucht, obwohl es gar keinen wirklichen Grund dafür im Hier und Jetzt gibt?

Die Gestalttherapie hat darauf eine Antwort. Sie hat die Theorie, dass es alte unerledigte Erfahrungen gibt, die sich abschließen müssen. Das ist ungefähr so, wie ein noch nicht fertig gemaltes Bild. Es muss und will vollendet werden. Erst dann kann man es loslassen und dann verliert es die Bedeutung. Und die Gestalttherapie geht auch davon aus, dass alles Unerledigte uns immmer wieder besuchen kommt, als eine Art Heilungsversuch. Denn wenn es wieder ins Bewusstsein vordringt, besteht die Chance, dass es verarbeitet werden kann.

Auch diese Erkenntnis oder Sichtweise verändert schon viel: Wir erleben es dann nicht mehr nur als sinnloses Leid, was uns widerfährt, sondern als eine Chance, etwas in uns zu heilen.

Eine liebevolle Zuwendung sich selbst gegenüber und eine interessierte Offenheit, was es mit dieser Befindlichkeit so auf sich hat, kann da schon sein erster hilfreicher Schritt sein. Das genaue Erforschen, was es damit auf sich hat und was der Weg zur Heilung ist, braucht in der Regel einen geschulten Therapeuten. Wer allerdings schon einiges an therapeutischer Erfahrung gesammelt hat, kann vieles auch selber schaffen.

Das ist der große Vorteil einer gelungenen Therapie: Man hat nicht nur ganz konkrete Sachen aufgearbeitet, man hat auch gelernt, künftig therapeutisch sinnvoll mit neuen Herausforderungen umzugehen. Man hat ein Stück weit die Art und Weise seines Therapeuten verinnerlicht. Und diese Art wirkt weiter. Und in der Regel ist es eine humanistische, dem Leben zugewandte und liebevolle Art, mit sich umzugehen. Zumindest ist das die Basis, was die humanistischen Therapieformen lehren.

Weblinks:

-- Fred

07.12.2015 :: Lied der Woche

Lüül - Mach das Leben schön

30.11.2015 :: Die verflixte Vermeidung

Angst ist Vermeidung, Vermeidung ist Angst. Beides hängt direkt miteinander zusammen. Die Vermeidung ist so verlockend, weil sie direkt zu einer Angstreduktion oder Angstfreiheit führt. Insofern ist Vermeidung eine Bewältigungsstrategie.

Die Vermeidung sorgt allerdings in ganz vielen Fällen zu sehr problematischen Lebenswegen. Sie kann in kurzer Zeit dazu führen, dass Menschen sich komplett aus dem Leben zurückziehen und nur noch das tun, was unbedingt zum Überleben nötig ist.

Das soziale Umfeld kann diese Vermeidung auch noch unterstützen. Wer z.B. Angst hat, überhaupt vor die Tür zu gehen, wird von seiner Mutter mit allem versorgt, was er braucht. Aus einer gut gemeinten Unterstützung entsteht so eine Verfestigung von Vermeidungshaltungen.

Das Resultat ist, dass einem Menschen immer mehr Möglichkeiten verloren gehen, das Leben zu meistern. Es entsteht eine immer größere Unselbständigkeit. Durch die fehlende Angstkonfrontation, gehen auch die Fähigkeiten verloren, mit Angst überhaupt noch umzugehen. Es ist ein Teufelskreislauf und ich habe Menschen erlebt, die durch die permanente Vermeidung über Jahre absolut unselbständig wurden. Und unfähig, auch die kleinsten Herausforderungen auf sich zu nehmen.

Das dann im Nachgang auch eine Depression einsetzt, ist eigentlich logisch. Denn ein Leben, was so unerfüllt ist und ein Mensch, der sich als so unfähig erlebt, wird ganz automatisch auch am Leben resignieren und damit depressiv.

Vermeidung ist deshalb etwas, was in jeder Therapie besonders angeschaut und aufgearbeitet werden muss. Ein guter Umgang mit Ängsten bedeutet immer, trotz dieser Ängste sinnvoll zu handeln. Sich nicht zu sehr von diesen Gefühlen vereinnahmen zu lassen, damit diese Ängste nicht vollständig das Leben bestimmen.

Es geht um die Haltung: "Ja, ich habe Angst und ich werde trotzdem dies oder jenes tun." oder "Im Gewahrsein meiner Angst werde ich Beängstigendes tun."

In fast jedem Märchen gibt es einen Helden, der sich vielen Herausforderungen trotz Ängsten stellt. Wir müssen wieder zum Helden in unserem Leben werden.

Angstbewältigung ist ein regelmäßiges Training. Es geht darum, sich ein Stück weit mit Angst zu konfrontieren und ihr nicht auszuweichen. Mit der Idee, dass sich die Grenzen verschieben. Wer täglich joggt, wird Fortschritte machen und weitere Strecken zurücklegen können. Wer sich täglich in etwas hineintraut - trotz Angst - wird genauso seine Grenzen erweitern.

Wichtig dabei ist eine gute therapeutische Unterstützung. Ganz ähnlich, wie man bei sportlichen Aktivitäten einiges falsch machen kann, so ist das auch bei der Angstbewältigung. Wer sich zu stark konfrontiert, kann sich übefordern und macht dann Rückschritte. Wer die Angsterfahrungen nicht sinnvoll reflektiert, kann auch stecken bleiben. Zudem kann ein Außenstehender viel besser erkennen, was sinnvolle nächste Schritte sind.

Für die konkrete Angstkonfrontation sind Verhaltenstherapeuten die richtigen Fachleute. Wer hingegen tiefsitzende Ursachen für seine Ängste hat, die aufgearbeitet werden wollen, ist bei einem tiefenpsychologischen Therapeuten richtig. Probleme, die sich vor allem aus einer schwierigen Familienverstrickung ergeben, lösen am besten die systemischen Familientherapeuten.

Noch besser, wenn man einen Therapeuten oder eine Klinik hat, die zahlreiche Verfahren praktizieren. Meiner Erfahrung nach braucht es auf allen Ebenen im Laufe einer Therapie Hilfe und Zuwendung.

-- Fred

02.11.2015 :: Alles eine Frage der Bedeutung

Mir ist das letztens in einer Gruppe etwas aufgefallen: Eine Frau macht eine etwas ungeschickte Formulierung, die zum Schmunzeln anregt. Das irritierte sie dann recht stark und sie wurde rot.

Aber was wäre eigentlich das Lernziel? Sie kann im Grunde alles, ist sozial kompetent, sympathisch und offen. Da gibts gar nichts zu lernen. Mir kam die Idee: Das einzige Lernziel ist, die Einstellung zu solchen Missgeschicken zu verändern. Sie müssen viel bedeutungsloser werden.

Es scheint hier also alles eine Frage der Bedeutung. Welche Bedeutung gebe ich dieser Situation?

Scham ist ja auch nur möglich, weil die Situation für mich eine übergroße Bedeutung bekommt. Wenn ich einer Situation keine große Bedeutung beimesse, ist Scham undenkbar.

Gesundung ist also dort zu finden, wo die Bedeutsamkeit schrumpft. Gelassen mit Situation umgehen können. Über sich selbst lachen. Etwas nicht so wichtig nehmen. Ein Vertrauen darin entwickeln, dass das schon alles so ok ist und auch andere damit umgehen können.

Wie kommt das eigentlich, dass Menschen manchen Dingen eine viel zu große Bedeutung geben und damit sozialphobisch werden? Recht wahrscheinlich wird mal was passiert sein, wo man wirklich eine sehr unangenehme Erfahrung gemacht hat. Vielleicht wurde man real ausgelacht, lächerlich gemacht, gedemütigt oder gemobbt. Es reicht aber auch schon, dass man eine Situation so empfunden und gedeutet hat. Denn entscheidend ist nicht, was real passiert, sondern was wir für real halten. Da spielt unsere Wahrnehnmung ganz viel mit rein.

Die Psyche gesundet vor allem, in dem sie sich immer wieder an das anpasst, was real ist. Selbst wenn mal Menschen über uns gelacht haben, bleibt die Frage: Wie verhalten sich heute die Menschen in meinem Umfeld? Und wenn hier nicht mehr diese Gefahr droht, könnten wir eigentlich wieder entspannter mit solchen Situationen umgehen. Aber das bekommt unsere Psyche nur sehr schwer hin. Lernt die Psyche erstmal, dass man vor irgendetwas Angst haben muss, kann die Welt sich schon völlig geändert habe, die Prägung bleibt.

Das ist ungefähr so, wie eine Schonhaltung, die man einnimmt, weil man irgendwann mal Schmerzen gehabt hat. Man vermeidet die Haltung, die Schmerz auslösen könnte, selbst wenn die körperliche Ursache schon längst verschwunden ist.

Das zeigt auch: Für Heilung braucht es Mut. Wir müssen uns trauen, genau das zu tun, wovor wir Angst haben. Um zu prüfen, ob es jetzt immer noch so ist, dass das eine schmerzliche Erfahrung wird. Natürlich sollte man das nur bei den Situationen probieren, wo man vom Kopf her schon weiß, dass eigentlich nichts passieren wird. Wir wollen uns ja nicht absichtlich schädigen.

Wenn man öfter in etwas hinein geht, wovor man mal Angst hatte, dann wird man immer wieder die Erfahrung machen, dass es jetzt nicht mehr zu diesem Schmerz führt. Und so kann man langsam lernen, dies mit immer weniger Angst zu tun.

Das klappt allerdings nur, wenn man möglichst wach und achtsam ist. Um sich von der Wirkung von etwas zu überzeugen, muss man wach im Hier und Jetzt sein. Denn nur dort ereignet sich ja etwas ganz reales, was wir beobachten können. Diese reale Erfahrung muss uns besonders deutlich werden. Dann kann es gelingen, dass eine neue Erfahrung die alte Angsterfahrung ersetzt.

Erleben wir hingegen nur die alte Verletzung wieder und verwechseln dies mit dem, was real passiert, werden wir nur erneut verletzt und vermeiden demnächst noch mehr so eine Erfahrung.

-- Fred

29.10.2015 :: Mutismus

Eine spezielle Ausprägung sozialer Ängste ist der Mutismus. Es ist eine Sprachblockade. Der Mensch kann eigentlich sprechen, aber er ist in bestimmten Situationen blockiert (selektiver Mutismus). So kann es z.B. sein, dass der Betroffene mit bestimmten nahen Bezugspersonen sehr gut reden kann, bei allen anderen Menschen aber stumm ist.

In Dortmund gibt es eine interessante Anlaufstelle im Netz, wo man einiges an Infos bekommt:

Hier ein mutmachendes Video:

24.10.2015 :: Menschen, die sich völlig zurückziehen

Viele können sich das gar nicht vorstellen: Es gibt Menschen, die sich von allem völlig zurückziehen und gar nicht mehr aus dem Haus gehen. In der Regel werden sie von Familienangehörigen versorgt und brauchen so ihr Zimmer nur noch zu verlassen, um auf Toilette zu gehen oder sich etwas zu essen zu machen. So leben sie wie in einem Gefängnis. Und das nicht nur über Monate, mitunter über 10 Jahre und länger.

Ängste und Phobien können so groß werden, dass dies für Betroffene die einzige Möglichkeit zu sein scheint. In der Regel ist es eine soziale Phobie, warum Menschen ihr Zimmer oder ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Auch eine Agoraphobie kann dabei eine Rolle spielen.

Natürlich ist diese Zurückgezogenheit sehr leidvoll. Einsamkeit und Sinnlosigkeitsgefühle stellen sich ein. Erst in so einer Situation erkennt man, welche Grundbedürfnisse ein Mensch hat, und seien es so simple Sachen, wie mal einen Sonnenuntergang zu sehen, den Wind zu spüren und die räumliche Freiheit draußen zu erleben.

Hier mal ein etwas älterer Artikel aus der Zeit:

Wer mehr dazu lesen will, googel einfach mal nach "Zimmer nicht mehr verlassen" oder "Hikikomori".

-- Fred

20.10.2015 :: Ich fühle mich hässlich - Körperdysmorphe Störung

Es gibt eine psychische Erkrankung, bei der sich Menschen als so hässlich empfinden, dass sie den Kontakt mit anderen Menschen meiden: Körperdysmorphe Störung. Kurz auch KDS genannt. Diese Erkrankung steht der sozialen Phobie sehr nahe, weil durch diese negative Selbsteinschätzung eine Angst vor Ablehnung entsteht. Bisher ist diese psychische Störung nur wenig bekannt. Hier mal ein paar Infos dazu:

Danke an Anna, die das für uns recherchiert hat.

23.09.2015 :: Bruxismus

Viele wissen nicht, dass sie nachts mit den Zähnen knirschen. Manche machen das sogar unbewusst tagsüber. Es gibt hier auch einen Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen. Man könnte es als eine emotionale somatische Reaktion verstehen. Emotionen wie Wut, Ärger oder Angst können abgeleitet werden, aber auch genereller psychischer Stress mit innerer Anspannung kann zu diesem Phänomen führen.

Zähneknirschen kann zu einem großen Problem werden. Denn dabei nutzen die Zähne sich ab. Irgendwann ist die dünne Zahnschmelzwand weg und dann hat man so richtig Probleme. Auch können Risse im Zahnschmelz entstehen. Das tückische daran: Man bekommt oft keine frühen Warnsignale wie Schmerzen.

Neben der Abnutzung können sich auch Zähne lockern, wenn der Unterkiefer stärker nach vorne geschoben wird. Auch die Zunge kann betroffen sein, wie letztens ein Gruppenmitglied berichtete.

Durch die starke Anspannung der Kiefermuskulatur kann es auch zu Kopf- und Kieferschmerzen kommen.

Deshalb wäre es wichtig, dass der Zahnarzt penibel auf Anzeichen achtet. Die tun es aber oft genug nicht. Kommt noch dazu, dass der Zahnarzt oft nichts von unseren psychischen Problemen weiß.

Es ist also eine gute Idee, seinen Zahnarzt mal darauf anzusprechen, ob es bei einem Anzeichen für Zähneknirschen gibt. Und man kann auch selber darauf achten, ob man tagsüber dazu neigt oder vielleicht auch nachts davon aufwacht.

Ist man von der Problematik betroffen, helfen sogenannte Aufbissschienen, die der Zahnarzt speziell für einen anfertigt. Dieses Stück Kunststoff sorgt dafür, dass die Zähne nicht mehr direkt aufeinander reiben können. Es behandelt damit nur symptomatisch, schont aber auf jeden Fall die Zähne.

Ursächlich wäre es natürlich gut, wenn man hier umlernen könnte und diese Angewohnheit wieder loslässt. Über spezielle Formeln beim autogenen Training könnte diese gelingen. Wer in therapeutischer Behandlung ist, kann seinen Psychotherapeuten mal darauf ansprechen, ob er Lösungen anbieten kann.

Weblinks:

-- Fred

11.09.2015 :: Vitamine und Mikronährstoffe

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sind für uns lebensnotwendig. Haben wir sie nicht in ausreichender Menge, können vielfältige Mangelerscheinungen auftreten, die im schlimmsten Fall auch lebensbedrohlich werden können.

Das diese Mikronährstoffe auch im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen von Bedeutung sind, ist noch wenig verbreitetes Wissen. Es gibt nur wenige Betroffene, die von ihrem Arzt mal daraufhin angesprochen wurden.

Es gibt verschiedene Ebenen, wie hier Zusammenhänge entstehen. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass ein gesunder und vitaler Körper viel besser mit psychischen Belastungen umgehen kann. Wir werden durch psychischen Stress nicht so schnell aus der Bahn geworfen und durch die Psyche ausgelöste somatische Prozesse verlaufen weniger intensiv.

Viele, die Sport treiben, bestätigen diese positiven Auswirkungen auf die Seele. Ein leistungsfähiger Körper vermittelt einem auch Sicherheit und ein Gefühl von geerdet sein. Und damit auch ein Vertrauen in sich selbst und in seine Kräfte.

Allgemein lässt sich auch sagen, dass wir über Psychotherapie ja unsere Psyche wieder in eine gute Balance bringen wollen. Und was wäre da naheliegender, dass auch der Körper in einer guten Balance sein sollte und das sich beides gegenseitig beeinflusst und bedingt.

Angstbewältigung ist eine harte Auseinandersetzung, wo man sich immer wieder in beängstigende Situationen hineinwagen muss. Das kostet Kraft und auch hier wird klar: Ein gesunder Körper kann das am Besten leisten und wer sich körperlich angeschlagen fühlt, ist nur wenig fähig, sich auch psychischen Herausforderungen zu stellen. Auch die Bewusstheit und Klarheit lässt nach, wenn wir körperlich angeschlagen sind. Das sind aber wichtige Parameter für eine gelingende und effiziente Psychotherapie.

Neuere Forschungen legen nahe, dass es bei psychischen Belastungen zu sogenanntem Nitrostress kommt. Hierbei entsteht ein Übermaß an Stickstoffmonoxid im Körper, der zellschädigend und entzündungsfördernd wirkt. Über bestimmte Vitamine kann man dem entgegenwirken oder sie schützen uns vor den negativen Folgen. Auch kann es sein, dass durch psychische Belastungen bestimmte Mikronährstoffe in einem erhöhten Maße verbraucht werden und es so schnell zu einem Mangel kommt.

Was sehr oft nicht berücksichtigt wird, ist der medikamenteninduzierte Mangel an Mikronährstoffen. Das sind sozusagen Nebenwirkungen der Medikamente, die so Mangelerkrankungen nach sich ziehen können. Auch kann es sein, dass bestimmte Nebenwirkungen von Medikamenten vermieden werden können, wenn man bestimmte Mikronährstoffe aufdosiert.

Umgedreht gibt es Hinweise, dass bestimmte Medikamente wesentlich besser wirken oder überhaupt erst ihre Wirkung entfalten, wenn bestimmte Mikronährstoffe in ausreichender Menge vorhanden sind. Hier wirken Vitamine und Mineralien also unterstützend. Dies wiederum kann bedeuten, dass man mit Medikamenten-Dosierungen heruntergehen kann, was wiederum weniger Nebenwirkungen bedeutet.

Bei psychischen Erkrankungen verändern sich auch die Lebensgewohnheiten. So kann es z.B. bei Depressionen oder Ängsten sein, dass man über Jahre nur noch selten die Wohnung verlässt. Hier kann es dann zu einem starken Vitamin-D Mangel kommen. Dieses Vitamin wird durch die Sonne in der Haut gebildet. Hier braucht es also regelmäßig Sonnenlicht, damit dieses Vitamin ausreichend gebildet wird. Ein Mangel kann zu schweren Knochenerkrankungen mit Schmerzen führen, aber auch das allgemeine Befinden verschlechtern.

Die Schilddrüse ist ein Organ, welches großen Einfluss auf psychische Prozesse hat. Wird über die Schilddrüse der Hormonhaushalt gestört, kann auch das zu Depressionen und Ängsten führen. Eine Unterfunktion kann z.B. durch einen Mangel an Jod entstehen, aber auch andere Spurenelemente wie z.B. Selen sind daran beteiligt. Bei einseitiger Ernährung kann hier schnell ein Mangel entstehen. Und schlechte Ernährungsgewohnheiten können auch wieder durch psychische Erkrankungen bedingt sein. Wer depressiv ist, schafft es vielleicht nicht, gut für seine Ernährung zu sorgen oder braucht viel Süßigkeiten zur Kompensation.

B-Vitamine, Vitamin C, Q10, Kalzium, Kalium, Eisen, Zink, Kupfer, Magnesium sind weitere Mikronährstoffe, die man bei psychischen Belastungen im Auge behalten sollte.

In einer der letzten Gruppe sprachen wir über unangenehme körperliche Symptome bei einer sozialen Phobie. Als unangenehm wird von vielen das Zittern empfunden, was vielleicht anderen auffällt. Es ist durchaus möglich, dass man eine verstärkte Neigung zum Zittern entwickelte, weil irgendwelche Mikronährstoffe fehlten. Und dann entwickelt sich daraus meist ein sich selbst erhaltender Teufelskreislauf: Angst vorm Zittern führt zu Anspannung und die führt wiederum gerade zu dem, was man vermeiden will: zum Zittern.

Seit längerem ist bekannt, dass Ängste und Depressionen sich auch in einem veränderten Hirnstoffwechsel zeigen. Was hier Wirkung und was Ursache ist, darüber herrscht keine Einigkeit. Beides ist gut vorstellbar und kann auch von Person zu Person verschieden sein. Es gibt jedenfalls auch hier Erkenntnisse, dass Mikronährstoffe Einfluss auf den Stoffwechsel im Gehirn haben.

In diesem Zusammehang gibt es auch Hinweise, dass die Aminosäure L-Tryptophan sich auf die Regulation des Serotoninhaushaltes auswirkt. Und Serotonin wiederum spielt als Botenstoff eine große Rolle im Hirnstoffwechsel. Der gezielte Einsatz von L-Tryptophan als Medikament gehört allerdings immer in die Hand eines Arztes, weil es z.B. auch Wechselwirkungen mit Medikamenten gibt. Ebenso können Nebenwirkungen auftreten.

Wer sich mit dem Thema Mikronährstoffe beschäftigt, muss aufpassen, wie gesichert Erkenntnisse sind. In einem Bereich, wo noch so vieles unerforscht ist, tauchen verstärkt Menschen auf, die alles mögliche behaupten und als Wahrheiten hinstellen. Auch werden Gefahren nicht gesehen oder verharmlost. Hier kann man schnell aufgrund falscher Informationen die falschen Schlüsse ziehen. Oft wird man hier auch geködert mit großen Versprechungen und wer krank ist, klammert sich schnell daran und wird unkritisch in der Bewertung. Man darf auch nicht vergessen, dass das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln sehr ertragreich ist.

Lassen sich Mangelzustände diagnostizieren? Ja, viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente lassen sich über eine Blutprobe analysieren. Allerdings werden die meisten nicht standardmäßig gemacht und sind auch keine Kassenleistung. Einige sind recht preiswert, so kostet die Bestimmung von Magnesium z.B. nur 2-3 Euro. Ein Vitamin B12+Folsäure Check kostet hingegen 15 Euro, andere Einzelwerte können ja nach Analyseaufwand bis zu 50 Euro kosten.

Reicht es nicht, einfach ein Multivitaminpräparat vorsorglich zu nehmen? In der Regel wird nicht empfohlen, solche Präparate einfach so präventiv zu nehmen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung wird hier favorisiert, durch die man dann auch eine gute Versorgung mit allen Mikronährstoffen hat. Allerdings gibt es eben auch Besonderheiten bei jedem, wo trotz guter Ernährung Mangelzustände auftreten können. Hier würden dann auch Multivitaminpräparate nicht zwangsläufig nutzen, weil die zugeführten Mengen bei Mangel nicht reichen oder weil der Körper es nicht richtig verstoffwechseln kann.

Wir müssen auch im Blick behalten, dass trotz aller Bemühungen sich viele Menschen eben nicht ausgewogen ernähren und deshalb zumindest vorübergehend eine Supplementierung bestimmter Mikronährstoffe sinnvoll sein kann. Gerade psychische Erkrankungen können dazu führen, dass die gesunde Ernährung leidet. Und wer sich z.B. vegan oder vegetarisch ernährt, läuft auch Gefahr, dass es an bestimmten Mikronnährstoffen mangelt, z.B. Vitamin B12.

Multivitaminpräparate haben auch den Nachteil, dass viele Stoffe enthalten sind, die man gar nicht benötigt, weil schon in ausreichender Menge vorhanden. Zu viel von etwas kann schädlich sein - es geht ja immer um eine ausgewogene Balance. Und auch in einem Multivitaminpräparat sind bei weitem nicht alle wichtigen Mikronährstoffe enthalten. Deshalb sollte man besser gezielt vorgehen.

Ein dafür gut ausgebildeter Arzt kann über Labordiagnostik erkennen, wo Mangel herrscht und kann dann entsprechende Supplemente verschreiben. Er kann auch kontrollieren, ob sich Mangelzustände auflösen. Leider gibt es noch wenige Mediziner, die sich damit auskennen. Das Fachgebiet heißt Orthomolekulare Medizin, wer einen Experten sucht, kann dies als Suchbegriff verwenden.

Hier ein paar Buchtipps, die ich für seriös und wissenschaftlich fundiert halte:

  • Burgerstein; Handbuch Nährstoffe; Trias Verlag
  • Gröber; Mikronährstoffe
  • Gröber; Arzneimittel und Mikronährstoffe

Weblinks:

-- Fred

29.08.2015 :: Die Balance zwischen Anspannung und Entspannung

Körperliche wie seelische Gesundheit scheint sich irgendwo zwischen den beiden Polen Anspannung und Entspannung abzuspielen.

Menschen, die nur ackern und ständig unter Stress stehen, fordern ihren Organismus stark und strapazieren ihn über. In unserer westlichen, leistungsorientierten Welt findet man diese ungesunde Lebensweise häufig. Spätestens, wenn man gar nicht mehr zur Ruhe kommt und nicht mehr richtig schlafen kann, zeigen sich die ungünstigen Auswirkungen auf unseren Organismus.

Das Gegenteil ist ein Lebensstil, wo man sich treiben lässt und seinen Hintern nicht hoch bekommt. Wo man nicht gefordert wird und sich nicht fordert. Dann leidet sowohl der Körper unter Bewegungsmangel wie auch die Psyche.

Eine gesunde Psyche ist in der Lage, sich immer wieder an neue Lebensbedingungen anzupassen. Sie ist flexibel und in der Lage, uns auch bei schwierigen Bedingungen durchs Leben zu tragen.

Ich glaube, wenn wir uns auf psychischer Ebene nicht fordern, werden wir geistig starr, kraftlos, schlaff und unflexibel. Und dann kann jede kleinste Herausforderung uns gleich panisch werden lassen und uns überfordern.

Damit wird auch klar: Eine gesunder und leistungsfähiger Geist kann auf viele Anforderungen und Schwierigkeiten des Lebens gut reagieren. Er kann diese Situationen auf gute Weise meistern. Eine starrer und kraftloser Geist hingegen ist bei kleinen Herausforderungen schon überfordert und reagiert mit Angst, Hoffnungslosigkeit oder Depression.

Wenn man auf diese Weise Angstbewältigung etwas ganzheitlicher betrachtet, dann geht es nicht nur um die Lösung konkreter Ängste. Es geht auch darum, einen gesunden und leistungsfähigen Geist zu entwickeln, der fähig ist, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Auf der Suche nach einem guten Lebensmodell haben diese Erkenntnisse einen großen Einfluss. Manchmal stellt man sich ja vor, es würde einem so richtig gut gehen, wenn man nur noch am Strand in der Sonne liegt und keinerlei Verpflichtungen hat. Aber vermutlich würde dann genau das passieren: Unser Geist erschlafft, wird unflexibel und ist schnell gereizt. Solche Symptome erkennt man manchmal an Menschen, die ein Luxusleben führen können. Sie sind oft nicht wirklich glücklicher und leiden an kleinsten Dingen des Alltags, die nicht so laufen, wie geplant.

Das gute Leben scheint man dort zu finden, wo man sich hinreichend geistig und körperlich fordert. Wo man regelmäßig auch Dinge tut, die eben nicht so einfach sind. Wo man ein Stück in die Anstrengung geht und so körperliche wie geistige Kräfte entwickelt. Wo man sich auch als handlungsfähig erlebt und so das Selbstvertrauen wächst.

Aber das eben auch nicht wieder zu einseitig. Das Loslassen und die Entspannung sind ebenso wichtig. Körper und Seele müssen sich auch erholen können, denn in dieser Erholungsphase tankt wir auf.

Auch eine gute Psychotherapie sollte beide Seiten im Auge behalten: Die Herausforderung und die Arbeit an sich selbst. Wie auch die Entspannung, das Auftanken und das Nährende.

Das Leben als ständige Wellenbewegung zwischen Herausforderung und Entspannung.

-- Fred

28.08.2015 :: Einer neuen Idee folgen

Veränderung braucht manchmal gar kein tiefes Erforschen der eigenen Persönlichkeit. Einer neuen Idee zu folgen, kann schon reichen.

Was wäre so eine neue Idee? Nehmen wir die Idee "Locker bleiben". Mit so einer Idee im Kopf geht man nun durch seinen Alltag. Und immer wieder erinnert man sich daran. Man spürt, dass man sich gerade wieder mal irgendwie anspannt und erinnert sich an "Locker bleiben".

Natürlich haben wir nicht beliebig Einfluss darauf, locker zu bleiben. Wenn das so einfach ginge, könnten wir alles, was wir uns vorstellen. Das Gegenteil ist oft der Fall: Wir scheinen keinen Einfluss auf unser Empfinden zu haben.

Aber trotzdem: Erstens können wir immer ein ganz kleines Stück entspannen und lockerer werden. Irgendwas geht immer. Und das Zweite ist viel wichtiger: Wir trainieren, wenn wir dieser Idee über längere Zeit folgen. Wir trainieren uns in der Fähigkeit, aus der Idee im Bewusstsein wirklich etwas Handfestes und Spürbares zu machen. Es ist sehr wahrscheinlich: Wenn man mit so einer Idee über ein paar Wochen "schwanger geht", dann werden sich auch Fähigkeiten entwickeln, lockerer mit vielen Situationen umzugehen.

Es gibt viele weitere Ideen, die auf diese Weise umsetzbar sind:

  • Loslassen
  • es fließen lassen, das Leben in Fluß halten
  • in Bewegung bleiben
  • nimms mit Humor
  • Gelassenheit
  • Freude
  • Dankbarkeit

Ab und zu singen wir in der Selbsthilfegruppe auch Heilungslieder von Karl Adamek. Diese Lieder enthalten auch Botschaften, die einen genau solche Ideen nahelegen. Damit können solche Lieder helfen, einer Idee zu folgen. Hier ein Beispiel vom Lied Fließen:

Fließen fließen
Frieden schließen
und den Wandel stets begrüßen
will ins Neue mich ergießen
fließ - zurück ins Meer.

Das ist der ganze Text des Liedes, der vielfach wiederholt wird. Deshalb heißen die Lieder auch Mantren. Durch die häufige Wiederholung prägt sich diese Idee gut ein und kann dann im Alltag wirken.

Hier kann man in die Lieder reinhören: http://www.karladamek.de/meridian-mantren.html

Ich hab das diese Lieder in einer Klinik kennengelernt und die meisten Mitpatienten waren total begeistert davon.

-- Fred

15.08.2015 :: Ängste aufgrund sozialer Defizite

Eine Unfähigkeit kann tausend Ängste im Schlepptau haben. Wenn man ängstliche Menschen näher kennenlernt, erkennt man oft, was da alles an einer Problematik mit dran hängt.

Da erzählte mir heute jemand, dass er in Panik war, weil er beim Joggen auf einmal merkte, dass er sein Handy nicht mit hatte. Aber warum in Panik? Er joggte doch auf einem Weg, wo immer wieder Leute vorbeikommen und die haben doch alle eine Handy dabei?!

Aber genau diese Situation löste ja Panik in ihm aus. Fremde Leute ansprechen? Und dann noch um etwas bitten? Niemals! Lieber würde er sich mit einem verstauchten Fuß irgendwie alleine nach Hause schleppen, als irgendjemanden um Hilfe zu bitten.

Die Unfähigkeit, mit anderen Menschen in einer Notsituation Kontakt aufzunehmen, zieht hier große Kreise, sorgt für bestimmte Maßnahmen, die er ergreift und löst Ängste aus, die andere so gar nicht kennen.

Angst entsteht immer dann, wenn wir keine Handlungsmöglichkeiten sehen. Wer aus Erfahrung weiß, dass er jederzeit fremde Menschen ansprechen kann und die dann auch hilfsbereit sind, kann sich entspannen. Nicht nur das, es entstehen auch gar keine sorgenvollen Gedanken in der Machart: "Was wäre, wenn mir jetzt dies oder jenes passiert?" Man fühlt sich irgendwie sicher, weil man um die Joker weiß, die man noch in der Hand hält.

Eine andere Situation: Jemand sitzt im Kino irgendwo mitten in einer Reihe. Er spürt eine Unfähigkeit aufgrund sozialer Ängste: Er könnte im laufenden Film niemals aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Das erscheint ihm völlig unmöglich. Folglich drehen sich jetzt die Gedanken: Hoffentlich muss ich nicht auf Toilette! Und wie das blöderweise so ist, beeinflussen diese Gedanken das Gefühl, nun doch irgendwie auf Toilette zu müssen. Das Ganze schaukelt sich so auf und setzt ihn immer mehr unter Druck. Er muss immer nötiger, spürt aber seine Unfähigkeit, aufzustehen. Er fühlt sich wie festgeschweißt an seinen Sitz. Nichts geht. Er hofft nur noch auf das Ende des Films, um dann gehen zu können.

Beim nächsten mal Kino nimmt er sich vor, nur noch einen Platz ganz außen in der Reihe zu nehmen. Ein Platz, wo er jederzeit aufstehen kann, ohne das die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist oder er jemanden irgendwie stört. Erst durch diese Strategie kann er sich seiner Ängste entledigen, trotz seiner bleibenden Unfähigkeit, andere Leute mit sich zu belästigen.

Es kann eine gute therapeutische Strategie sein, diese oft über viele Jahre gewachsenen Angstverhaltensmuster aufzudröseln. Zu erkennen, was zu was führte. Es geht besonders darum, das Ursprungsdefizit zu erkennen. Gelingt es, an dieser Unsprungsproblematik etwas zu verändern, verändert sich die ganze Kette, die da noch dranhängt: Verhaltensweisen, die der Vermeidung dienen, nun aber nicht mehr nötig sind.

In der Regel erkennt man sein ganzes Vermeidungsverhalten nur schwer. Es ist so zur Gewohnheit geworden, dass es einem nicht mehr auffällt. Und man gesteht sich auch nur ungern ein, dass man an bestimmten Punkten Defizite hat.

Was hilft, ist zum einen eine gesteigerte Achtsamkeit. Vor allem auf Empfindungen von Unlust, die zur Vermeidung von irgendwas führen. Mitunter sind die nur ganz kurz wahrnehmbar, weil man sich sofort aus Gewohnheit für eine Vermeidung entscheidet. Wenn es einem aber auffällt, kann man sich mal ein Stück weit mit dem konfrontieren, was man sonst vermeidet. Und hier auch wieder genauer hinspüren, was dann offensichtlich wird. So sammelt man Erkenntnisse über sein Verhalten und Ängste.

Was auch hilft: In Gruppen mit anderen etwas zu unternehmen. Hier wird es zwangsläufig dazu kommen, dass die Gruppe sich nicht passend zu meinen Angstmustern verhält. Werde ich also mit der Gruppenenergie mitgehen, komme ich automatisch an meine Grenzen und Ängste.

Ganz beeindruckend konnte ich das mal in einer Klinik kennenlernen. Kaum waren wir als Gruppe in einem Raum, hieß es, wir tanzen jetzt erstmal alle, um anzukommen und loszulassen. Das empfanden auch die meisten erstaunlicherweise als sehr angenehm. Für mich war es der reinste Horror. Mich geschmeidig vor anderen bewegen? Das ging gar nicht und Panik schoß in mir hoch. Ich wollte sofort wieder abreisen. Doch dann erkannte ich später in Gesprächen mit den Therapeuten die Konfrontation mit einer tiefsitzenden Angst. Im Laufe der Wochen konnte ich die dann dort auch bearbeiten und loslassen.

Auch in einer Selbsthilfegruppe kann man solche Situationen erleben. Insofern sollte man bei Erfahrungen, die sich erstmal nicht so gut anfühlen, immer auch die große Lernchance sehen. Man ist mit einem persönlichen Defizit konfrontiert. Und genau das ist der Punkt, wo sich Weiterentwicklung lohnt.

-- Fred

09.07.2015 :: Sprech-Balance

Ein Thema, was wir immer mal wieder in den Gruppen haben: Die Sprech-Balance. Wie bekommen wir es hin, dass die Redeanteile in der Gruppe ausgewogen sind? Gerade bei Sozialphobie-Gruppen ist das nicht einfach. Es gibt Betroffene, denen es sehr schwer fällt, sich überhaupt in Gruppen zu äußern. Es gibt Betroffene, die in der Selbsthilfegruppe keine Probleme haben, zu reden. Und es gibt Betroffene, die ein sehr großes Redebedürfnis haben.

Diese Verschiedenartigkeit macht es sehr schwer, die Gruppe in den Redeanteilen gut auszubalancieren. Um das Thema in den Gruppen im Auge zu behalten, haben wir mal eine Karte erstellt, die wir in die Mitte legen werden.

08.07.2015 :: Sozialphobie und Meditation

Eine kleine Gruppe von Meditierenden aus Berlin wollen die Meditation etwas bekannter machen. Hierfür haben Sie eine Seite ins Internet gestellt.

Meditation kann ein hilfreicher Weg bei der Bewältigung von sozialen Phobien sein. Hierüber gibts auf der Seite auch einen Artikel:

http://ich-will-meditieren.de/erkrankungen/soziale-phobie/

Auch in unseren Gruppen gibt es zahlreiche Mitglieder, die Meditation, Yoga, Thai-Chi oder andere östliche Praktiken in ihr Leben integriert haben und viel davon profitieren. Ein wichtiger Nutzen solcher Praktiken ist die Entspannung und das Loslassen. Gerade Ängste sorgen ja dafür, dass man übermäßig und häufig angespannt ist. Hier ist es gut, frühzeitig gegenzusteuern und zu lernen, sich bewusst zu entspannen.

29.06.2015 :: Viele Freizeitaktivitäten

In den letzten Monate gabs viele Freizeitaktivitäten. Es gibt mittlerweile zahlreiche Mitglieder, die ihren Bedürfnissen nachgehen und etwas organisieren. Regelmäßig läuft derzeit der Filmclub, wo wir gemeinsam mit Beamer Filme schauen. Der Filmclub trifft sich etwa einmal im Monat.

Ganz neu hat sich jetzt eine Spielegruppe gegründet, die sich Sonntags alle 14 Tage trifft. Jeder kann Gesellschaftsspiele mitbringen.

Die letzten Wochen fanden auch einige Wanderungen statt. Meist in unmittelbarer Umgebung von Dortmund.

Demnächst wird es ein Sommerfest geben, wo wir im Park grillen. Hoffen wir auf schönes Wetter.

Und vorgestern hatten wir - man kann es kaum glauben - mal wieder einen Karaoke-Abend. Das ist ein interessantes Phänomen. Man sollte ja glauben, dass schüchterne Menschen sich damit extrem schwer tun. Wenn aber die Atmosphäre gut ist und man sich in der Gruppe sicher fühlt, haben doch viele den Mut, das mal auszuprobieren. So richtig mit Mikrofon und Verstärker. Unsere Techniker haben da was zusammengebastelt. Was auch meist ganz gut geht: Gemeinsam in der Gruppe nach Songs auf Youtube singen. Da findet man mittlerweile ja jede Menge Karaoke-Versionen mit eingeblendetem Text. Mit Beamer klappt das dann wieder sehr gut.

Jetzt im Sommer finden in Dortmund und Umgebung auch viele Straßenfeste statt. Wer sonst alleine kaum aus dem Haus geht, kann über die Gruppen mit anderen Leuten gemeinsam hingehen. In der Regel finden sich immer einige, die Lust drauf haben.

Auch gemeinsam Urlaub machen kann sehr attraktiv sein, auch von den Kosten her. So kommt man gemeinsam mal raus, was man alleine vielleicht nicht machen würde. Demnächst fahren einige Leute nach Belgien ans Meer. Es gibt da auch noch einige weitere Ideen, wo es mal hingehen könnte. Auch mal ganz weit weg, z.B. USA.

-- Fred

22.06.2015 :: Lied der Woche

Stoppok - Den anderen Weg

15.06.2015 :: Entspannung

Ängste und psychischer Stress führen fast immer zu innerer Anspannung und erhöhtem Muskeltonus. Auf Dauer ist das schädlich und kann dann auch zu psychosomatischen Problemen führen. Einfaches Beispiel: Viele kompensieren ihre Angst durch Anspannung der Muskeln im Nacken-Schulterbereich. Das kann zu Schulter- und Nackenschmerzen führen oder auch zu Spannungskopfschmerzen.

Es erscheint mir deshalb sehr sinnvoll, möglichst früh mit Entspannungsverfahren zu beginnen und die auch regelmäßig durchzuführen.

Das große Problem ist: Wir wissen alle, wie man sich anspannt, aber Entspannung ist etwas ganz anderes. Dazu muss man erstmal einen Zugang finden. Entspannung geht auch nicht so direkt. Man kann nicht konkret was Tun, es ist keine konkrete Handlung. Man kann sozusagen etwas nur einladen, loszulassen. Etwas zu lassen, was man tut.

Das große Problem ist, dass körperliche Anspannungen sich verselbständigen, also ins Unbewusste abgleiten. Dann spannen wir die Muskeln an, ohne uns dessen bewusst zu sein. Und wir haben keine bewusste Kontrolle mehr darüber. Es ist dann sehr mühsam, sich wieder einen Zugang dazu zu erarbeiten. Man kann das vergleichen mit der Situation, nach einem Schlaganfall wieder laufen lernen zu müssen. Etwas, wovon man überhaupt keine Vorstellung hat, wie das gehen soll, muss wieder neu erlernt werden.

Leider gibt es bisher nur wenige Psychosomatiker, die diese Problematik erkennen und sinnvoll gegensteuern können. Orthopäden erkennen die Ursache der Problematik oft nicht und verschreiben einfach nur Krankengymnastik und empfehlen Sport. Natürlich kann auch das helfen, die eigentliche Ursache ist aber die permanente Anspannung durch Angst und Stress und die Unfähigkeit, sich bewusst zu entspannen.

Entspannungsverfahren können helfen und sollten bei erhöhtem psychischen Stress zum regelmäßigen Ritual werden. Dies sind vor allem:

  • Das Autogene Training
  • Die progressive Muskelentspannung
  • Die Meditation
  • Hypnotrancen, Phantasiereisen, imaginative Verfahren
  • Tai-Chi oder Qigong
  • Feldenkrais
  • Yoga
  • Alexander-Technik
  • Biofeedback
  • Atemtherapie
  • Focusing

Viele Methoden versuchen, ein Körperbewusstsein zu entwickeln, wodurch man dann wieder bewusst seine Muskeln gebraucht und unnötige Anspannung abbaut. Ein weiterer Weg sind Suggestionen und Imaginationen, die uns helfen, loszulassen. Auch langsame Bewegungsabläufe helfen uns, aus Gewohnheiten und Hektik auzusteigen und zu mehr Bewusstheit zu kommen. Spüren, wahrnehmen, im Hier und Jetzt sein, aus Automatismen aussteigen - das sind wesentliche Lernerfahrungen.

Gerade bei sozialen Ängsten hat man oft täglich schwierige Situationen zu bewältigen, die zu Anspannungen führen. Deshalb ist hier die regelmäßige Entspannung als Gegenpol so wichtig.

-- Fred

13.06.2015 :: Lied der Woche

Cynthia Nickschas - Tanz!

13.06.2015 :: Autonomie

Der Zugang zur eigenen Autonomie entwickelt sich schon in der ganz frühen Kindheit. In der Autonomie drückt sich das Eigene aus: Was wir empfinden und wie wir auf eigene Bedürfnisse reagieren. Autonomie steht im engen Zusammenhang mit Selbstbewusstsein: Ich nehme mich war. Ich erlebe mich. Ich weiß, was ich brauche, wenn ich so oder so empfinde. Ich kann mein reiches inneres Erleben verstehen, deuten und danach handeln.

Autonomie braucht von früher Kindheit an Unterstützung, damit sie sich entwickeln kann. Läuft etwas gewaltig schief, dann lernen wir überhaupt nicht, auf unsere Impulse und unser Innenleben zu achten. Dann orientieren wir uns nur an äußeren Erwartungen, die an uns herangetragen werden. Der Zugang zu uns selbst ist dann versperrt. Das Eigene wird im Laufe der Zeit sogar auch noch bedrohlich erlebt, weil es oft im Widerspruch zu dem steht, wie unsere Umwelt uns will. So kommt es zu Selbstablehnung oder Selbsthass. Und weil keine Verbundenheit zum eigenen Wesen vorhanden ist, gibt es auch kein tiefes Selbstwertgefühl.

Arno Gruen beschreibt das alles sehr detailiert in seinem Buch Der Verrat am Selbst.

Wir haben in den letzten Tagen darüber nachgedacht, welche Bedeutung das Thema Autonomie auch für unsere Gruppenarbeit hat. Ich spüre da einen großen Bedarf nach mehr Autonomie. Oft entstehen Gruppenkonstellationen, wo viele sich stark zurückhalten und nur einige wenige das Gruppengeschehen in die Hand nehmen. Das ist für mich ein Zeichen fehlender Autonomie.

Wir versuchen schon seit längerer Zeit, das "sich einbringen" mehr zu verteilen. Jeder kann etwas zum Gesamtgeschehen beitragen und es wäre gut, wenn diese Möglichkeit noch viel mehr genutzt würde.

Natürlich ist gerade das oft ein längerer Entwicklungsweg. Autonomie fängt halt in den ersten Lebensstunden an. Von da an entstehen und festigen sich Verhaltensmuster und die Beziehung zur Welt. Was über so viele Jahre gewachsen ist, braucht natürlich auch viel persönliche Zuwendung, um es zu verändern und ganz neue Erfahrungen zu sammeln.

Sich mit dem Thema Autonomie zu beschäftigen, kann helfen, die eigenen Prägungen zu verstehen und zu erkennen, wo eine persönliche Nachreifung gewinnbringend und befreiend ist. Denn darum solls ja bei aller Persönlichkeitsentwicklung schlussendlich gehen: Sich von Einschränkungen und Deformationen zu befreien, um auf gesunde Weise das eigene Wesen zu leben. Die meisten beschreiben diese Entwicklung als bereichernd und befreiend.

-- Fred

27.05.2015 :: Lied der Woche

Anna Depenbusch - Astronaut

14.05.2015 :: Sopha Young aufgelöst

Im Januar 2015 gründeten wir die Sopha-Young - eine regelmäßige Gruppe für junge Menschen bis 30 Jahren, die an ihren sozialen Ängsten und Phobien arbeiten wollen. Jetzt müssen wir sie bereits wieder auflösen, weil es trotz viel Engagement nicht funktionierte.

Es ist schwer, die Ursachen dafür zu verstehen. Wir hatten im Januar etwa 14 Interessierte, von denen dann auch 9 in die Gruppe kamen. Bis Mai kamen bestimmt weiter 10 Nachfragen von Interessenten, von denen aber nur ein Teil wirklich zur Gruppe kamen. Zahlreiche blieben auch nur über 1-2 Abende und es kam kein klares Feedback, was den Rückzug anging. Schlussendlich blieben nur noch ganz wenige übrig, was eine Weiterführung der Gruppe als nicht sinnvoll erscheinen lies.

Ein Eindruck der letzten Monate war, dass das klassische Konzept, was wir in den anderen Gruppen haben, irgendwie nicht funktionierte. Es kam keine richtige Themendiskussion zu stande. Vielleicht gab es auch die Erwartungshaltung einer professionell geleiteteten Gruppe, was eine Selbsthilfegruppe natürlich nicht ist.

Neue Selbsthilfegruppen ins Leben zu rufen, ist generell eine heikle Sache. Wir sind damit schon einige male gescheitert und wir wissen es auch von anderen Gruppengründungen hier in Dortmund. Von 10 Neugründungen überleben vielleicht 1-2 Gruppen die ersten 6 Monate. Man muss es einfach versuchen und dann schauen, ob eine tragfähige Basis entsteht. Manches lässt sich durch Engagement, Planung und Konzept in gute Bahnen lenken, aber es gibt eben einen großen Bereich, den man nicht planen kann. Hier kann man sich nur überraschen lassen, ob die Energie da ist, die es für eine stabile Gruppe braucht. Das gilt besonders bei einer Selbsthilfegruppe, die sich ja aus sich selber tragen soll und wo nicht einige wenige Macher die Gruppe mit viel Energie versorgen. Die Gruppe muss es sozusagen aus sich heraus schaffen. Und bei Sozialphobie-Gruppen kommt sehr erschwerend hinzu, dass eben fast alle erstmal sehr zurückhaltend sind und der Prozess, miteinander in Fluss und in Kontakt zu kommen, wesentlich länger braucht. Wenn dann das Durchhaltevermögen fehlt, es langsam wachsen zu lassen, gelingt es nicht.

Die Idee einer Gruppe für junge Menschen kommt jetzt erstmal wieder in die Schublade. Die Offene Gruppe ist wieder die erste Anlaufstelle für jede Altersgruppe. Vielleicht werden wir die Idee irgendwann nochmal aufgreifen.

-- Fred

11.05.2015 :: Ergebnisse Fragebogen Lernfelder

Mitte 2014 haben wir einen Fragebogen erstellt, wo wir typische Lernfelder aufgelistet haben. Mittlerweile haben wir eine anonyme Auswertung über 25 Fragebögen gemacht, wobei es darum ging, was die wirklich wichtigen Lernfelder sind. Hier die Ergebnisse der meist genannten Lernfelder sortiert nach Anzahl der Nennungen:

 
P10 Mehr Selbstvertrauen (17)
K09 Sich lösen von den Erwartungen der anderen (17)
K03 Konflikte konstruktiv austragen (16)
P07 Zu hohe Ansprüche an mich reduzieren (15)
K02 Nein sagen und mich abgrenzen (14)
K04 Mit Kritik umgehen lernen (14)
K08 Mehr aus mir herauskommen (14)
K11 Wut, Ärger und Frust konstruktiv in Kontakt bringen (14)
K13 Mich mehr als Teil einer Gruppe erleben, dazugehören (14)
P24 Umgang mit Kränkungen (14)
S02 Reden in Gruppensituationen (13)
S10 Mehr Selbststärke gegenüber Autoritätspersonen (13)
K16 Mich im Kontakt mit anderen wohl fühlen (13)
U10 Mich mehr im Kontakt wohlfühlen (13)
P02 Negative Selbstbeobachtung reduzieren (13)
P03 Depression und schlechte Gefühlslagen auflösen (13)
P20 Mich als wertvoller Mensch fühlen (13)
P25 Innere Konflikte lösen (13)
S03 Angstfreier in Gruppensituationen sein (12)
S08 Besserer Umgang mit Mittelpunkts-Situationen (12)
K01 Mich durchsetzen (12)
K07 Gesprächiger werden in Gruppen (12)
P05 Wahrnehmbare Angstsymptome abbauen 
    (erröten, zittern, Schwitzen, Atemnot, Stimme, Schwindel…) (12)
P14 Entspannung (12)
P18 Mehr ins Handeln kommen (12)
P22 Mehr Struktur, Willenskraft und Selbstdisziplin (12)
S13 Mich in mehr Freizeitaktivitäten trauen (11)
K21 Unverkrampfter im Kontakt werden (11)
U12 Tiefe und nahe Beziehungen (11)
P11 Ein positiver und liebevoller Umgang mit mir selbst (11)
P12 Umgang mit Frust und Resignation (11)
P16 Selbstakzeptanz stärken (11)
P21 Zufriedener mit mir sein (11)
P26 Weniger Grübeln und Gedankenkreisen (11)
P27 Erwachsener werden: Verantwortung, Klare Sicht, 
    Dranbleiben, Struktur, Selbstorganisation, Ziele, Fokus, Handlung (11)

10.05.2015 :: Widerstände

Widerstände haben eine große Bedeutung bei Entwicklungsprozessen, egal ob nun psychotherapeutisch begleitet oder in Eigenregie.

Viele haben im Laufe ihrer Veränderung schonmal so eine Erfahrung gemacht: Eigentlich wusste ich schon lange, dass ich dies oder jenes tun sollte. Ich hatte das schon oft gelesen und es sprach mich an. Aber erst jetzt hat es mich nochmal neu berührt und erst jetzt konnte ich das auch umsetzen.

Nehmen wir das einfache Beispiel eines Entspannungsverfahrens. Viele wissen eigentlich, dass das regelmäßige Praktizieren eines Entspannungsverfahrens gut für die Psychohygiene ist und gerade bei angstgeplagten Menschen sehr sinnvoll sein kann. Doch viele machen es nicht, obwohl sie auch daran glauben, dass das helfen könnte.

Es reicht also nicht, zu wissen, dass etwas hilft. Es gibt noch etwas anderes: Unsere ganzen Widerstände gegen die Veränderung. Zu jeder Idee, sein Leben zu verändern, gibt es oft zahlreiche Widerstände. Also ein Nein, eine Unlust, ein Unwille, eine Weigerung, ein Ausweichen oder ein Verdrängen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Ratschläge so oft ins Leere gehen und weshalb wir darauf achten, uns in den Gruppen nicht zu viel mit Ratschlägen zu beglücken. Das teilen von eigenen Erfahrungen ist meist wirksamer.

In der Regel haben wir alle die leicht zu verändernden Sachen ohne viel Nein schon lange abgegrast. Diese vorbehaltlosen Dinge haben wir für uns schon realisiert. In Therapie und persönlicher Weiterentwicklung gehts fast immer um die Sachen, die gleichzeitig auch den Widerstand beinhalten. Etwas, was uns bisher davon abgehalten hat, es zu tun. So ist das leider.

Weiterentwicklung kann also in weiten Bereichen nur dann stattfinden, wenn wir uns unserer Widerstände mehr bewusst werden. Wenn wir unbewusst dem Nein folgen, werden wir nicht aus unserer misslichen Lage ausbrechen können.

Der erste Schritt ist also, dass Nein überhaupt erstmal bewusst als Widerstand zu begreifen: "Ah ja, da sagt etwas in mir Nein. Da ist etwas in mir unwillig. Interesant."

Der zweite Schritt ist, diesen Widerstand zu erkunden. Was ist das für ein Nein? Was wäre daran unangenehm? Was befürchte ich? Warum will ich etwas nicht? Zu welchen Werten oder Überzeugungen passt es nicht? Oder greift es mein Selbstbild an?

Meine Erfahrung ist, dass die Beschäftigung mit den Widerständen den Großteil einer Therapie einnimmt. Es braucht viel Zeit, sich von liebgewordenen Angewohnheiten zu lösen oder seine Überzeugungen und Glaubenssätze zu verändern.

Ich hatte mal einen Therapeuten, der mit Adleraugen auf meine Widerstände achtete. Wenn ich fast unbemerkt in meinen Sätzen oder meiner Mimik einen Widerstand offenbarte, funktelten gleich seine Augen. Und dann war das auf einmal Thema für die nächsten 15 Minuten. Das färbte auch auf mich ab und ich fing an, mich für meine Widerstände zu interessieren.

Ich glaube, es ist ein Fehler, zu massiv gegen seine Widerstände zu agieren. Widerstände haben einen Sinn und sind ein Schutzmechanismus. Sie sorgen in der Regel dafür, dass wir nicht in (vermeintlich) unangenehme Situationen geraten. Widerstände sollte man also würdigen und den Sinn darin erkennen. Um dann aber trotzdem sanft damit zu experimentieren, wo man Grenzen ein Stück weit verschieben kann. Wo man man etwas - trotz eines unangenehmen Gefühls - mal ausprobiert.

Im besten Fall erkennen wir, dass etwas doch ganz gut geht, obwohl man zuvor einen Widerstand hatte. Und dann entwickelt man noch Gefallen an der neuen Art, zu sein. Und irgendwann wird es zur neuen Gewohnheit. Man hat damit seinen Möglichkeitsraum erweitert bzw. sich Lebensraum zurückerobert.

Bei manchen Dingen müssen wir uns aber auch immer wieder mit unangenehmen Gefühlen konfrontieren, bis sie sich langsam wandeln. Therapie fordert uns in dieser Hinsicht stark. Manche Freiheit muss man sich mühsam erarbeiten und ich habe großen Respekt vor Menschen, die das für sich geschafft haben. In den Selbsthilfegruppen erlebt man das immer wieder mal und das macht Mut, auch selber so einen Weg zu gehen.

-- Fred

25.04.2015 :: Hoffnung...

In krisenhaften Lebensphasen ist Hoffnung etwas ganz wichtiges. In einer Krise fühlen wir uns oft schlecht und wir wissen nicht, ob es jemals besser wird. Und in dieser unsicheren Zeit überkommt uns schnell die Resignation und die Hoffnungslosigkeit. Es wird niemals besser werden...

Dabei ist es eigentlich nur so, dass wir tatsächlich mit einer Offenheit konfrontiert sind. Das Leben ist nicht mehr klar und festgelegt. In Krisen steckt nicht nur das Hoffnungslose, sondern auch die Möglichkeit. Denn was offen ist, kann sich in alle Richtungen etwickeln.

Lebenskrisen entstehen nicht selten daraus, dass unsere bisherige Art zu leben, uns nicht mehr genug Lebenssinn bietet. Wir kämpfen dann lange darum, diesen Zustand mit kleinen Veränderungen doch irgendwie zu stabilisieren. Der große Veränderungsschritt ist noch nicht reif. Doch irgendwann realisiert man, dass das alte Lebenssystem nicht trägt und man grundsätzlich etwas verändern muss. Aber das Neue ist noch nicht da. Und so hängt man in einer Zwischenwelt - das Alte trägt nicht mehr und das Neue ist noch nicht da.

Wenn wir ein Vertrauen darin hätten, dass wir etwas neues für uns entwickeln können, was sich gut anfühlt, dann wäre so eine Zeit viel besser zu durchstehen. Denn es ist oft nicht der belastende Moment im Hier und Jetzt, sondern die Perspektivlosigkeit, die einen zermürbt.

Wer schon einmal Krisen durchstanden hat, weiß, wie aus vermeintlich hoffnungslosen Situationen doch wieder etwas Gutes erwachsen kann. Wir haben alle ungeahnte Kräfte in uns, wieder zu einem sinnerfüllten und guten Leben zu finden. Wir glauben oft, wenn dies oder jenes nicht ist, kann ich nicht glücklich werden. Aber wir können uns so oft neue Quellen für Lebensglück erschließen und merken auf einmal, wie unbedeutet etwas geworden ist, woran man einmal fest hing. Die Möglichkeiten, ein gutes Leben zu finden, sind einfach unerschöpflich. Und unsere Kreativität kann uns helfen, das Neue zu erfinden.

Das Leben ist voll von Beispielen, wie Menschen aus vermeintlich hoffnungslosen Sitatuationen einen guten Weg fanden und sie heute wieder gerne leben.

Selbsthilfegruppen können helfen, die hoffnungsvollen Gedanken zu nähren und sich von Resignation zu lösen. Denn hier gibt es immer Menschen, die durch so manche Krise hindurchgegangen sind und von ihren Erfahrungen berichten können. Diese Erfahrungen zeigen, was möglich ist und dass eine Krise eine Durchgangsstation ist und kein Dauerzustand.

Und natürlich gibt es auch Erfahrungen, wie man durch Krisen hindurchgehen kann, damit sich wirklich etwas transformiert und man nicht stecken bleibt. Hier wird auch davon berichtet, welche professionellen Hilfsangebote man nutzen kann, um diese schwierige Veränderung in seinem Leben zu durchschreiten.

Schlußendlich ist die Erfahrung vieler, die erfolgreich durch eine Krise hindurchgegangen sind, dass sie eine neue Lebensorientierung gefunden haben, die sich besser anfühlt, als die alte. Etwas Neues, wofür es sich lohnt, zu leben und mit der man sich mehr verbunden fühlt. Gleichzeitig hat man in diesem Prozess der Veränderung sich selbst mehr kennengelernt, Grenzen ausgelotet, ist authentischer geworden, ist mutiger und hat ein Stück mehr zu sich selbst gefunden.

-- Fred

Weblinks:

20.04.2015 :: Positive Gedanken

Interessanter Song von Cynthia Nickschas

06.04.2015 :: Geldgier und Krankheit

Wer krank ist, sucht Hilfe. Und wie viel ist ihm die Hilfe wert? Natürlich viel, wenn man stark leidet.

Diese Situation ist natürlich ein Nährboden für Geschäftemacherei. Nun könnte man ja ausschließlich auf Hilfsangebote setzen, die von den Krankenkassen übernommen werden. Das sollte ja alles seriös sein. Doch genauer betrachtet geht diese Vorstellung oft genug nicht auf.

Da gibt es z.B. einen gewissen Trend, das Medikamente gerne und schnell verschrieben werden. Wer das System kennt und weiß, wer hier mit wem verstrickt ist, erkennt auch die Logik dahinter. Auch das Vergütungssystem der Krankenkassen sorgt dafür, dass vor allem Gesprächszeit zwischen Arzt und Patient eingespart wird, Medikamente hingegen werden oft genug problemlos bezahlt. Auch hier gestaltet das Geld, wie Arzt und Patient miteinander interagieren und welche Heilungs- und Diagnoseversuche unternommen und welche gelassen werden.

Wer aber auf eine komplexe Weise erkrankt ist, spürt auch, wie schnell die konventionelle kassenfinanzierte Behandlung am Ende ist. Nicht selten bekommen Patienten den Stempel psychosomatisch aufgedrückt, wenn mit gewöhnlichen Untersuchungsmethoden keine Ursachen gefunden werden. Das diese Diagnose oft genug verkehrt ist, bestätigen z.B. Untersuchungen im Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen im Universitätsklinikum Gießen.

Die Erfahrung in unseren Gruppen ist: Kranke kommen an den Punkt, wo sie sich nach Möglichkeiten jenseits des kassenfinanzierten Systems umschauen müssen. Das kann auch ganz trivial die Situation betreffen, dass man kassenfinanziert nicht kurzfristig einen Therapeuten findet, privat finanziert aber innerhalb von 14 Tagen eine Therapie beginnen könnte.

Jetzt steht man vor der Frage: Was sind seriöse Angebote? Wem kann ich vertrauen und wo geht es nur um Geldschneiderei?

Ich habe über die letzten 15 Jahre Selbsthilfe vieles aus dem Bereich kennengelernt. Sowohl persönlich wie auch durch Erfahrungsberichte von Betroffenen. Die Situation bleibt für mich ganz schwierig, weil es oft eine Gratwanderung ist. Es gibt keine klaren Indizien, womit man richtig und falsch unterscheiden könnte. Es gibt Behandlungsmethoden, die klingen total verrückt, aber auf der anderen Seite erlebe ich Menschen, denen das glaubhaft geholfen hat. Ich glaube, es wäre falsch, von allen "komischen" Methoden abzuraten. Natürlich ist es schöner, wenn man gut erforschte und fundierte Methoden nutzen kann. Aber was, wenn es in dem Bereich nichts für mich gibt und eine weniger fundierte Methode helfen würde? Soll ich darauf verzichten, nur weil bisher noch kein klarer Nachweis erbracht wurde?

Was helfen könnte ist, sein Sensorium immer weiter zu entwickeln, um seriöse und unseriöse Angebote unterscheiden zu lernen. Hierbei muss man auch seine Fallen kennenlernen, in die man immer wieder tappt. Denn die Anbieter sind natürlich geschickt und locken uns mit Heilsversprechen, mit logischen Erklärungen, mit großen Erfolgen usw. Das machen sie oft nicht mal bewusst, womit sie noch überzeugender wirken. Denn sie glauben wirklich daran, was sie offerieren. Weil es ein für sie nützlicher Glauben ist. Die wichtigste Botschaft in jedem Verkaufsseminar ist: Ein guter Verkäufer ist der, der von seinem Produkt völlig überzeugt ist, der daran glaubt, was er erzählt.

Wenn wir aber wissen, womit wir normal leicht zu ködern sind, dann können wir auch Abstand dazu entwickeln und den Verstand einsetzen. Der Verstand hilft, dass wir nicht in die emotionalen Fallen tappen. Und die meisten Angebote funktionieren, weil sie uns emotional packen. Dabei kann der Zugangsweg durchaus auch über die rationale Ebene gehen, in dem man uns wissenschaftlich von etwas überzeugt.

Ein weiterer Weg ist die Selbsthilfegruppe. Andere Menschen, die alle auch ein Sensorium dafür haben, was sich seriös und was sich unseriös anhört. Oder eigene Erfahrungen, die man mit bestimmten Wegen schon gemacht hat, bekommt man hier zu hören. Natürlich wird man hier auch nicht die einfache und genau richtige Antwort bekommen. Es kann z.B. sein, dass eine angstgeprägte Gruppe sich sehr konservativ verhalten und alle alternativen Wege grundsätzlich ablehnen wird. Wenn aber die Kommunikationskultur in einer Gruppe so ist, dass unterschiedliche Meinungen explizit eingeladen sind, bekommt man in der Regel auch vielschichtige Antworten, die einem helfen können. Das zeigen auch Internetforen, wo in der Regel Meinungen frei geäußert werden.

Was auch hilft: Man muss sich mit allem so auseinandersetzen, dass man allen Seiten genau zuhört. Wer sich zu schnell vereinnahmen lässt und dann nur noch parteiisch in die Welt schaut, führt sich selber hinters Licht. Auch aus diesem Grund ist es gut, viele Menschen zu hören: Was denkst du darüber und warum denkst du so? Viele unseriöse Angebote arbeiten genau mit dieser Methode, dass sie die Welt in gut und böse spalten, sie die alleinige Wahrheit kennen und uns mit ins Boot ziehen wollen. Sie lassen kein Für und Wider zu, sie haben keine Zweifel und verteufelt alles andere. Und für manche Verteufelung sind wir wieder offen, weil wir tatsächlich z.B. schlechte Erfahrungen mit der Schulmedizin gemacht haben. Wir machen alle irgendwo mal schlechte Erfahrungen, dass aber zu verallgemeinern ist oft die Falle.

Vielleicht könnte man die Situation so zusammenfassen: Wir haben einen großen Berg von unnützem oder gar schädlichem Kram vor uns. Aber irgendwo sind auch Goldstücke drin versteckt. Diese Goldstücke für sich zu finden, kann sehr bereichernd und zielführend sein. Mein Eindruck in unseren Gruppen ist, dass eher wenige Menschen überhaupt jenseits der ausgetretenen Pfade suchen.

Auch im kassenfinanzierten System gilt es übrigens, die Goldstücke zu finden. Therapeuten, Ärzte, Kliniken - der Erfolg hängt in großem Maße davon ab, die richtigen Hilfsangebote zu finden, die auf mein Problem und zu meiner Persönlichkeit passen. Das ist bei psychischen Themen noch viel bedeutsamer, als bei körperlichen Leiden. Ein Arzt, der unangenehme Umgangsformen hat, kann trotzdem ein guter Operateur sein. Aber ein Psychotherapeut, mit dem man nicht warm wird, ist selten eine Hilfe. Viele Krankheiten bessern sich auch nur, wenn überdurchschnittlich gut behandelt und geholfen wird. Oder wenn man Menschen trifft, die einem überzeugend klar machen, dass man sich selber überdurchschnittlich für seine Gesundung engagiert ;-)

-- Fred

Weblinks:

30.03.2015 :: Medizinische Abklärung

Bei psychischen Problemen ist die wichtigste professionelle Anlaufstelle sicherlich ein Psychotherapeut. Doch etwas Wichtiges wird dabei gerne übersehen: Es gibt körperliche Ursachen, die eine psychische Problematik auslösen oder zumindest verstärken können.

Nach dem Motto, alles hängt mit allem zusammen, müssen wir auch auf allen Ebenen hinschauen. Obwohl Mediziner das eigentlich wissen müssten, erfahren wir in den Selbsthilfegruppen oft, dass ganz rudimentäre Untersuchungen vom Haus- oder Facharzt nicht gemacht wurden.

Das Allerwichtigste ist sicherlich die Abklärung einer Schilddrüsenerkrankung. Diese hat große Auswirkungen auf das psychische Befinden. Eine Blutuntersuchung, bei der der TSH-Wert überprüft wird, gibt Aufschluss. Gibt es hier Auffälligkeiten, wird zusätzlich der T3 und T4-Spiegel abgeklärt. Auch Ultraschall und weitere radiologische Untersuchungen können folgen.

Eisenmangel kann auch verschieden Symptome auslösen, die auf psychischer Ebene verortet werden: Kopfschmerzen, Schwindel, Leistungsabfall, Vergesslichkeit, Nervosität oder Unruhe. Lässt sich ebenso mit einer Blutuntersuchung ermitteln, der Laborwert heißt Ferritin.

Ein Mangel an verschiedenen Mineralien kann auch zu Schwierigkeiten führen, die sich auf psychischer Ebene zeigen. Das ist z.B. bei Calcium, Kalium oder Magnesium der Fall. Auch diese lassen sich über das Blut überprüfen.

Und natürlich gibts dann auch noch die Vitamine, die ebenso auf die Psyche einwirken. In letzter Zeit sind vor allem Vitamin-D und Vitamin-B im Fokus der Aufmerksamkeit. Eindeutige und belastbare Forschungsergebnisse fehlen hier aber noch.

All diese Sachen lassen sich mit einer ausführlichen Blutuntersuchung herausfinden. Und diese wäre auch angemessen, wenn man die Folgen psychischer Erkrankungen betrachtet und was es bedeuten würde, ein Stück weit Entlastung zu finden. Oft genug ist es aber leider so, dass die meisten dieser Blutuntersuchungen nicht gemacht werden. Und Patienten wissen oft nicht, welche Werte zur Abklärung psychischer Problematiken wichtig sind. Dann spricht der Arzt von einem "Großen Blutbild" und man meint, da wäre dann alles drin. Das ist aber ein großer Irrtum. Es müssen explizit ganz bestimmte Blutwerte ausgewählt und untersucht werden.

Es kommt noch hinzu, dass die Bestimmung bestimmter Blutwerte keine Kassenleistung sind. Das gilt in der Regel bei Vitaminen. Hier muss man die Untersuchung also selber zahlen. Manche Ärzte sind aber der Meinung, dass nur das sinnvoll ist, was auch die Kasse zahlt und bieten es erst gar nicht an. Umgedreht gibt es Ärzte, die bieten einem alles Mögliche an, was gar nicht sinnvoll ist.

Den Arzt zu fragen, welche Werte bei der Abklärung psychischer Problemen sinnvoll wären, ist sicherlich eine gute Idee. Daneben sollte man sich auch noch selber informieren.

Neben den Blutuntersuchungen sollte man auch bei einem Psychiater oder Neurologen eine Diagnostik durchlaufen, um auch hier bestimmte Krankheiten auszuschließen.

Es ist unwahrscheinlich, dass eine soziale Phobie ausschließlich eine körperliche Ursache hat. Es kann aber durchaus körperliche Konstellationen geben, die die Problematik verstärken, das allgemeine Unwohlsein verstärken oder einem die Energie rauben. Und das ist wiederum ungünstig für Veränderungsprozesse auf psychotherapeutischer Ebene.

-- Fred

04.03.2015 :: Junge Selbsthilfe

Wir haben ein interessantes Video zum Thema Junge Selbsthilfe entdeckt:

26.01.2015 :: Radikale Akzeptanz

In der Psychotherapie-Szene taucht in letzter Zeit öfter der Begriff "Radikale Akzeptanz" auf. Ein Konzept, was auch bei der Bewältigung sozialer Ängste und Phobien helfen kann. Die Idee dahinter ist eigentlich nicht neu, wird hier nur gut auf den Punkt gebracht.

Im Westen versuchen wir ja vor allem, unsere Probleme durch anpacken und tun zu bewältigen. Das ist sicher nicht verkehrt, es gibt aber noch einen weiteren Ansatz, der mindestens genauso bedeutsam und notwendig ist. Und den Ansatz bringen vor allem die östlichen Traditionen mit, z.B. der Buddhismus. Es geht um annehmen und wahrnehmen, ohne was tun zu müssen oder sich einzumischen. Das scheint für westliche Augen was sehr passives zu sein, aber in Wirklichkeit ist das richtig anspruchsvolle Bewusstseinsarbeit. Wer z.B. meditiert, tut für westlich geprägte Menschen nichts, aber wer das mal probiert hat, weiß, wie schwer das auch sein kann, seinen Geist zu disziplinieren und sich im Nichtstun zu üben. Und man konnte mittlerweile auch nachweisen, dass durch Meditation im Gehirn bedeutende Umstrukturierungsprozesse ablaufen.

Radikale Akzeptanz fordert dazu auf, sein Bewusstsein zu verändern, die Art, wie man den Dingen und Erscheinungen begegnet. Und oft leiden wir ja nicht unter der eigentlichen Situation, sondern darunter, wie wir die Situation erleben. Und dieses Erleben lässt sich verändern.

Bei sozialer Phobie wird das besonders deutlich: Rot zu werden, ist eigentlich ganz oft überhaupt kein Problem. Aber wir erleben dies als Horror. Es gibt Menschen, die rot werden und sich überhaupt keinen Kopf darum machen. Sie haben das vollständig akzeptiert, dass sie so sind. Und damit haben sie sich vollständig daraus befreit. Ein schönes Beispiel, was radikale Akzeptanz bewirken kann.

Hier wird mal genauer erklärt, was radikale Akzeptanz ist:

26.01.2015 :: Erfahrungsbericht soziale Phobie

Wir haben eine Mail bekommen, in dem uns der Autor sein Buch vorgestellt hat. Ein Erfahrungsbericht über seine soziale Phobie und wie er sie bewältigt hat. Mehr dazu findet ihr hier:

Auf der Homepage findet man auch einige interessante Infos oder Links. Lohnt sich, da mal zu stöbern.

12.01.2015 :: Artikel DAZ: Sozialphobie bei Kindern und Jugendlichen

Ein recht interessanter Artikel, wo endlich auch mal die junge Generation mit ihren Problemen gesehen wird. Gerade die soziale Phobie belastet ja oft schon in jungen Jahren und entwickelt sich auch dort. Insofern ist es wichtig, möglichst früh schon Problematiken zu erkennen und hilfreiche Angebote zu haben.

Die Sache passt auch gerade sehr gut, weil wir ja am letzten Sonntag eine neue Sopha Gruppe für junge Erwachsene gegründet haben.

PDF hier klicken...

11.01.2015 :: Männer und Frauen unter sich

Vor einiger Zeit kam die Idee, mal die sonst gemischten Gruppen aufzuteilen. Frauen unter sich und Männer ebenso. Jetzt tauchte die Idee mal wieder auf und wir werden das in einer der nächsten Offenen Gruppen wohl machen. Dort haben wir sowieso immer 2 parallel laufende Gruppen von jeweils etwa 12 Personen. Wir müssen nur schauen, dass wir das mal an einem Abend machen, wo die Anzahl Männer und Frauen halbwegs ausbalanciert ist.

Jedes Setting lädt ja zu etwas ein. Wir haben das schon einige Male erlebt, dass zufällig nur Männer in der Gruppe waren. Und das waren dann ganz interessante Abende, weil mal über persönliche Dinge gesprochen wurde, die sonst nicht angesprochen wurden.

Woran liegt das eigentlich? Jeder Mensch hat Themen, die kann er problemlos oder sogar gerne mit beliebigen anderen Menschen besprechen. Dann gibt es aber auch Themen, da braucht es bestimmte Bedingungen, damit man darüber reden kann: Vertrauen, Vertrautheit, sich angenommen fühlen, ein interessiertes Gegenüber oder auch mal eine aktive Unterstützung durch andere im Gespräch. Es kommt auch auf die gesellschaftliche Situation an: In einer Selbsthilfegruppe ist man in der Regel viel offener, als auf der Arbeit oder im Gespräch mit einem Nachbarn. Darum funktionieren ja Selbsthilfegruppen so gut: Sie schaffen einen Raum, wo man einfach weiß, hier darf ich über all das reden, worüber ich sonst kaum rede.

Und dann gibt es natürlich die Reaktion auf das andere Geschlecht. Gerade bei sozialen Ängsten kann das eine große Rolle spielen. Es ist vor allem die Bedeutung, die das andere Geschlecht für mich hat oder haben könnte. So fühle ich mich dann z.B. befangen oder kritisch beobachtet. Oder ich bekomme einen inneren Druck, gefallen zu müssen. Dann rede ich vielleicht sehr künstlich und traue mich nicht, authentisch zu sein.

Und dann gibts natürlich den ganzen Bereich Partnerschaft, Erotik, sexuelle Anziehung und Verliebtheit. Wer gerade Single ist, sieht im anderen Geschlecht einen möglichen Partner und wird dann schon aus dieser Situation heraus ganz anders kommunizieren. Und natürlich sprechen Männer auch ganz gerne über Frauen, aber erst dann, wenn sie unter sich sind ;-)

Daneben gibts auch viele Prägungen, die wir in bestimmten geschlechterspezifischen Beziehungen gemacht haben. Da gabs z.B. den unangenehmen Lehrer und ein Mann in der Gruppe erinnert mich von seiner Art her nun an diesen Lehrer. Wir sind ja ständig dabei, das Jetzt mit der Vergangenheit zu vergleichen und uns entsprechend zu verhalten.

All dieses Geschehen ist in der Summe äußerst komplex. Wenn man dann noch Homosexualität mit einbezieht, drehen sich viele Aussagen auch wieder um und es wird in der Summe noch komplexer. Man braucht das aber auch alles gar nicht zu verstehen, es ist ja schonmal interessant, wenn man einfach mal eine Trennung vornimmt. Und sich dann überraschen lässt, was in diesem neuen Gesprächsrahmen so entstehen wird. Selbsthilfe ist ja vor allem ein Ort, wo man viel experimentieren und Erfahrungen sammeln kann.

Reine Männer- und Frauengruppen können auch die Geschlechtersolidarität erhöhen und die Beziehungen unter den Frauen oder den Männern verbessern. Hier ist uns nämlich aufgefallen, dass die Männer irgendwie mehr Kontakt pflegen und mehr Freizeitangebote organisieren. Warum Frauen im Kontakt untereinander zurückhaltender sind, ist eine spannende Frage, die wir in den nächsten Wochen vielleicht mal erkunden.

Interessant könnte es auch werden, wenn eine Frauengruppe einer Männergruppe gegenübertritt. Hier kann die Stärke, die man durch den Zusammenhalt in seiner Gruppe erlebt, etwas ermöglichen, was sonst vielleicht nicht denkbar wäre. Man müsste also auch noch Möglichkeiten schaffen, wo sich beide Gruppen im Gespräch begegnen.

-- Fred

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